Alsfeld (jol). Das »Kawumm« war weit zu hören, die Umstehenden hielten sich die Ohren zu, so gewaltig waren die Explosionen der kleinen Kanone beim Rathaussturm am gestrigen Dienstag zur Eröffnung der Karnevals-Kampagne.
»Dappcher« Muhl, »Präsi« Reibling und Bürgermeister Becker hielten die Ansprachen, den Schlüssel erhielt später ACC-Präsident Thorsten Funk.
Der Alsfelder Carneval Club ACC war mit Elferrat und Tanzgarde aufmarschiert, »Dappcher« Heinrich Muhl zog seine eigene Bilanz der vergangenen Monate in der Alfelder Stadtpolitik. Da hatte der Rathauschef den Ratsherren den Kopf gewaschen, die Verwaltung zum eisernen Sparen verpflichtet - da blieb kein Raum zum Lachen. Aber nun kehrten mit den Karnevalisten Lachen und Scherzen ins ehrwürdige Rathaus zurück, betonte der Dappcher aus der sicheren Deckung des Eingangs der Stadtverwaltung heraus. Den Ansturm hatte Bürgermeister Ralf Becker offenbar vorausgesehen, er und Magistratsmitglieder hissten schnell die weiße Fahne. Abgeführt von der Garde, vernahm er die Reime von Sitzungspräsident Martin Reibling, der sich über die Schönheit der Garde freute und düster anmerkte, »die Kass ist leer - gestrichen sind all die guten Sachen«. Mit Verweis auf die gescheiterte Ministerpräsidenten-Kandidatin Andrea Ypsilanti hoffte er, dass es Becker nicht auch so gehe: Vorne laufe die Arbeit und hinter dem Rücken laufen ihm die Genossen weg. Becker revanchierte sich gereimt: er freute sich, die leere Stadtkasse abgeben zu können und sich die kreative Arbeit der Narren von draußen anschauen zu können. Dafür werde er beim Weihnachtsmarkt als Sänger mitwirken, »bis sich das erste Kind beschwert«.