Alsfeld (ml). »Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt«, so lautet der Titel einer Studie des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie.
»Wir brauchen keine Wachstumspolitik, sondern eine ökologische Lebensstilpolitik«, forderte Dr. Kopatz. (Foto: ml)
Darin wurden unter anderem die Folgen des Klimawandels und der Ressourcenknappheit untersucht und Möglichkeiten aufgezeigt, die Zukunft nachhaltig ökologisch, wirtschaftlich und sozial zu gestalten. Der Koordinator und Mitautor der Studie Dr. Michael Kopatz stellte das insgesamt 600 Seiten umfassende Werk am Dienstag erstmals im Vogelsberg vor. Mit dieser Auftaktveranstaltung wollen die Initiatoren die Studie in die öffentliche Diskussion bringen und einzelne Facetten mit Vorträgen und Projekten vertiefen.
In Auftrag gegeben wurde die Studie vom Umweltverband BUND sowie den kirchlichen Hilfswerken Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (eed). Im Vogelsberg wird die Veranstaltungsreihe vom BUND-Kreisverband, dem Weltladen, der Initiative Zivilcourage und dem Evangelischen Dekanat organisiert.
Ralf Müller, Leiter der Fachstelle Bildung und Ökumene im Evangelischen Dekanat, konnte zum Auftakt am Dienstag in der Aula der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule rund 50 Zuschauer begrüßen. Durch die Kooperation würden verschiedene Blickwinkel auf die Globalisierung möglich, sagte Müller. Es gehe dabei nicht nur um ökologische, soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, sondern auch um eine Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Finanziert wird die Veranstaltungsreihe zum Großteil mit Fördermitteln des eed, dazu kommen weitere Gelder der Arbeitsgemeinschaft der Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche sowie Eigenmittel der beteiligten Verbände, so dass insgesamt rund 6000 Euro in die weiteren Veranstaltungen und Projekte fließen werden.
Im Anschluss an die Begrüßung folgte der Vortrag von Dr. Kopatz, der in einem knapp einstündigen Vortrag die Studie vorstellte. Es gehe um »die Welt unserer Kinder«. Diese werde eine Welt voller Entbehrlichkeiten. Seit 30 Jahren höre man die Geschichte von der Endlichkeit des Öls. Nun sei es soweit, und keiner höre mehr zu. Die Anzahl der entdeckten Ölvorkommen sei rückläufig, Verbrauch und Förderung dagegen würden steigen. Dazu komme der Klimawandel. Die heutigen Kinder würden eine Welt bekommen, in der Deutschland keine Gletscher mehr haben werde und in der es normal sei, im T-Shirt auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Der rasant steigende Meeresspiegel habe Flut- und Umweltkatastrophen wie Dürre und Hungersnöte zur Folge, die eine enorme Flüchtlingswelle auslösen würden. Und Europa reagiere auf dieses Szenario vergleichsweise gelassen, bedauerte der Referent. Die Deiche würden erhöht, und man baue Europa zur Festung um, um sich vor den Millionen von Flüchtlingen zu schützen. Dies sei der Hintergrund und Anstoß zu dieser Studie gewesen. Es müsse gelingen, den Ressourcenverbrauch zu senken und die Emission von Kohlenstoffdioxid auf zwei Tonnen pro Kopf und Jahr zu reduzieren.
Die Politik setze zuviel auf Wachstumspolitik, meinte Dr. Kopatz. Diese steigere jedoch nicht die Lebenszufriedenheit der Menschen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei eine trügerische Kennzahl. Seit den 70er Jahren steige der BIP, aber die Lebenszufriedenheit der Menschen sinke. Denn sogar Naturkatastrophen oder Autounfälle führen zu einer Steigerung des BIP, da sie Dienstleistungen in Gang setzen. »Wir brauchen keine Wachstumspolitik, sondern eine ökologische Lebensstilpolitik«, forderte Dr. Kopatz.