Artikel vom
18.12.2007 - 17.20 Uhr
Alsfeld in mitten des Rotkäppchenlandes
Alsfeld ist mit seinem Fachwerkensemble, dem weltbekannten
spätgotischen Rathaus ein architektonisches Kleinod. Das Alsfelder
Märchenhaus ist ein weiteres Highlight, in dem die professionelle
Märchenerzählerin Gudrun Grünberg die Besucher in der Zeit der
Kindertage versetzen. Dabei spielt das Rotkäppchen in Alsfeld eine
besondere Rolle, sagt man doch, dass sich die Brüder Grimm bei der
Beschreibung dessen von der Schwälmer Tracht haben inspirieren lassen.
© dpa
Alsfeld wurde wahrscheinlich während der Karolingerzeit im 8./9. Jahrhundert als Hofsitz gegründet und besaß, wie Grabungen in der Walpurgiskirche ergaben, bereits im 9./10. Jahrhundert eine romanische Kirche mit drei Apsiden. Burg und Stadt entstanden durch die Territorialpolitik der Landgrafen von Thüringen zwischen 1180 und 1190. Erstmals 1069 und 1076 urkundlich genannt, wird 1222 bzw. 1231 der städtische Charakter bezeugt. Mit Grünberg und Marburg gehörte Alsfeld 1254 dem Rheinischen Städtebund an. Verkehrslage und Politik der Landgrafen von Hessen begünstigten einen raschen Aufschwung der Stadt.
Alsfeld entwickelte sich aufgrund der Leistungen seiner Bürger in Handwerk und Handel zu einer wohlhabenden Stadt an der "Straße durch die kurzen Hessen", was sich im Bau von Kirche, Kloster, Türmen, Rathaus und Wasserversorgungsanlagen niederschlug. Alsfeld wurde zeitweise Residenz des Landgrafen Hermann II. von Hessen und seinen Nachfolgern, der sich hier um 1395 ein Schloss erbauen ließ. Große Bedeutung hatten die Zünfte, die durch den "Korebrief" von 1429 Einfluss auf die kommunale Politik gewannen.
Die schöpferischen Leistungen der Bürger gipfelten in den Bauten des 16.Jahrhunderts. In der Blütezeit des Bürgertums entstanden Rathaus (1512-1516), Weinhaus (1538) und Hochzeitshaus (1564-1571). Mit zahlreichen Fachwerkhäusern geben sie dem Marktplatz noch heute sein malerisches Bild. Zusammen mit dem mittelalterlichen Gepräge der Gassen machen sie die Stadt zu einem Kleinod im Kranz der oberhessischen Städte.
Im 19.Jahrhundert erlebte Alsfeld als Kreisstadt (1832), durch Eisenbahnbau (1870) und Industrialisierung einen Aufschwung, durch den das Ackerbürgertum eine tief greifende Veränderung erfuhr. Autobahnanschluss (1938) und weitere Industrieansiedlung heben den Ausbau zum zentralen Ort wesentlich gefördert, wobei der historische Stadtkern als Mittelpunkt erhalten werden konnte.
Die Stadt Alsfeld bietet ein interessantes Kulturprogramm in einer Bandbreite, die durchaus sehenswert ist. Angefangen von der Reihe Theater-Regional über Konzerte im Rahmen des Programmes Musik-Art bis hin zur "Kultur-Karawane" wird in Alsfeld für jeden etwas geboten, es gibt ein Regionalmuseum und eine Bücherei.