Debatte um »Einhaus«, Ghetto-Haus und Kunststoff-Fenster
Längere Diskussionen entspannen sich über die Frage: Holz- oder Kunststoff-Fenster bei der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude? Nach einer Periode euphorischer Kunststoff-Gläubigkeit hat die Bauphysik inzwischen an vielen Beispielen zeigen können, wie man damit »kaputtsanieren« kann. Alte Handwerkstechniken mussten wiederbelebt werden, um eine denkmalgerechte und für den Baukörper nachhaltig wirksame Sanierung durchzuführen.
Da hat es jüngst unerfreuliche Formen der Zusammenarbeit zwischen Denkmalbehörde und der politischen Kreisspitze gegeben. So wurden z. B. in das alte Gymnasium ungenehmigte Kunststoff-Fenster eingebaut, was, streng genommen, einen Rückbau zur Folge haben müsste. Denn was soll wohl ein privater Bauherr davon halten, wenn die öffentliche Hand selber gegen Auflagen des Denkmalschutzes verstößt? Die sich daraus ergebenden Konflikte des Denkmalschutzes müssen dringend gelöst werden.
Kreis-Bauamtsleiter Hofmann berichtete sodann über die Ausstellung »Alsfeld - Europäische Modellstadt gestern - morgen - heute« im Rahmen der Fachwerktriennale 2009. Er gab einen Überblick über die Geschichte der Altstadtsanierung der Stadt. Dabei wurde diskutiert, wie man mit dem Alsfelder Kerber- und möglicherweise auch Sparkassen-Gelände stadtplanerisch umgehen soll: ein gordischer Knoten! Verschiedene Ideen, die dazu entwickelt worden sind, stießen im Denkmalbeirat auf Kritik, der dazu eine Resolution einstimmig verabschiedete: Der Denkmalbeirat des Vogelsbergkreises spricht sich dagegen aus, sowohl auf dem Kerber- als auch auf dem Sparkassen-Gelände in Alsfeld überdimensionierte Verkaufsflächen zu planen. In diesem Zusammenhang fordert er, das Gebäude »Schützenrain 2« zu erhalten.
Zu kürzeren Gegenständen der Sitzung gehörten: Planungen zum Tag des offenen Denkmals 2010 und die Gestaltung der Internet-Präsentation des Vogelsberger Denkmalbeirates.
Wer stoppt endlich diese ewig gestrigen Zukunftsverhinderer? Wer macht ihnen klar, dass durch ihre Engstirnigkeit Baudenkmäler eher gefährdet werden, da sich bald keine Privateigentümer und Kommunen mehr diesen Luxus leisten können? Die Entwicklung des Kerber-Areals soll behindert werden wegen einem Fachwerkhaus, welches a) an dieser Stelle optisch überhaupt nicht mehr ins Bild passt und b) seit Jahren niemand mehr haben will. In der "wirklichen" Alsfelder Altstadt könnte ich dies noch nachvollziehen aber dort? Irgendwann bestaunt ihr nur nur noch eure Denkmalruinen, nachdem jegliche Entwicklung gestoppt wurde. Warum ist es immer wieder möglich, dass der persönliche Geschmack und der Selbstverwirklichungstrieb einzelner über dem Verstand und der Realität stehen kann.