Alsfeld (rs). Das kommt davon, wenn man sein Handy in der Schule nicht ausschaltet: Plötzlich tauchten die Namen von über einem Dutzend Bluetooth-Anschlüssen auf der Leinwand in der Aula der Max-Eyth-Schule auf.
Drei Schülerinnen chatteten über »Privates« in der Aula, und Referent Schartner zeigte in Sekundenschnelle die Texte auf der Leinwand.
Das war eines der vielen Beispiele von Götz Schartner, dass moderne Medien einerseits sehr viel ermöglichen, man mit ihnen andererseits nichts verheimlichen kann. In dieser Woche zeigte der gebürtige Norddeutsche den 15- bis 18-jährigen Berufsfachschülern, dass sie sich an kaum einer Stelle im Internet oder mit dem Handy sicher fühlen können. Denn die ständige Erreichbarkeit ermöglicht es Fachleuten in kürzester Zeit, Privates auszulesen sowie Bewegungs- oder Personalprofile zu erstellen. Letzteres wird von US-Firmen bereits weltweit betrieben und ist zu einem Wachstumsmarkt geworden. All das ist nur möglich durch einen zumeist sorglosen Umgang junger Menschen mit den neuen elektronischen Hilfsmitteln/Spielzeugen. Der von den über 100 Schülern gebannt verfolgte rund zweistündige Vortrag war von der VR Bank HessenLand ermöglicht worden.
Rund 30 Prozent der Personalchef werfen unter dem Namen von Bewerbern einen Blick ins Internet. Darauf machte Schulleiterin Claudia Galetzka aufmerksam. Fündig würden die Personalleiter all zu oft bei anstößigen Fotos, die man vielleicht als Jugendsünde ansehen könnte, die aber auch zum Aussortieren aus dem Bewerberstapel führen kann. Schon um sich die berufliche Zukunft nicht leichtfertig zu verbauen, appellierte die Schulleiterin an die Jugendlichen, abzuwägen, was sie dem Internet anvertrauen.
Referent Schartner stellte sich als berufsmäßiger Hacker vor, der allerdings Gutes im Sinn hat: Er versucht im Auftrag von Firmen regelmäßig, in deren elektronisches Netzwerk einzudringen. Denn wenn es Schartner schafft, schaffen es die Konkurrenz oder Hacker mit böswilligen Absichten auch. So kann Schartner seine Kunden auf Schwachstellen aufmerksam machen, Sicherungsmaßnahmen empfehlen.
Bereits während der Vorstellung seiner Arbeit hatte Schartner die aktiven Bluetooth-Handys in der Aula angesteuert und sie auf der Leinwand sichtbar gemacht. Dann fragte er in die Runde, wem welches Handy sei. Gab sich ein Besitzer nicht zu erkennen, stellte Schartner in Aussicht: »Dann lass ich es gleich klingeln, dann wissen wir es.«
Handys kann man also »sehen«, so Schartner, und griff eine weitere unter Schülern verbreitete Kommunikationsform aus: SMS-Nachrichten. Auch diese lassen sich aus Handys auslesen, und wer glaube, mit Löschen eines Textes auf der sicheren Seite zu sein, liege falsch: Das meiste Gelöschte könne man wieder herstellen. Und wer ein Handy ansteuern kann, der kann es auch zum Abhören missbrauchen, das demonstrierte Schartner am Beispiel eines VR Bank-Mitarbeiters. Dabei sieht der Handyeigner nicht mal im Display, dass sein Telefon gerade aktiv ist, man kann das Display »einfrieren«. Der Referent riet den Schülern, die Bluetooth-Funktion wenn möglich zu deaktivieren und nicht alles, was als MMS (Multimedia Messaging Service, Weiterentwicklung von SMS, Short Message Service) ankommt, zu öffnen. In belanglos erscheinenden Bildern könne sich ein Virus verbergen, der schlimmstenfalls im Verborgenen wochenlang teure Servicenummern anwähle. »Mit wem chattest du?« - »Mit dem Jannik.« - »Bist Du sicher?« - Referent Schartner machte den Schülern auch klar, dass sich bei den virtuellen Treffpunkten hinter Namen jeder verbergen kann, schlimmstenfalls Kriminelle oder Pädophile. Er Schartner, habe mal den Freund seiner Tochter aus dem Chat geschmissen, sich an dessen Stelle 20 Minuten lang eingeklinkt, ohne dass die Tochter es gemerkt habe.