Friedberg. Landrat Joachim Arnold feilt an der Wetterauer Identität. »Botschafter« der Wetterau sollen den Identifikationsprozess anschieben, und einer dieser Botschafter, der Florstädter Bürgermeister Herbert Unger, hat einen spektakulären Vorschlag gemacht: Das Autokennzeichen »FB« soll abgeschafft und durch die Buchstabenkombination »WET« oder »WK« für Wetterau(kreis) ersetzt werden.
Keine Bange, es bleibt bei »FB«. Die Alternativen »WK« und »WET«, die für den Wetteraukreis stehen und dessen Identität stärken sollen, taugen allenfalls als Schnapsidee. Meinen die Friedberger Politiker. (Fotos: nic)
Besonders die Friedberger Politiker sind von dieser Idee geradezu begeistert - die Reaktionen reichen von »purer Blödsinn« bis »Das war ja wohl ein Scherz«. Der Main-Kinzig-Kreis hat’s vorgemacht. Vor fünf Jahren wurde dort das »HU«-Kennzeichen durch »MKK« ersetzt. Kleiner Trost für die Hanauer, die damals gleichzeitig die Kreisverwaltung an Gelnhausen verloren: Sie allein durften ihr »HU« behalten, in den übrigen Kreisgemeinden aber gibt’s auf den Zulassungsstellen seither die neue Buchstabenkombination.
Die Hanauer spotteten damals, »MKK« heiße »Mich kennt keiner«, mussten sich im Gegenzug aber anhören, »HU« stehe ja wohl für »Hessisch Uganda«. »FB« wiederum werde in anderen Bundesländern oft mit Freiburg gleichgesetzt, weiß Unger aus eigener Erfahrung, oder auch mit Friedberg bei Augsburg. »WK« oder »WET« hingegen würden eindeutig signalisieren: Der Autofahrer kommt aus der Wetterau. Am Status der Kreisstadt Friedberg würde das ja nichts ändern, meint Unger, und so eine Umstellung würde auch keine großen Kosten verursachen, da es ein schleichender Prozess sei: Die neuen Schilder würde bei Neuanmeldungen und Ummeldungen ausgegeben, die alten blieben gültig, bis das Auto auf dem Schrottplatz landet.
Dort dürfte eher Ungers Idee landen. Kaum einer, der ihm zustimmt. Für die Wetterauer CDU-Vorsitzende und hessische Umweltministerin Lucia Puttrich ist die Kennzeichenänderung kein neuer Vorschlag. Im Altkreis Büdingen sei das früher mehrfach gefordert worden. Bis zum Zusammenschluss mit dem Altkreis Friedberg im Jahr 1972 gab es in den östlichen Kreisgemeinden das Kennzeichen »BÜD«, auf einigen wenigen alten Traktoren kann man es noch bewundern. Puttrich fragt sich: »Stellt sich Identifikation über das Autokennzeichen ein?« Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) meint schmunzelnd: »Ich bin gespannt, wie die Friedberger reagieren.« Und ergänzt: »Man sollte keine Kriege führen, wo sie nicht notwendig sind.«
Und was meinen die Friedberger? Bürgermeister Michael Keller hält gar nichts von dem Vorschlag. »Das war bestimmt ein Scherz des Kollegen Unger«, sagt er und ergänzt: »FB hat Geschichte und Zukunft. Was sich bewährt hat, sollte man nicht leichtfertig verwerfen.« Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Horst Weitzel hält den Vorschlag für »Aktionismus und puren Blödsinn« und fragt sich, »ob wir keine anderen Probleme haben«. Sein Rat an den Florstädter Bürgermeister: »Unger sollte sich um wichtigere Dinge kümmern.« Weitzels Kollege Achim Güssgen, Fraktionsvorsitzender der FDP im Stadtparlament, kann nicht verstehen, wie man »FB« mit Freiburg verwechseln kann. »›FB‹ bedeutet ›Flotter Bauer‹, und das begreife ich als Ehre! Wir sind ein ländlich geprägter Kreis mit einem Hang ins Städtische. Die Kreisstadt ist Friedberg, und dabei bleibt’s.« Drei Buchstaben wie in »WET« würde man wohl eher den östlichen Bundesländern zurechnen, meint Güssgen.
»Das hat keine Priorität«
»Kein Problem, wenn die Kollegen nicht begeistert sind«, gibt Unger klein bei. »Ich bestehe da nicht drauf.« Aber wird sein Vorschlag in der Kreisverwaltung überhaupt diskutiert? Doch, sagt Peter Rudel, Leiter des Fachbereichs Kreisentwicklung, Landwirtschaft, Umwelt und Bau. Der Vorschlag sei drin im »Topf der Überlegungen«. Aber da schmort er offenbar, denn große Anstrengungen, die Idee in die Tat umzusetzen, gibt es in der Kreisverwaltung derzeit nicht. Rudel: »Das hat keine Priorität.« Peter Schneider, Fachdienstleiter Verkehr beim Kreis und mit der Vergabe der Autokennzeichen befasst, weiß auch nichts davon, dass dieser Wunsch jemals von den Bürgern geäußert wurde. Seine Behörde bietet auf der Internetseite des Wetteraukreises eine Reservierung von Wunsch-Kombinationen auf dem Nummernschild an. Neuerdings sind auch vierstellige Zahlen möglich, eine Frau, die am 1. 9. 1960 geboren wurde, bekam neulich die Zahlenkombination »1960«. Eine nette Sache. »WK« oder »WET« seien aber noch nicht verlangt worden. »Es hat bisher auch keine Missfallensbekundungen über das ›FB‹ gegeben.«
Die Ulknamen der Kennzeichen
Für eine Änderung wäre die Erlaubnis des Bundesverkehrsministeriums erforderlich, sagt Schneider. Und die Kreispolitik müsste zustimmen. Doch da rührt sich derzeit nichts. Landrat Joachim Arnold gibt sich betont reserviert: »Wenn es überzeugende Argumente gibt, würde ich das vorantreiben und meine stark belastete Verwaltung damit betrauen.« Aber es gibt offenbar keine überzeugenden Argumente, und die Identität der beiden Altkreise Friedberg und Büdingen sei im vorhandenen Kennzeichen ja bereits verankert. Arnold mit einem Augenzwinkern: »FB heißt ja nicht nur ›Friedberg‹, sondern auch ›Früher Büdingen‹.« Aber auf keinen Fall »Florstädter Bürgermeister«. Wie ja auch »OF« nicht »Ost-Frankfurt« oder »Ohne Führerschein«, sondern »Ohne Ferstand« bedeutet. Welchen Ulknamen »WK« wohl verpasst bekäme? Vielleicht »Wer kennt’s?« Und »WET«? Großes Rätselraten. In der Soziologie steht die Abkürzung »WET« für die »Wert-Erwartungstheorie«. Deren Grundidee lautet: »Versuche dich vorzugsweise an solchen Handlungen, deren Folgen nicht nur wahrscheinlich, sondern Dir gleichzeitig auch etwas wert sind! Und meide ein Handeln, das schädlich bzw. zu aufwändig für Dich ist und/oder für Dein Wohlbefinden keine Wirkung hat!« Jürgen Wagner