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05.03.2010 - 09.00 Uhr
Debatte um »Einhaus«, Ghetto-Haus und Kunststoff-Fenster
Alsfeld (pm). Auf seiner ersten Sitzung des Denkmalbeirats mit dem neuen Geschäftsführer, Bernhard Hofmann vom Kreisbauamt, ging es um eine Fülle verschiedener Einzeldenkmale und um grundsätzliche Probleme, auch zur Zusammenarbeit zwischen Politik und Denkmalschutz.
Themen waren das alte Einhaus in Sichenhausen, das Ghetto-Haus Angenrod, Kunststoff-Fenster und Einkaufszentren in Alsfeld. Die rege Diskussion bewies wieder, wie wichtig der Vogelsberger Denkmalbeirat ist, wie Volker Puthz für den Beirat resümierte. Im historischen Sitzungssaal des Alsfelder Rathauses begrüßte Vorsitzende Erika Müller besonders den Gastgeber, Bürgermeister Becker, und Hofmann. Als Leiter des Bauamts der Stadt Alsfeld 2005 bis 2009 verfügt er über detaillierte Kenntnisse seines alten Zuständigkeitsbereiches, die er nun gewinnbringend einbringt.
Neben zahlreichen Einzelfällen, über die, durchaus auch kontrovers, diskutiert wurde, lag diesmal ein Schwerpunkt auf einem besonderen Haus in Angenrod und auf der Frage, wie manchmal Politiker mit Verfügungen des Denkmalamtes umgehen. Das Problem des »Vogelsberger Einhauses« in Schotten-Sichenhausen, wieder auf der Tagesordnung, bleibt weiter ungelöst: es steht nun für zwei Jahre im Internet und sucht dort nach Kaufinteressenten. Wenn sich keine melden, wird es nicht mehr zu halten sein.
Über einem alten Fachwerkhaus mit dem Hausnamen »Haus Speier« schwebt seit 1998 ein Abbruchverfahren. Dieses Haus wird auch als »Ghetto-Haus« bezeichnet, weil aus diesem Haus im Jahre 1942 die letzten in Angenrod verbliebenen acht Juden in Todeslager der SS deportiert wurden. Schon seit 1736 lässt sich in Angenrod eine jüdische Gemeinde nachweisen, 1797 wurde dort eine Fachwerk-Synagoge errichtet, die 1961/62 einem Gefrierhausneubau weichen musste. Angenrod besaß die zahlenmäßig größte jüdische Gemeinde in der Region Oberhessen, und so gab es in dem Ort mehrere von Juden bewohnte Gebäude. Das Verhältnis aller Angenröder, gleich welcher Religionszugehörigkeit, wird in Zeitungs-Artikeln bis ins erste Drittel des vergangenen Jahrhunderts immer wieder als harmonisch bezeichnet.
Während der nationalsozialistischen Zeit emigrierten zahlreiche Angenröder Juden, ihre Häuser wechselten den Besitzer. Das einzige, heute noch stehende und in jüdischem Besitz stehende Haus ist das »Ghetto-Haus« an der Bundessstraße. In diesem Haus mussten die letzten acht Angenröder Israeliten monatelang vor ihrer Deportation ein Ghettodasein verbringen.
Angesichts seiner historisch exemplarischen Bedeutung vertritt der Denkmalbeirat die Meinung, dass dieses Haus als Mahnmal zur Erinnerung erhalten und deshalb instandgesetzt werden soll. Das Denkmalamt stellt dafür Landesmittel zur Verfügung. Anderen lobenswerten Beispielen (z. B. Kestrich, Romrod) folgend, könnte ein Kulturhaus im ländlichen Raum mit Festsaal für kleinere Veranstaltungen entstehen. Es soll versucht werden, dafür vor Ort um Verständnis zu werben.
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