Alsfeld (aaz). Von Lampenfieber ließen sie sich trotz der mit Schülern voll besetzten Aula nichts anmerken: Drei der 22 Preisträger des sechsten Jugend-Literaturpreises der OVAG stellten am Freitag an der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) ihre Texte vor.
Schauspielerin Uschi Flacke (links) und Andreas Matlé von der OVAG (rechts) mit den beiden Gewinnern Johanna Benz und Benjamin Pizarro. (Fotos: aaz)
Dabei handelte es sich um die diesjährige Hauptsiegerin Ann-Kathrin Roth aus Lauterbach, die jetzt in Jena studiert, Benjamin Pizarro aus Bad Nauheim sowie die Alsfelderin Johanna Benz. Dabei zeigten sie, was sie beim Literatur-Workshop, einem der Preise des Wettbewerbs, alles gelernt hatten: Mit viel Leben und Redegewandtheit trugen die Drei ihre mit professioneller Unterstützung bearbeiteten Texte und Geschichten vor.
Die Moderation der Lesung übernahm Uschi Flacke, von Beruf Kabarettistin und Autorin, sie sitzt seit fünf Jahren in der Jury des Jugend-Literaturpreises. Zunächst trug sie Stellen aus ihrem Roman »Die Hexenkinder von Seulberg« vor. In dem auf wahren Gegebenheiten beruhenden Roman geht es um mittelalterliche Hexenprozesse, bei denen über 60 Menschen auf Grundlage der Aussagen von Kindern hingerichtet wurden. Dann wurde das Mikrofon an den »Nachwuchs« weitergegeben. Den Anfang machte die 20-jährige Ann-Kathrin Roth aus Lauterbach, die diesjährige Gewinnerin des Wettbewerbs. Ihre Geschichte »Chocolate covered napalm« beschreibt auf abgeklärte und verbitterte Weise die Grausamkeiten und den ernüchternden Alltag des Vietnamkriegs aus der Perspektive eines amerikanischen Lieutenant. In seiner Einheit treffen grausame Soldaten mit Lust am Töten auf junge Männer, die eigentlich lieber ganz woanders wären und ihr Leben leben würden, treffen Tod und Verzweiflung auf Hoffnung und Zukunftswünsche. »Niemand kommt als Mensch zurück«, beschreiben der Lieutenant und Roth die Auswirkungen des Krieges. Gekonnt gelingt es der Studentin, die Soldaten nicht als homogene Masse erscheinen zu lassen. Sie gibt ihnen Namen, Gesichter, Charakterzüge und macht sie somit fassbar.
Die nächste Geschichte wurde von Benjamin Pizarro vorgetragen. Der 19-Jährige aus Bad Nauheim steckt zur Zeit mitten in den Abitursvorbereitungen. Seine »Herbstgeschichte« ist eher ein Stimmungsbild. Nicht actiongeladen, nicht rasant, vermittelt sie ein melancholisches Zusammenspiel von trübem Herbstwetter, toten Ahornblättern und trüben, toten Stimmungen und Gemütern. Dabei fallen detailliert beschriebene Kleinigkeiten und scheinbar zusammenhanglose Satzkonstellationen auf. »Sie benutzte nie Würfelzucker. Und nun war ihr Mann tot.« Es ginge ihm vor allem darum, Bilder in den Köpfen der Leser zu erzeugen, erklärt Pizarro.
Zu guter Letzt was es an der 15-jährigen Alsfelderin Johanna Benz, ihr Werk vorzulesen. Benz, selbst Schülerin an der ASS und für die Zuhörer somit ein bekanntes Gesicht, hatte ein Szenario entworfen, in dem Wissenschaftler Spinnen gezüchtet haben, die intelligenter sind als Menschen. Diese Spinnen begeben sich auf einen »Rachefeldzug« gegen die Menschen. Benz las sehr lebendig und facettenreich, legte Emotionen in die Sätze und hauchte den Figuren dadurch Leben ein. Die Geschichte »Acht Beine« hat sie extra für den Wettbewerb geschrieben, erklärt die jüngste der drei Nachwuchsautoren. Auch sonst schreibe sie viel, aber das Meiste sei ja dann doch sehr persönlich oder zu abstrakt, um es einzuschicken.
Auch Pizarro schreibt viel und hat zwei Minuten vor Einsendeschluss entschieden, nun doch einen seiner Texte per E-mail abzuschicken. Begeistert äußern sich Benz und Pizarro zu ihren Erfahrungen aus dem viertägigen Literaturworkshop, zu dem alle Gewinner des Wettbewerbes eingeladen werden. Dort, so erklärte Andreas Matlé von der OVAG, haben die Jugendlichen die Möglichkeit, Regeln, Tipps und Tricks von professionellen Schriftstellern und Journalisten zu bekommen und mit deren Hilfe ihre Texte noch einmal zu bearbeiten. »Es wird einem aber nichts aufgezwungen«, stellt Roth klar. Sie ist das dritte Mal unter den Preisträgern und bereits das zweite Mal eine der besten Drei. Und sie wird wieder mitmachen, soviel ist klar.
Auch Benz und Pizarro sind begeistert von den Erfahrungen des Workshops und wollen unbedingt wieder teilnehmen. Sie hätten in den vier Tagen nachts wenig geschlafen, tagsüber viel gelernt, abends viel zusammengesessen und über den ganzen Zeitraum eine Menge neuer, interessanter Menschen kennen gelernt, erzählen die Beiden. »Der Deutschunterricht in 13 Jahren Schule war ein Witz dagegen«, erklärt Pizarro.