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Sterbebegleitung lässt sich nicht theoretisch lernen

Artikel vom 08.06.2010 - 18.14 Uhr

Sterbebegleitung lässt sich nicht theoretisch lernen

Alsfeld (pm). Der Begriff »Lebensqualität« hat in den verschiedenen Lebenssituationen durchaus eine unterschiedliche Bedeutung. So lange mn gesund ist, interessiert einen die Gesundheit eher wenig.
Im Vordergrund stehen eher Fragen nach Arbeit, Familie oder Freunden. Bei schweren Erkrankungen oder Tumorerkrankungen verhält es sich aber ganz anders. Hier wird die Lebensqualität oft durch Schmerzen, Schwäche, chronische Müdigkeit, Immobilität, Luftnot, Übelkeit beeinträchtigt, dazu gesellen sich oftmals Angst, Depression, Schlaflosigkeit und Einsamkeit. Ein Wiedererlangen von Lebensqualität ist darum das oberste Ziel hospiz und palliativmedizinischer Betreuung und Behandlung, das bedeutet ein Leben zu Hause zu ermöglichen. Seit zehn Jahren setzt sich der Hospizverein Alsfeld dafür ein, vom 14. bis 18. Juni gibt es eine Jubiläumswoche.

Die Hospizbewegung hat sich weltweit nicht einheitlich entwickelt. Je nach den Verhältnissen und Orientierungen bei der Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Die von der englischen Ärztin Dr. Cicely Saunders eingeführte ganzheitliche Palliativ Care (1967) hat sich auch in Deutschland nicht einheitlich entwickelt. Die Bewegung splittete sich in eine hospiz- und eine palliativmedizinische Betrachtungsweise, die erst jetzt langsam zusammengeführt wird. In Deutschland haben sich daher unterschiedliche Formen gebildet: Ambulante Hospize, stationäre Hospize, Palliativeinheiten sowie ambulante hospizliche und palliative Versorgungseinheiten (SPAV).

Die Hospizbewegung entwickelte sich in Alsfeld seit 2000 anfangs als Hospizinitiative, aus der dann der Hospizverein Alsfeld entstand. Der Verein bemüht sich seither, unabhängig von Alter, Lebenseinstellung, Glauben, Herkunft und finanziellen Voraussetzungen den Kranken die Möglichkeit zu geben, in Würde sterben zu können und die Sterbenden und deren Angehörigen durch verständnisvolle Zuwendung und praktische Hilfe in der Zeit des Abschiednehmens und der Trauer zu begleiten; damit soll bestmögliche Lebensqualität in der verbleibenden Lebenszeit erreicht werden.

Palliativversorgung und Hospizmedizin stellen die Linderung der Beschwerden in den Vordergrund. Wichtig dabei sind regelmäßige Symptomkontrollen mit zeitnaher Behandlung der Beschwerden durch qualifiziertes, ärztliches und pflegerisches Fachpersonal zusammen mit speziell geschulten, ehrenamtlichen Hospizhelfern. Die ganzheitliche Versorgung integriert die psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Kranken und bietet ein Netzwerk der Unterstützungen an. »Patientenwürde und -/wünsche haben dabei höchste Priorität«. Palliativ-/Hospizmedizin bejahe das Leben bis zuletzt und sehe Sterben als einen natürlichen Prozess an.

Da diese Aufgaben nicht allein zu schultern sind, hat sich der Verein dem Hospiz- und Palliativnetz Waldhessen angeschlossen, zumal sich die gesetzlichen Vorgaben seit 2007 geändert haben und jeder Schwerstkranke und Sterbende seither ein recht auf »ganzheitliche« Versorgung hat. Am Versorgungsnetz Waldhessen sind unter anderem das Klinikum Bad Hersfeld, das Kreiskrankenhaus des Vogelsbergkreises in Alsfeld und das Kreiskrankenhaus Rotenburg a. d. Fulda, die Sozialstation Alsfeld/Romrod sowie der Hospizverein Alsfeld beteiligt. Dieses Netz kooperiert mit ambulanten Pflegediensten, Hausärzten, Apothekern und vor allem Seelsorgern. Deshalb wurde für den Altkreis Alsfeld die 24 Stunden erreichbare Koordinationsstelle bei der Sozialstation Alsfeld-Romrod, Telefon 06631 - 981569, eingerichtet.

Es sei sicher verständlich, dass dies alles nicht ohne Verwaltungsaufwand ablaufen kann. Dazu gibt es im Hospizbüro, Am Lieden 4a, in Alsfeld, eine ehrenamtiiche Bürokraft, erreichbar unter 06631/709173 oder Fax: 06631/709507 oder Email: hospiz-alsfeld@gmx.de und regelmäßige Bürosprechzeite: montags u. freitags von 11 - 12 Uhr und mittwochs von 10 bis 11 Uhr. Außerhalb dieser Bürozeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Immer jedoch sei Hospizarbeit mit ehrenamtlichem Engagement verbunden und die Idee von Hospiz, Sterbende und derer Angehörige nicht allein zu lassen, binde sich überall an das Enement vcn Menschen vor Ort. »Dem Sterbenden heute zu begegnen ist die erklärte Aufgabe des Hospizvereins Alsfeld e. V. Sterbende zu begleiten lasse sich nicht theoretisch erlernen. »Begleitung in den Tod ist mitmenschlicher Prozess, den man erfahren nur kann«. Er bestehe weiterhin aus ehrlicher Auseinandersetzung mit dem eigenen Empfinden und Urteilen neben der praktischen Tätigkeit. »Nächstenliebe, Toleranz, Sensibilität und Achtung der Menschenwürde sind die Grundlagen,« so der Vorsitzende des Hospizvereins, Dr. Johannes Pfann.

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Artikel vom 08.06.2010 - 18.14 Uhr
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