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Kranken Geborgenheit und Orientierung geben

Artikel vom 18.02.2009 - 20.26 Uhr

Kranken Geborgenheit und Orientierung geben

Alsfeld (rs). »Der Mensch muss in seinen regionalen Bezügen bleiben« betonte Harry Bernardis am Mittwoch bei einer Vorstellung des Gemeindepsychiatrischen Zentrums auf dem vormaligen Bundesgrenzschutz-Areal am Ringofen.
Das »Cafe Kunterbunt« der Vogelsberger Lebenshilfe in Alsfeld ist ein wesentlicher Baustein bei der Betreuung psychische Kranker
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Das »Cafe Kunterbunt« der Vogelsberger Lebenshilfe in Alsfeld ist ein wesentlicher Baustein bei der Betreuung psychische Kranker. Am Mittwoch stellte der Vorstand der Stiftung Heilanstalt für Kranke zu Lauterbach als Träger die Einrichtung auf dem Gelände der vormaligen Bundesgrenzschutzkaserne vor. Rechts stehen Hans-Jürgen Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, sowie der fachliche Leiter der Vogelsberger Lebensräume, Harry Bernardis. (Foto: rs)
Der regionale Bezug sei ein wesentlicher Grund, warum die Stiftung Heilanstalt für Kranke zu Lauterbach seit Jahren mit ihren Angeboten der Vogelsberger Lebensräume in die Fläche komme. Neben den größeren Einrichtungen in Alsfeld und Lauterbach haben die Vogelsberger Lebensräume nach Angaben ihres fachlichen Leiters Bernardis noch Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen in Mücke-Nieder-Ohmen, Schotten, Lauterbach, Grebenhain und Schlitz.

Die Vogelsberger Lebensräume sind ein Teil der Stiftung Heilanstalt für Kranke zu Lauterbach, wie Hans-Jürgen Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, am Mittwoch in einem Pressegespräch erläuterte. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion einer Zusammenarbeit des Alsfelder Kreiskrankenhauses mit dem Krankenhaus in Bad Hersfeld, wolle man deutlich machen, dass die Stiftung mit ihren Ablegern bereits seit vielen Jahren auch außerhalb ihres Schwerpunktes (Eichhofkrankenhaus in Lauterbach) aktiv ist. In der psychiatrischen Betreuung habe man den Auftrag für den gesamten Vogelsbergkreis, wobei man in der Entwicklung moderner Betreuungsformen Angebote entwickelt habe, die teilweise Modellcharakter hätten.

Diplom-Sozialarbeiter Bernardis erläuterte die Entwicklung der Vogelsberger Lebensräume vor dem Hintergrund von Reformbestrebungen in der Psychiatrie seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Demnach sei man damals von den großen Einrichtungen abgekommen, die aufgrund ihrer zentralen Lage die Patienten zwangsläufig aus dem normalen sozialen Umfeld herausgelöst hätten. In diesem Sinne seien insbesondere die Beratungsstellen über den Vogelsbergkreis verteilt. Diese bildeten das niederschwellige Angebot, über mögliche Probleme mit einer Fachkraft zu reden, was kostenlos sei und auch anonym passieren könne. Eine Beratung wird jährlich etwa von rund 300 Personen in Anspruch genommen. Sollte die in den Beratungsstellen arbeitende Psychotherapeutin nicht weiter helfen können, werde der Patient an nachgeordnete Instanzen vermittelt. Als Beispiele dafür nannte Bernardis Betreutes Wohnen, wobei der betroffene Mensch in seiner gewohnten Umgebung, etwa seiner Wohnung, bleiben könne und eine Fachkraft nur regelmäßig unterstützend wirke. Dabei gehe es auch darum, dass sich der Kranke nicht gegenüber seiner Umwelt abkapsele, was oft eine Nebenerscheinung der Krankheiten sei, sondern auf sein Umfeld - etwa im Vereinsleben - zugehe. Natürlich gelte es gleichermaßen Vorbehalten von Dritten entgegen zu wirken. Gegen Isolation Betroffener helfe in Alsfeld zudem die Tagesstätte, in der man auch »Leidensgenossen« treffe, jederzeit Beratung bekomme und mit vielen Angeboten an einen geregelten Tagesablauf wieder herangeführt werde. Speziell der letztgenannte Punkt sei in vielen Fällen nötig. Abgeboten werden verschiedene Arbeitsformen - teilweise in Zusammenarbeit mit Behinderteneinrichtungen - es gibt Ergotherapie und Trainingsangebote, die darauf abzielen, die Betroffenen wieder für ein Arbeitsleben zu stärken. Dabei hilft insbesondere ein kleines öffentliches gastronomisches Angebot, das »Cafe Kunterbunt«, das nicht nur von Patienten gerne in Anspruch genommen wird, sondern insbesondere auch von den Mitarbeitern der vielen Firmen, die sich im Laufe der Jahre auf dem vormaligen Bundesgrenzschutz-Areal niedergelassen haben.

Wenn auch die aufs Jahr gesehen rund 60 Patienten allen Altersgruppen zwischen 18 und 65 angehören, so hat Bernardis in der letzten Zeit eine vermehrte Häufigkeit speziell bei jungen Menschen ausgemacht. Stichworte dazu seien Orientierungslosigkeit und nicht angepasstes Verhalten. In diesen Fällen setze man mit pädagogischer Arbeit an, bevor sich Probleme verfestigten, die dann anderweitig behandelt werden müssten. In diesem Zusammenhang wies der Leiter der Vogelsberger Lebensräume darauf hin, dass die gute Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Instanzen dazu beitrage, frühzeitg auf Fehlentwicklungen bei Menschen aufmerksam zu werden. Beispielhaft sei die Zusammenarbeit etwa mit der Kommunalen Vermittlungsagentur, deren Mitarbeiter extra geschult worden seien, Auffälligkeiten deuten zu können. In diesen Fällen könnten sie den Betroffenen den Kontakt zu Einrichtungen der Vogelsberger Lebensräume herstellen.

Für gravierendere Beeinträchtigungen bieten die Vogelsberger Lebensräume Wohnheime an, eines davon in Alsfeld in der Nähe der Tagesstätte. Ein Aufenthalt dort sei meist zeitlich begrenzt, informierte Bernardis. Ein neues Projekt sei jetzt das begleitete Wohnen, das ein Leben Betroffener in einer fremden Familie bedeute. Dabei gehe es darum, ein normales soziales und betreuendes Umfeld zu bieten. Man habe im Kreis 20 Familien gefunden, die sich so einer Aufgabe stellen könnten und werde noch in diesem Monat in drei Fällen Klienten unterbringen.

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