Alsfeld-Eudorf (rs). Kinder liegen mit ihrer Vorliebe für Pommes richtig, Medien vermitteln ein falsches Bild über Nahrungsmittel und der menschliche Bedarf an Vitamin C kann sich an einer Landesgrenze schlagartig ändern.
Mit lockeren Sprüchen und sehr anschaulichen Beispielen sprach der Wissenschaftsjournalist Udo Pollmer zum Thema »Der Landwirt als Sündenbock - nein Danke!«
Mit provokanten Beispielen und einem lockeren Mundwerk unterhielt Udo Pollmer am Dienstag fast 200 Landwirte - darunter keine Handvoll Frauen - beim traditionellen Raiffeisen-Feldtag auf dem Hofgut Dotzelrod. Der studierte Lebensmittelchemiker, Fachbuchautor und selbstständige Wissenschaftsjournalist referierte zum Thema »Der Landwirt als Sündenbock - nein Danke!« und fand in der Maschinenhalle der Familie Rau ein dankbares Publikum. Mit einem Wissensvorsprung in das neuen Wirtschaftsjahr gehen, das sah K.-H. Sommerlad von der Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain einleitend als gute Basis an und den Raiffeisen-Feldtag dafür als durchaus geeignet. Für den Nachmittag stellte er im Anschluss an den provokanten Vortrag von Udo Pollmer einen interessanten Rundgang zu den rund 250 vorbereiteten Kleinparzellen mit Sorten von Wintergerste, Weizen und Raps rund um das Hofgut in Aussicht.
Mittlerweile als Sündenbock machte Referent Pollmer die herkömmliche Landwirtschaft aus, denn dem Berufsstand sei inzwischen die Meinungsführerschaft in der Ernährungsdiskussion abhanden gekommen. Traditionell erfahre der junge Mensch landwirtschaftlichen Alltag »auf Märchenniveau«, in der Werbung setze sich das beispielsweise mit einem knuddeligen Bären auf der Alm fort, der die Kühe melke.
Wenn dann deutlich werde, dass die Wirklichkeit anders aussieht, werde das als negativ auf den Berufsstand und seine Produkte übertragen. Erwartet werde von vielen Verbrauchern der landwirtschaftliche Betrieb als Streichelzoo. Andererseits werde in allen anderen wirtschaftlichen Zweigen der Gesellschaft erwartet, dass sie sich zukunftsfest verhalten würden - da sei es doch nur folgerichtig, wenn man das der Landwirtschaft auch zugestehe.
Pollmer betonte, er wolle die Ökobauern nicht schlecht reden, aber man müsse realistischerweise zugestehen, dass bei einem Ernteerfolg in einer Menge von 55 bis 60 Prozent in Relation zur modernen Landwirtschaft »noch ein zweiter Globus aus dem Kofferraum gezaubert werden müsste«, um die Weltbevölkerung ernähren zu können.
»Man kann den Verbraucher zum Thema Pflanzenschutzmittel kaum erreichen«, stellte Pollmer fest, denn das Thema sei generell mit Angst besetzt. Man komme gegen die vorherrschende moralische Voreingenommenheit einfach nicht an. Diese verquere Diskussion lasse sich auch beim Thema Gentechnik feststellen, denn während verbreitet davor gewarnt werde, gebe es kein verarbeitetes Lebensmittel, das nicht von Gentechnik beeinflusst sei.
So basierten Süßstoffe auf Gentechnologie, wobei der Produktionsprozess nicht deklariert werden müsse, »denn dann würde der Süßstoff nicht gekauft«. Ähnliches gelte für Vitamin C, Farbstoffe und Konservierungsmittel.