Alsfeld (jol). Seit Monaten werden Pläne für eine Riesenfläche direkt an der historischen Altstadt von Alsfeld gezeichnet, verworfen und wieder neu erarbeitet - eine Lösung für die Bereiche Casinoplatz/Sparkassen-Gelände ist noch nicht in Sicht.
Ein Planer will den Bereich Casinoplatz bebaujen (Wiese in der linkn Bildhälfte), ein anderer will die Häuser an der rechten Straßenseite abreißen und dort ebenfalls Geschäfte errichten. (jol)
Wie die umfangreiche Antwort von Bürgermeister Ralf Becker in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten ergibt, ist die Liste der Probleme recht lang: Denkmalschutz für mehrere Gebäude, 200 fehlende Pkw-Stellplätze und wachsende Konkurrenz zu den bestehenden Geschäften machen mehr als Feinschliff an den Planungen nötig. Zusatz-Schwierigkeit: Zwei verschiedene Projektentwickler sind auf den beiden Arealen am Werk.
Etwas fortgeschrittener scheint die Planung für den Bereich Casinoplatz zu sein. Der Planer sucht da nach einer Lösung für die Fläche des ehemaligen Kaufhauses Zinner und das benachbarte Grundstück mit mehrere Gebäuden, in denen noch eine Videothek untergebracht ist. Schon der erste Planungsschritt macht Probleme: Welche Fläche kann bebaut werden - da steht ein denkmalgeschütztes schönes Fachwerkhaus an der Ecke Schützenrain im Weg. Da ein Abbruch und Wiederaufbau an andere Stelle zu teuer kommt, muss der Investor wohl drum herum bauen. Kritik an der Planung kommt auch am vorgesehenen Mix an Geschäften, so sieht der Verkehrsverein eine deutliche Marktsättigung im Bereich Textil und Schuhe, sprich: da ist die Konkurrenz zu Innenstadt-Geschäften zu gravierend. Die Regionalplanung sieht ebenfalls existenzbedrohende Auswirkungen auf Geschäfte der Innenstadt. Besonders kritisch wird die geplante Ansiedlung eines Lebensmittelgeschäfts betrachtet, dann würde die örtliche Kaufkraft um 218% übertroffen. In Frage kommt eigentlich nur die Umsiedlung eines Geschäfts, dabei scheiden aber Aldi und tegut aus, die erst kürzlich in neue Gebäude gezogen sind. Die Regionalplanung teilte auch mit, dass der Casinoplatz nur dann zum Geschäftszentrum werden kann, wenn nicht gleich nebenan noch eines auf dem Sparkassengelände entsteht.
Der Planer sagte Änderungen zu, über das Ergebnis ist noch nichts bekannt. Unklar ist auch, wie der Planer einen absehbaren Mangel an 200 Pkw-Stellplätzen angeht.
Eine etwas andere Problemlage ergibt sich für das Sparkassen-Areal. Wie berichtet, will sich das Kreditinstitut in Alsfeld verkleinern, damit wird ein Großteil der Fläche von der Alicestraße bis in Höhe des Kinos frei. Dort wird eine kompakte Bebauung mit einem Innenhof geplant. Allerdings sind einige Gebäude in der Marburger und der Lutherstraße aus der Gründerzeit unter Denkmalschutz gestellt. Die Stadt Alsfeld hat sich gegen eines solche großzügige Unter-Schutzstellung gewandt, das Ergebnis ist aber noch nicht bekannt. Unklar ist auch, ob sich die Bebauung des Sparkassen-Bereichs dann lohnt, wenn kein Lebensmittelgeschäft als »Frequenzbringer« untergebracht wird.