Artikel vom
26.03.2009 - 20.54 Uhr
Mordprozess wird ab 7. April neu aufgerollt
Gießen/Gemünden/Alsfeld (ti). Dreieinhalb Monate hatte das Schwurgericht in Gießen im Fall Cuma D. verhandelt. Dann war der Prozess Ende Januar geplatzt.
Der Grund: Das Vertrauensverhältnis zwischen dem 47-Jährigen aus Alsfeld, der sich wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin verantworten musste, und seinen Anwälten war »unheilbar zerrüttet«. Nun wird das Verfahren neu aufgerollt. Prozessauftakt ist am 7. April. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, seine Lebensgefährtin in einem Waldstück in der Gemarkung Gemünden aus kürzester Entfernung erschossen zu haben, weil sie sich von ihm trennen und mit den Kindern ein neues Leben beginnen wollte.
Ein Schuss traf die junge Mutter in die Brust, die drei anderen Schüsse trafen ihren Kopf.
Zwölf Verhandlungstage hatte Cuma D. zu diesen Vorwürfen geschwiegen. Am 13. packte er schließlich aus. Die Geschichte jedoch, die der 47-Jährige der Fünften Großen Strafkammer des Landgerichtes auftischte, war schier unglaublich gewesen und selbst für erfahrene Prozessbeobachter kaum nachvollziehbar: Er sei am Abend des 22. Januar entführt worden und habe erst bei der Polizei vom Tötungsdelikt erfahren. Seine Anwälte hätten ihm geraten, dazu keine Angaben zu machen, weil die Geschichte nicht glaubhaft sei. Auch über seine Schusswaffe, die er im Garten vergraben hatte, sollte er schweigen. Der 29-jährige Sohn des Alsfelders hatte im Zeugenstand behauptet, er habe die Pistole der Anwältin übergeben. Beide Verteidiger legten daraufhin nacheinander ihre Wahlmandate nieder, von einer Waffe wollte niemand etwas wissen. Mittlerweile liegen die Dinge anders.
Gegen beide Juristen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Cuma D. und sein Sohn müssen sich wegen Waffenbesitzes verantworten. Vieles im Indizienprozess sprach gegen den Angeklagten: Schmauchspuren waren in seinem Wagen gefunden worden. Die Reifenprofile passten auf die am Tatort gefundenen Spuren. Dass er das Fahrzeug am Morgen nach der Tat mit einem Hochdruckreiniger gesäubert hatte trug ebenso wenig zu seiner Entlastung bei, wie die Tatsache, dass er den kompletten Reifensatz am 23. Januar auswechseln ließ, obwohl dieser noch neuwertig war.
Zur Sprache kamen im Verhandlungsverlauf zudem zahlreiche gewalttätige Übergriffe des Angeklagten gegen Familienmitglieder. Rund 40 Zeugen hatten ausgesagt. Mehrere Gutachten wurden erstattet. Das wird sich alles wiederholen.