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Archibong hat noch viele Wünsche

Artikel vom 05.08.2012 - 19.42 Uhr

Archibong hat noch viele Wünsche

(mac) Koko Archibong ist Verlieren gewohnt, könnte man sagen. Schließlich war der Basketballer in der vergangenen Saison beim Bundesligisten LTi Gießen 46ers unter Vertrag und musste bis zum sportlichen Abstieg des Klubs 25 Niederlagen hinnehmen. Die Schlappe, die der 31-Jährige aber am vergangenen Donnerstag mit der Nationalmannschaft Nigerias bei den Olympischen Spielen quittieren musste, steckte dem Powerforward einige Tage in den Knochen.

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Gegen das Dream Team aus den USA kassierte Nigeria beim 73:156 so viele Punkte wie noch kein anderes Team in einem olympischen Vergleich jemals zuvor. Dennoch haben Archibong und die Basketballer aus dem westafrikanischen Land noch Chancen auf das Viertelfinale, daran konnte auch die nächste Niederlage am Samstagabend gegen Argentinien nichts ändern. Allerdings muss die Mannschaft, die auf den ehemaligen Gießener Michael Umeh verzichten muss, am heutigen Montag gegen die favorisierten Franzosen (15.30 Uhr) gewinnen, während Litauen nicht gegen Tunesien (12.15 Uhr) siegen darf.

»Es war toll, gegen die Jungs zu spielen. Das war eine ganz besondere Erfahrung, davon kann ich meinen Kindern mal erzählen. Aber es ist natürlich blöd, bei so einem Spiel auf der falschen Seite zu sein. Das Ergebnis war furchtbar«, sagte Archibong nach der Partie gegen das Dream Team mit den NBA-Stars Le Bron James, Kobe Bryant und Co., die den Olympiarekord auf dem Feld mit einem Dauergrinsen begleiteten. Die bisherige Bestmarke datierte von den Olympischen Spielen 1988, als Brasilien in Seoul Ägypten mit 138:85 bezwungen hatte. Das Dream Team von 1992 hatte in Barcelona »nur« 136 Punkte erzielt. Erfolgreichster Werfer bei den Amerikanern war am Donnerstag Carmelo Anthony mit 37 Punkten. Der Mann von den New York Knicks traf wie er wollte: Ihm gelangen allein zehn Dreier. »Bei ihm sind wirklich alle Würfe reingefallen«, sagte der Nationalspieler aus Nigeria, der in der vergangenen Saison in Gießen als Starter auf der Vier im Schnitt 8,7 Punkte und 4,6 Rebounds verzeichnen konnte, anerkennend. Ein Autogramm von den Jungs aus dem Dream Team hat sich Archibong nach der Partie aber nicht geholt. »So etwas mache ich nicht. Das ist nicht mein Ding.«

Archibong, der seine Stärken in der Verteidigung hat, ist in seinem Nationalteam eher Ergänzungsspieler, der auf den großen Positionen von der Bank kommt und dort seine große Erfahrung in die Waagschale werfen soll. Nach Stationen an der University of Pennsylvania, in Frankreich (Meister mit Pau-Orthez 2004), in Deutschland und Polen dürfte der Nigerianer mit allen Wassern gewaschen sein. In der Bundesliga war Archibong zunächst für Bamberg, Berlin und Frankfurt aktiv. 2009 wurde er mit Sopot polnischer Meister und kehrte dann nach Deutschland zurück. Über Düsseldorf und Bayreuth kam er 2011 an die Lahn. Derzeit ist Archibong vereinslos. »Ich würde gerne in der Bundesliga bleiben. Aber darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn Olympia vorbei ist. Ich will das hier jetzt alles erst einmal genießen. Außerdem haben wir am Montag ein wichtiges Spiel, auf das müssen wir uns konzentrieren«, erklärt der Riese, der mit seiner Ehefrau im fränkischen Fürth wohnt. Eine Rückkehr nach Gießen ist zwar nicht ausgeschlossen, aber doch eher unwahrscheinlich.

Nigeria hatte überraschend im Qualifikationsturnier in Venezuela den Cut für London geschafft, während Deutschland wegen des schwachen Abschneidens bei der EM 2011 nicht dabei ist. Die Freude nach dem Sieg Nigerias über die Dominikanische Republik im Spiel um Platz drei war damals sehr groß. Die größte Überraschung aber war der Viertelfinalsieg über Griechenland (80:79). Nigeria zählt zu den besseren afrikanischen Teams und konnte im Olympischen Turnier im ersten Spiel gegen Tunesien das zweite afrikanische Team in London besiegen. Für den Viertelfinaleinzug stehen die Chancen aber nicht besonders gut. »So lange die Möglichkeit besteht, werde wir alles versuchen«, sagte Archibong kämpferisch, nach dem er nach der Niederlage gegen die USA noch sehr ernüchtert gewesen war.

»Wir haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Und sie machen einfach alles richtig. Am meisten hat mich beeindruckt, wie gut sie zusammenspielen und wie gut sie als Team harmonieren«, so Archibong. Auf die Frage, wer die NBA-Stars im Turnierverlauf stoppen soll, hatte er keine Antwort: »Ich weiß nicht. Viele sagen immer, dass die Spanier eine Chance hätten, aber ich glaube das nicht.« Heute will Archibong zunächst Frankreich besiegen und dann ins Viertelfinale einziehen. »Das wäre super, denn es ist toll hier. Am besten ist es in der Mensa, wenn man all die anderen Sportler trifft. Ich würde gern noch bleiben«, sagt der Profi. Dieser Wunsch gilt auch für die Bundesliga.

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Artikel vom 05.08.2012 - 19.42 Uhr
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