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»Stadt Alsfeld muss Tourismus ernsthaft wollen«

Artikel vom 15.11.2009 - 20.50 Uhr

»Stadt Alsfeld muss Tourismus ernsthaft wollen«

Alsfeld (ml). »Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, sondern die Dinge punktuell verbessern«, erläuterte Peter Rahm die Zielsetzung des Runden Tisches zum Thema Touristik am Donnerstag.
Über einen Runden Tisch soll die touristische Struktur in Alsfeld verbessert werden.	(Foto: ml)
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Über einen Runden Tisch soll die touristische Struktur in Alsfeld verbessert werden. (Foto: ml)
Rund 20 Personen waren im Hotel Klingelhöffer zusammengekommen, um Ideen zur Verbesserung der touristischen Struktur einzubringen. Im Mittelpunkt des Runden Tisches, der keine »Einmalveranstaltung« sein soll, stand zunächst eine Analyse der momentanen Situation. Kritik an politischen Gremien, konstruktive Vorschläge und mögliche Ansätze sorgten so für eine über zweistündige intensive aber auch sachliche Diskussion. Peter Rahm, Initiator des Runden Tisches von den »Bürgern für Alsfeld«, äußerte, man wolle machbare und umsetzbare Maßnahmen erarbeiten, um die Stadttouristik weiterzubringen. Man habe daher Personen zu diesem Kreis eingeladen, die sich mit dem Thema Touristik beschäftigen. »Lassen Sie uns zielgerichtet und kooperativ für Alsfeld denken und handeln«, appellierte Rahm.

Hartmut Koch, zweiter Vorsitzender des Verkehrsvereins, berichtete, man habe Kontakt zur Fachhochschule Worms hergestellt. Studenten sollten Konzepte für eine weitere Optimierung des Tourismus’ und des Stadtmarketings entwickeln. Es gebe darüber hinaus weitere Möglichkeiten, so Koch, sowie verschiedene Ansätze und Themen, mit denen sich der Verkehrsverein empirisch beschäftige. Vor allem müsse die Basisarbeit im Tourismus verbessert werden. Durch die verkürzten Öffnungszeiten des TCA sei die Situation unbefriedigend. »Die Grundbedienung der Touristen ist nicht gegeben«, so Koch. Monika Kauer, Abteilungsleiterin der Stadtverwaltung und zuständig für den Tourismus, erklärte, dass die personelle Ausstattung das Hauptproblem darstelle. Daher sei man im Moment nicht in der Lage, das Tagesgeschäft zu erledigen. Aktuell sei auch die Vorbereitung des Weihnachtsmarktes eine große Belastung, die zu den kürzeren Öffnungszeiten geführt habe. Und durch Auszubildende könne man das fehlende Personal nicht überbrücken. Man benötige eine qualifizierte Kraft.

Ulrich Lerch, Vorstandsmitglied des Verkehrsvereins, führte aus, dass Tourismus im Prinzip eine ganz einfache Geschichte sei. »Man vermarktet das, was man meint zu haben«, so Lerch. Es sei ein großer Fehler gewesen, die TCA GmbH zu zerschlagen, so Lerch, der damit die Meinung aller Beteiligten wiedergab. Alle geschaffenen Strukturen würden kaputt gemacht. Fehlende Hotelkapazitäten und auch Qualität verhinderten zudem eine längere Verweildauer der Touristen, daher habe man es vorwiegend mit Tagestourismus zu tun. Das Tourismuskonzept liege seit langem vor, man müsse es nur umsetzen. Der Tourismus funktioniere nicht ohne Unterstützung der Politik.

Dies unterstrich auch Jörg Köhler, ehemaliger Vorsitzender des Verkehrsvereins. »Die Stadt Alsfeld muss den Tourismus ernsthaft wollen«, so Köhler. Die Politik müsse die Wertigkeit des Tourismus’ erkennen, nur dann könne es funktionieren. Im Moment passiere nichts, das operative Geschäft sei am Boden, und »es werden nur noch Scherben gemacht«, so Köhler. Kauer ergänzte, dass die aktuelle Situation auch dafür sorge, dass Alsfeld seinen hervorragenden Ruf verliere, den man sich über Jahre aufgebaut habe. Diesen neu zu erarbeiten sei schwierig.

Dr. Herbert Jost-Hof, Kommunikationsberater und Dozent für Öffentlichkeitsarbeit, erklärte, dass es viele Möglichkeiten gebe, den Tourismus zu fördern. Bei allem sei jedoch der politische Wille unabdingbar, besonders wenn man sich um Fördermittel der EU bemühen wolle, die vielfältig vorhanden sei. Dazu könne man auch vorhandene Städtepartnerschaften nutzen, eine Mitgliedschaft in der Hanse beantragen oder auch eine Kulturkarte ins Leben rufen. Das Problem sei, dass sich die politischen Gremien derzeit als »Mangelverwalter« sähen, daraus könne man keine Motivation schöpfen. Man sei in einer Situation, in der man kooperieren müsse. Man müsse außerdem das vorhandene Potential auflisten und damit Öffentlichkeitsarbeit betreiben. »Die Stadt muss mit ihren Pfunden wuchern«, so Jost-Hof. Was derzeit von Alsfeld nach außen dringe, sei ein Desaster.

So wurde auch der Vorschlag gemacht, den Titel »Europäische Modellstadt« wieder mehr in die Öffentlichkeit zu tragen. Hinweisschilder an der Autobahn oder auf offiziellen Briefköpfen sei auch Werbung. In der Diskussion wurde auch Kritik an Bürgermeister Ralf A. Becker geäußert, ebenso wurden Magistrat und Stadtverordnete in die Verantwortung gezogen. Deren »Ohnmacht« ärgere viele Bürger, war zu hören.

Alle Beteiligten signalisierten am Ende ihre Bereitschaft weiter mitzuarbeiten. Dann, so der Wunsch, wolle man auch konkreter werden und erste Maßnahmen erarbeiten, um so »eine Signalwirkung für Alsfeld zu erzielen«.

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Artikel vom 15.11.2009 - 20.50 Uhr
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