Minou Mai: »Fragen sind das Futter fürs Innenleben«
Friedberg (lk). Sie plauscht mit Take That, schüttelt Dave Gahan die Hand und wird von David Bowie mit Küsschen begrüßt - Radiomoderatorin Minou Mai ist auf dem internationalen Musikparkett ebenso zu Hause wie in der Wetterau. Denn gemeinsam mit ihrem Mann, den vier Kindern und zwei Hunden lebt die 40-Jährige seit einigen Jahren in Friedberg. Nun hat sich Minou Mai unter die Autoren gewagt.
Minou Mai hat »den besten Job der Welt«. Wer sie hören will, muss das Radion anschalten. Diese Woche ist sie noch bis Freitag an jedem Abend von 19 bis 24 Uhr und am Sonntag von 13 bis 15 Uhr bei HR 3 auf Sendung.
Anlässlich des Erscheinens ihres Erstlingswerks »Innenfutter« hat sich die WZ mit der wohl bekanntesten Stimme der Kreisstadt getroffen und über Beruf, Familie und ihr Buch gesprochen.
»Ich mag Friedberg«, sagt Minou Mai leise - viel leiser, als man bei einer Radiomoderatorin vermuten würde. In weichem Tonfall und mit unveränderter Lautstärke führt sie das eben Gesagte aus: »Ich mag Nachbarn, das Ländliche, Straßen mit wenig Verkehr und Felder.« Trotzdem muss die gebürtige Darmstädterin, die ihre ersten Lebensjahre in Frankreich verbrachte, regelmäßig in die Großstadt. Schließlich arbeitet sie in Frankfurt als Moderatorin beim Hessischen Rundfunk (HR), ist Sprecherin der Sendungen »Madhouse« und »HR 3-Wunschhits«. Zehntausende hören zu, wenn sie über tagesaktuelle Themen spricht, Bands und Solokünstler interviewt und Kinotipps gibt.
Zum Radio kam die Mutter von vier Kindern bereits vor über 20 Jahren. Ein Zufall wollte es, dass bei einer Modenschau auf einem Stadtfest die Moderatorin ausfiel. »Ich wurde gebeten, einzuspringen«, erinnert sich Mai an ihre Anfänge im nördlichen Alpenvorland. Im Publikum war jemand von »Radio 7«, der ihr anschließend riet, dass sie sich beim Sender vorstellen soll. Gesagt, getan. »Ich habe dort mein Volontariat gemacht.« Ab 1997 moderierte sie bei »Planet Radio« und wechselte 2002 zum Hessischen Rundfunk. »Ich hab den besten Job der Welt«, sagt Mai grinsend. Sie mag das Radio, es ist schnell und auf den Punkt. »Ich kann mit Musik arbeiten und meine Neugier befriedigen.«
Obwohl sie durch ihren Beruf mit bekannten Leuten wie dem musikalischen Schwergewicht Paul Anka in Berührung kommt, wirkt Mai bodenständig. Starallüren? Fehlanzeige. Nicht mal als Karrierefrau will sie bezeichnet werden (»Karriere - ihhh! Furchtbares Wort«). Vielmehr sei sie vom Schicksal dorthin gespült worden, wo sie nun sei. Aber Minou Mai mag nicht nur ihren Job: »Ich mag mich als Mutter. Ich hab einen tollen Kerl und tolle Kinder.« Klar habe sie manchmal Angst, dass »irgendwann die große Rechnung für all das kommt«, sagt die Friedbergerin nachdenklich. »Naja«, tut sie den Gedanken ab. Da sie nicht wirklich einen Vollzeitjob hat, hat sie viel Zeit für die Kinder. »Der Nachwuchs steht an erster Stelle.«
Gerade erst hat ihr Clan Zuwachs bekommen: Vor einem Jahr kam Sohn Mika auf die Welt. Die Schwangerschaft war Auslöser dafür, dass seit Montag Minou Mais Erstlingswerk »Innenfutter« - ein Buch, das ausschließlich Fragen stellt - auf dem Markt ist. Denn »die Schwangerschaft mit Mika war sehr schlimm.« Die Moderatorin konnte nicht mehr arbeiten, musste im Bett bleiben. Sie fing an, die Fragen zusammenzuschreiben, die sie seit Jahren auf Memozetteln, der Küchenpinnwand und in Dekokartons sammelte.