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Projekt Elternschaft mit Plastikbaby »Zoey« geübt

Artikel vom 27.04.2010 - 18.58 Uhr

Projekt Elternschaft mit Plastikbaby »Zoey« geübt

Alsfeld (ks). Liebevoll halten die Schülerinnen die »Babys« im Arm und Schüler Dennis führt gerade an »Zoey« schwungvoll die richtige Wickeltechnik vor.
Schüler Dennis wechselt unter den wachsamen Augen von Mitschülern und Klassenlehrerin Susanne Schlosser-Rock die Windel von Baby
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Schüler Dennis wechselt unter den wachsamen Augen von Mitschülern und Klassenlehrerin Susanne Schlosser-Rock die Windel von Baby »Zoey.« (Foto: ks)
Kleiner Unterschied zum echten Familienleben: hier sind die Babies aus Plastik und haben einen eingebauten Computerchip, der sie je nach Programmierung weinen oder selig glucksen lässt. Denn wir sind im Projekt »Baby-Bedenkzeit« der Klasse 8Ha der Alsfelder Geschwister-Scholl-Schule.

Klassenlehrerin Susanne Schlosser-Rock hat das Projekt des Diakonischen Werkes für eine Woche »gebucht« und Astrid Mekelburg ist mit den Plastik-Babies angereist, um mit den Schülern ein kleines Elternpraktikum abzuhalten. »Am Anfang hatten wir sicher auch Zweifel,« erzählt Mekelburg, denn Kritiker des Projektes hatten gemutmaßt, es solle junge Menschen das Kinderkriegen vermiesen.

Mittlerweile habe sich jedoch herausgestellt, das genau das nicht der Fall ist. Denn die allermeisten Teilnehmer ließen sich in einem Kinderwunsch überhaupt nicht abschrecken. Das zeigten die Befragungen nach Ende des Projektes. Die Schüler hätten allerdings recht realistisch erfahren, wie es ist, mit einem Neugeborenen zu leben, und hätten die Chance, irgendwann informierter ins Projekt Elternschaft zu starten. Zu Beginn erstellten die jungen Leute eine Liste, was so nötig ist zur Familiengründung: ein fester Partner, eine Ausbildung und eine feste Arbeitsstelle landeten ganz oben, darüber hinaus brauche es für Kinder unter anderem »Fürsorge, Gefühl, Interesse und Nähe.« Eltern müssten unter anderem »Ausdauer, Bildung, Zeit, Kraft und Liebe« mitbringen.«

15 Jugendliche haben sich paarweise vier Tage lang um die sieben »Babies« gekümmert, ein Mädchen war »alleinerziehend«, die anderen konnten sich nächteweise in der Betreuung abwechseln, was doch eine gewisse Erleichterung bedeutete, »denn meins hat sieben Mal pro Nacht geschrieen«, berichtete ein Schüler. Sie waren per Armband mit »ihrem« Baby verbunden und mussten auf dessen Bedürfnisse reagieren, also füttern, windeln oder trösten. Der Computer registrierte auch, wenn die »Babies« länger als zwei Minuten unversorgt blieben. Auch die Schreifrequenz konnte gesteigert werden. Rund 15 verschiedene Tagesabläufe sind einprogrammiert und wenn die »Eltern« mal keine Zeit hatten, dann konnten »Lucy« oder »Ciara« auch an Astrid Mekelburg in »Tagespflege« gegeben werden. Sie zeigte sich sehr zufrieden und stellte fest, die Schüler seien richtig in die Elternrolle hineingerutscht und hätten sich verantwortungsvoll um den »Nachwuchs« gekümmert. Dazu gehörte auch, »Momente von Wut und Verzweiflung zu erleben«, wenn die Kleinen partout nicht mit Schreien aufhören wollen. Alle, die Kinder haben, wüssten, »dass man irgendwann mal am Ende ist,« so Astrid Mekelburg. Dann sei es wichtig, zu wissen, wo man sich Hilfe holen kann. Und auch die Jungen hätten peinliche Situationen gut gemeistert, etwa wenn es darum ging, sich mit dem Plastikbaby im Arm im Drogeriemarkt nach den Windelpreisen zu erkundigen. Das fand auch Schulleiter Herbert Weller »ganz schön mutig.« Am Ende sagten die meisten, sich hätten richtige Elterngefühle entwickelt - nur ein Schüler will sich das mit Kindern genau überlegen, ihm war es »zu nervig.«

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Artikel vom 27.04.2010 - 18.58 Uhr
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