Starkoch Lafer: »take54you« bietet gesundes Essen an Schulen
Alsfeld (rs). Alle reden über gesundes Essen, aber nur wenige tragen dazu bei. Das möchte der aus dem Fernsehen bekannte Starkoch Johann Lafer ändern, und deshalb besuchte er am Dienstag die Albert-Schweitzer- und die Geschwister-Scholl-Schule.
Vor der Schule in der Schillerstraße wurde der bekannte TV-Koch Johann Lafer von vielen Schülern trotz Straßenanzugs erkannt und um ein Autogramm gebeten. (Foto: rs)
Damit unterstützt er ein Forschungsprojekt der Hochschule Fulda, das unter dem für Kinder und Jugendliche eingängigen Titel »take54you« (bedeutet in etwa nimm fünf gesunde Sachen für dich) darauf abzielt, gesunde Ernährung insbesondere aus der jeweiligen Region an die Schulen zu bringen. Dabei sollen die Kräfte an den Schulen von Schuloecotrophologen (die unter anderem in Fulda ausgebildet werden) angeleitet und unterstützt werden. An den beiden von Lafer besuchten Schulen gibt es bereits Einrichtungen, in denen vorgefertigte Esswaren weiter aufbereitet und ergänzt werden. An der GSS ist allerdings noch eine Lehrküche mit angeschlossener Essensausgabe im Aufbau, so dass die Kreisschulen von der derzeitgen Lieferung aus dem Bayrischen mehr und mehr unabhängig werden könnten. Zudem steht eine zentrale Küche für die Schulen zumindest schon im Kreishaushalt.
Starkoche Johann Lafer geht es um Gesundheit und Nachhaltigkeit, wie er bei der einleitenden Veranstaltung in der Aula der ASS in der Schillerstraße vor geladenen Gästen (Vertreter aus Politik und Behörden) hervorhob. Seine Rolle als Koch charakerisierte er in der Form, als er beispielsweise alt hergebrachte Gericht den modernen Gegebenheiten anpasse, dass sich auch junge Menschen davon angesprochen fühlten. Dabei gelte für den schulischen Bereich die strickte Vorgabe, dass die Lebensmittel bezahl- und handhabbar sein müssten. In diesem Sinne wirke das Projekt »take54you« der Hochschule Fulda unter Federführung von Prof. Georg Koscielny, in dem einerseits die Aufbereitung von Lebensmitteln erforscht andererseits die Ausbildung von Schuloecotrophologen betrieben werde, um die einzelnen Einrichtungen langfristig unterstützen zu können. Dabei gelte es die Schüler für die neue Form des gesunden Essens zu begeistern. So gesehen - da gab sich Lafer keinen großen Hoffnungen hin - gelte es »dicke Bretter zu bohren«.
Vor dem Begeistern von Schülern muss man sie erst mal erreichen, und das geht heute oft nur über die englische Sprache und/oder moderne Ausdrucksformen. Auf diese Weise entstand das Motto des Forschungsprojektes »take54you«. Damit wird nach Angaben von Prof. Georg Koscielny eine alte Grundregel der Ernährungswissenschaften aufgegriffen, dass der Mensch täglich fünfmal jeweils eine Hand voll gesundes Obst oder Gemüse zu sich nehmen sollte. Das Logo habe man dann noch durch fünf Ringe ergänzt, um dem Ganzen so etwas wie den olympischen Gedanken zu verleihen. Diese an junge Leute gerichtete Werbung werde inzwischen ganz gut angenommen, laute doch der kurze Spruch, dass man ins »take5« gehe, in das Schulbistro an der ASS »mit Wohlfühlgarantie«.
In der Diskussion wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass ein Schulbistro - so sehr man sich auch bemühe - immer in Abhängigkeit zu einem gastronomischen Umfeld stehe, und das werbe eben oftmals mit preiswertem Fastfood, Esswaren, die den Kindern von klein auf bekannt seien. Dazu warb Lafer dafür, sich nicht am Umfeld zu orientieren, sondern eigenständig zu agieren. Werben müssten die schulischen Einrichtungen zudem mit Atmosphäre. Schließlich gehe er auch nur dort essen, wo ihm die Atmosphäre zusage, da könne das Essen noch so gut sein. Was den Preis anlange, so seien gesunde Lebensmittel aus der Region sicher günstig, es stelle sich nur die nachgelagerte Kostenfrage bei der Zubereitung. Derzeit werden an Vogelsberger Schulen vorbereitete Gerichte aus dem bayrischen Motten (Landkreis Kissingen) immer für drei oder vier Tage angeliefert, an den Vogelsberger Schulen ergänzt und aufbereitet. Eine zentrale Küche in Lauterbach, die den Kreis versorgen soll, steht bislang nur als Investitionsposten im Kreishaushalt.
Karl-Peter Mütze, Leiter des Amtes für den ländlichen Raum, ordnete sich als Landwirt ein und wies auf den allgemeinen - aus seiner Sicht nicht positiven Trend hin - wegen des »Schlankheitswahns« aus Milchprodukten das Fett zu verbannen. Aber Geschmack werde nun einmal über Fett vermittelt. Diese Sichtweise hatte auch Lafer, der die Abgabe von fettarmer Milch in Tetrapacks anprangerte, gleichwohl aber auch die Erfahrung berichtete, dass aus Zapfanlagen abgegebene Vollmilch von rund 80 Prozent der Schüler abgelehnt werde. Grund: Für sie ist der Geschmack von Vollmilch neu. Als richtig bewertete er Schulprojekte in Frankreich, bei denen die Schüler eine Woche lang Geschmacksunterricht haben und damit eine Chance, gesunde Lebensmittel schätzen zu lernen.