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Bei vielen Kindern »ist der Problemsack voll«

Artikel vom 13.02.2010 - 09.00 Uhr

Bei vielen Kindern »ist der Problemsack voll«

Vogelsbergkreis (aaz). Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. So kommen immer öfter Eltern mit erst fünf Jahre alten Kindern in die Sprechstunde der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz in Alsfeld. Davon berichteten jetzt im Gespräch die Ärztin Dr. Birgit Klug und die Psychologin Dr. Sigrid Kühl.
Psychologin Dr. Sigrid Kühl (links) und Ärztin Dr. Birgit Klug von der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz Alsfeld.	(Foto
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Psychologin Dr. Sigrid Kühl (links) und Ärztin Dr. Birgit Klug von der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz Alsfeld. (Foto: jol)
Mangel an Behandlungsplätzen

Im Vogelsbergkreis ist der Mangel an ambulanten und stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlungsplätzen ein großes Problem. 500 Kinder und Jugendliche werden jährlich in Alsfeld behandelt, es gibt wöchentlich etwa 20 Anmeldungen für ein Erstgespräch. Die Wartezeit liegt bei dreieinhalb Monaten. Auf einen ambulanten Platz bei einem Kinder- und Jugendtherapeuten muss man bis zu einem Jahr warten, für einen stationären Platz in der Vitos Klinik Lahnhöhe Marburg ein Vierteljahr. Wie lange die Kinder in der Alsfelder Ambulanz in Behandlung bleiben, ist sehr unterschiedlich. Manchmal endet die Behandlung nach der Diagnostikphase, die etwa vier bis fünf Monate dauert. Andere Kinder, vor allem die, deren medikamentöse Behandlung beobachtet wird, kommen seit Bestehen der Ambulanz in Alsfeld regelmäßig. Das sind inzwischen sechseinhalb Jahre. Zur Zeit sind in Alsfeld drei Ärzte, vier Psychologen, drei Arzthelferinnen und eine Motopädin (Bewegungstherapie) beschäftigt.

Die Kinder, die sich in Alsfeld anmelden, kommen nicht nur aus dem Vogelsbergkreis. Es wurde sogar schon einmal ein Kind aus der Wetterau vorgestellt, weiß Kühl zu berichten. Durch die langen Wartelisten überall bewerben sich die Betroffenen an möglichst vielen Stellen, um so schnellstmöglich einen Platz zu bekommen. Und der Einzugsbereich wird immer größer. (aaz)

Der Andrang ist groß, pro Woche gibt es etwa 20 Neuanmeldungen. Insgesamt zeigen 21,9% der Kinder in Deutschland Symptome für psychische und psychosomatische Störungen wie Essstörungen, Hyperaktivitäts-Probleme, Migräne, Angst, Aggressionen oder Depressionen. Diese nehmen zunehmend den Platz früherer rein körperlicher Beschwerdebilder wie etwa Asthma, Neurodermitis oder allergischer Erkrankungen ein. Dieser Entwicklung entgegen steht ein erheblicher Mangel an ambulanten und stationären Behandlungsplätzen auch für den Vogelsberg. Wartezeiten von bis zu einem Jahr für einen ambulanten Therapieplatz oder von einem Vierteljahr für eine stationäre Behandlung sind eher Regel als Ausnahme. Auf Termine in der Ambulanz in Alsfeld müssen Kinder dreieinhalb Monate warten. Während der langen Wartezeiten verschlechtere sich der Zustand der jungen Patienten oft enorm, viele landen als »Notfälle« in der Klinik. Die Gründe für die Zunahme verhaltensauffälliger Kinder zu benennen, sind vielfältig, so Klug und Kühl.

Man müsse die Situation auf verschiedenen Ebenen betrachten, so Klug. Zum einen sind sowohl Eltern als auch die Fachwelt in den letzten Jahren sensibler geworden. Kinder, die früher als »Störenfriede« abgestempelt worden wären, bekommen heute Unterstützung.



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Artikel vom 13.02.2010 - 09.00 Uhr
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