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Ansprechender Ort des Gedenkens

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Artikel vom 23.10.2013 - 08.53 Uhr

Ansprechender Ort des Gedenkens

Alsfeld-Angenrod (ia). Mit Ansprachen von Ortsvorsteher Axel Möller, Bürgermeister Stephan Paule und besinnlichen Ausführungen von Pfarrer Walter Bernbeck erfolgte am Sonntagnachmittag die Einweihung der Gedenkstätte für die ehemalige Israelitische Gemeinde Angenrods.

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Ortsvorsteher Axel Möller vor der Gedenktafel am Platz der ehemaligen Synagoge. (ia)
Eine repräsentative Bronzeguss-Gedenktafel, platziert am Eingang der historischen und 1961 niedergelegten Synagoge, erinnert über sieben Jahrzehnte nach Erlöschen dieser Gemeinde an die früheren Bürger jüdischer Konfession. 41 Angenröder fielen im Zuge des NS-Terror-Regimes der Shoah zum Opfer. Angenrod besaß 1861 mit 41,94 Prozent der Bevölkerung den prozentual zweithöchsten jüdischen Bevölkerungsanteil einer Landgemeinde, bezogen auf das jetzige Bundesland Hessen.

An der Einweihung nahmen knapp 40 Personen teil. Veranstaltet wurde sie von Magistrat und Ortsbeirat, geladen waren auch Spender und Zeitzeugen. Die Tafel wurde über Spenden finanziert und von einer Herborner Metallgießerei fachlich versiert angefertigt. Sie zeigt eine Reliefdarstellung der 1797 erbauten Fachwerksynagoge, die einzigartig in der Region war. Zudem wurde sie mit einem in hebräischer Schrift gesetzten Trauersegen der Angenröder Synagoge, dem Memento »Für religiöse Toleranz und Mitmenschlichkeit« sowie der Angabe »hier stand von 1797 bis 1961 die Synagoge der ehemaligen Israelitischen Religionsgemeinde Angenrod« ansprechend versehen.

Die Gedenktafel wurde auf sieben unterschiedlich hohen Basaltsäulen fixiert. Die Stelen reflektieren den jüdischen Leuchter, die Menorah. Die Menorah krönte nicht nur Synagogen, sondern ziert auch das Staatswappen Israels. Angenrods originelle Stelen-Kreation geht auf einen Vorschlag von Ortsbeiratsmitglied Gerhard Stock zurück. Ansprechend ausgeführt wurden die Bauarbeiten von Mitarbeitern des Bauhofs.

Ortsvorsteher Axel Möller dankte zunächst denen, die dazu beitrugen, »dass nach vielen Jahren dieser Platz der Erinnerung an die ehemalige Synagoge seiner Bestimmung werden kann.« Möller hoffte, dass diese Gedenkstätte »für immer ein Ort des Glaubens und des nachbarschaftlichen freundlichen Miteinanders« wird. Insbesondere dankte er »den Verantwortlichen an den Geldquellen« für die »umfangreiche Hilfe«, auch allen Spendern. Neben der Heinz und Gisela Friederichs-Stiftung zählte auch die Stiftung der Sparkasse Oberhessen zu den Unterstützern.

Pädagogisches Zentrum geplant

Bürgermeister Stephan Paule blickte auf die Historie dieses ehemals imposanten Fachwerkgebäudes zurück. Über 50 Jahre sei es jetzt her, dass dieses Gebäude abgerissen worden sei. Paule thematisierte die heute praktizierte Sensibilität bezüglich der Denkmalpflege – der »Bausubstanz« – und auch hinsichtlich der besonderen Bedeutung dieses Synagoge für diesen Ort. Die Geschichte der jüdischen Bürgerinnen und Bürger habe in Deutschland und in Angenrod im Besonderen eine große Bedeutung. Es sei schon, salopp gesagt, »ein Ding« gewesen, dass in den Sechziger Jahren ein solches Gebäude habe abgerissen werden können. Um so mehr freue es ihn aber heute, dass diese Tafel jetzt eingeweiht werden könne. Die Bedeutung dieses Erinnerns werde erst deutlich, wenn man zurückblicke auf das, was Angenrod und deren jüdische Gemeinde in der Vergangenheit besonders ausgezeichnet habe. Das jüdische Volk sei in seiner Geschichte immer auf der Suche nach Zuflucht gewesen, nach »einem Raum, wo die eigene Kultur und Religion in Friede und auch in Gemeinschaft ausgeübt werden konnte.«



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Artikel vom 23.10.2013 - 08.53 Uhr
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