Alsfeld (aaz). Da waren die Siebtklässler ganz Ohr, als der ehemalige Schüler »ihrer« Einrichtung aus dem beruflichen Alltag als Optiker berichtete. An der Geschwister-Scholl-Schule stellte Optikermeister Bernd Scheuer die Tätigkeit und die Aufstiegschancen in seinem Bereich vor, seine Auszubildende Annika Weitzel, ebenfalls Absolventin der GSS, gab einen Einblick in ihren Ausbildungsalltag.
Für das Gespräch über den Berufsalltag im Brillengeschäft hatten sich die Siebtklässler vorbereitet und stellten viele Fragen an Bernd Scheuer und Azubi Annika Weitzel. (Foto: jol)
Das Ganze war Teil des Pilotprojekts Kompetenztraining. Die Alsfelder Haupt- und Realschule ist eine von 120 hessischen Schulen, in denen Siebtklässler gezielter auf den Beruf vorbereitet werden. Dabei geht es nicht um konkrete Jobs, sondern darum herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen.
Das Projekt in Kooperation von GSS und Bildungswerk der hessischen Wirtschaft in Kooperation mit der Arbeitsagentur ging über drei Tage. Dabei hatten die Schüler die Chance herauszufinden, welches Berufsfeld ihnen am meisten liegt. Alle Mitarbeiter wurden, bevor das Projekt startete, besonders geschult, um alles verständlich erklären zu können. Sinn des Projektes ist es, dass die Schüler schon in der 7. Klasse die eigenen Fähigkeiten für das Berufsleben kennen lernen und so späteres Abbrechen der Ausbildung zu verhindern. Um herauszufinden, welches Gebiet in der Arbeitswelt für sie am Besten passt, füllten die Schüler einen Fragebogen aus, der von den Arbeitslehre-Lehrern kontrolliert wird. Den Kindern - und ihren Eltern - wird so gezeigt, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.
Dazu kam ein pädagogisches Spiel, bei dem ein Schülergruppe die Aufgabe erhielt, ein Ei mit wenig Material sturzsicher zu verpacken. Die Beobachter der Gruppenarbeit passten auf, wer welche Rolle in der Gruppe übernimmt, wer Anregungen gibt, wer die konkreten Arbeiten macht oder wer sich zurückhält. Zudem kamen Berufstätige in die Klassen und erzählten aus ihrem Arbeitsalltag. Am zweiten Tag des Projekts waren Optiker Bernd Scheuer und Annika Weitzel da, zudem berichtetet Steffen Pfalzgraf aus seiner Arbeit bei Hartmann Spezialkarosserien. Er ist sowohl in der Produktion wie im Büro tätig. »Es ist für die Schüler mal etwas ganz anderes, wenn sie von dem Vertreter einer Firma erfahren, was bei der Arbeit benötigt wird«, erläuterte Irene Caspar, Fachbereichsleiterin Arbeitslehre an der GSS. Das erweckte bei den Schülern mehr Aufmerksamkeit als wenn die Vermittlung durch Lehrer geschieht, hat Kathrin Mappes vom Bildungswerk registriert.
Am Mittwochmorgen kam der Besitzer von Optik Handel, Bernd Scheuer, mit seiner Auszubildenden Annika Weitzel in die Geschwister- Scholl-Schule und erzählte über seine Tätigkeit. Annika Weitzel erklärte, wie man ein Brillenglas schleift und dieses anschließend in das Brillengestell einsetzt. Die Schüler löcherten die beiden mit Fragen, besonders interessierte sie, wie viel man als Azubi und als Meister verdient und wie die Brillengläser auf die Sehschwäche eingestellt werden. Desweiteren wunderten sich die Schüler, dass die Angestellten bei Optik Handel ihre Brillen kostenlos bekommen, denn sie sind Werbeträger, so Scheuer. Die Anforderungen interessierten die Schüler auch, besonders die Aufstiegschancen des Berufes. Dabei brauche man nur einen Hauptschulabschluss für den Beruf des Optikers, so Weitzel.
Das Projekt für Siebtklässler rundet die allgemeine Berufsvorbereitung an der Schule ab, wie Konrektor Manfred Merle erläuterte. Bereits in der 6. Klassen beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler damit, was sie können und was sie wollen. In der 7. Klasse kann nun das neue Kompetenztraining hinzukommen und in der 8./9. Klasse setzt man Berufsberatung und Praktika oben drauf. Das Projekt wird aus dem Sozialfonds der Europäischen Union gefördert.