Einblick in faszinierende Welt der Kräuter und Hexen
Alsfeld (ml). Die heilende Wirkung von Kräutern, mittelalterlicher Aberglaube über Hexen und Historisches zur Hexenverfolgung stehen im Mittelpunkt einer neuen Führung im Angebot des TCA.
Die »Alsfelder Hexen« Stefanie Planz (rechts) und Silvia Völker über Hexen, Heiler und Kräuterweiber. (Foto: ml)
»Hexen, Heiler, Kräuterweiber« entführen die Besucher auf einen »Rundflug der besonderen Art« durch die Stadt. Dabei steht die Unterhaltung im Vordergrund, man wille die Gäste nicht »mit Daten und Zahlen totschlagen«, meinten Stadtführerin Stefanie Planz und Silvia Völker bei der Vorstellung des Rundgangs. Sie präsentierten im passenden Outfit mit Besen und Hüten den Alsfelder Stadtführern und Mitarbeitern des TCA die neue Führung.
Mit allerlei Überraschungen versehen dreht sich die Themenführung nicht nur um die klassische Alsfelder Stadtgeschichte. TCA-Leiterin Simone Wilhelm hatte zunächst die Runde begrüßt. Mit Gedichten und Reimen über Hexen leiteten Planz und Völker zum Thema des rund zweistündigen Rundgangs über. Dabei stellten sie klar, dass »Hexen« keinesfalls grässliche und schlimme Wesen seien, »sondern weise Frauen, die heilen und helfen«. Zwar steht die Unterhaltung im Vordergrund, dennoch kann man bei diesem Thema ein dunkles Kapitel der Geschichte nicht außen vor lassen. Auf gar zu grausame Schilderungen der Hexenverfolgung wird allerdings verzichtet. Es wird von einer »Alsfelder Hexe« berichtet, die, so lautete der Vorwurf im Jahr 1663, auf einem Hexentanz gewesen sein soll. Darüber hinaus wird vom Aberglauben berichtet.
Sehr kreativ zeigten sich die Menschen des Mittelalters in der Abwehr von Hexen. Überkreuzte Besen, ein Messer im Schlüsselloch oder geweihtes Salz auf der Türschwelle sollten sie fernhalten. Der Rundgang entlang der Walpurgiskirche, wo auf die Namensgeberin Heilige Walpurga eingegangen wird, führt weiter über den Grabbrunnen hin zum Klostermauerweg, wo Kräuterfrau Erika Hamacher wartete. Selbst gebackene Kräuterbrötchen empfingen auf die Gruppe und es gabe den Blick in einen Kräutergarten. Dort war zu erfahren, dass Gärten als Ort des Friedens und Oasen der Ruhe dienen sollen. Und die richtigen Pflanzen helfen, »den verschütteten sechsten Sinn wieder zu erwecken«.
Kräuterfrauen im Mittelalter lebten meistens in Klöstern, außerhalb der Klostermauern waren sie schnell als Hexen verschrieen, so Hamacher. »Dabei waren es lediglich kluge Frauen, die um die heilende Wirkung der Kräuter wussten«. Über die entzündungshemmende Wirkung des Johanniskrauts oder den Spitzwegerich als Hustenmittel zum Beispiel. Auch giftige Kräuter seien in geringen Mengen als Heilmittel einsetzbar. In der Gerichtsstube des Rathauses ging es um das Thema Hexenverfolgung. Von 1500 bis 1750 war die Hauptzeit der Hexenverfolgung. In Fulda sollen innerhalb von 19 Jahren über 700 Hexen verbrannt worden sein. Rund 40 Prozent der sogenannten »Hexen« waren Männer, erklärte Planz, es wurden also nicht nur Frauen der Hexerei bezichtigt.
Zum Abschluss ging es zum Märchenhaus, wo es neben einer Szene über ein Kräuterweib um das Ritual des Räucherns ging. Dieses ist in allen Kulturen verbreitet, so Völker. Es diene nicht nur der Abwehr von Geistern, sondern auch der Meditation und der Förderung spirituellen Wachstums. Mit Schnaps und Brot ließ man die Führung ausklingen. Der Rundgang, der schon gebucht wurde, ist auch in etwas anderer Form für Kinder geeignet. Weitere Informationen im TCA.