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Schwätzen wirklich »nur Blöde Platt?«

Artikel vom 19.01.2012 - 14.03 Uhr

Schwätzen wirklich »nur Blöde Platt?«

Gemünden-Burg-Gemünden (eva). »Nur Blöde schwätze Platt – ist das die allgemeine Meinung?« Dieser Frage ging Mundartexperte Karl Wilhelm Becker während seines Vortrages zum Thema »Kulturgut Dialekt« im Rahmen des Seniorennachmittages der Kirchengemeinde Burg-Gemünden/Bleidenrod nach.

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»Nur Blöde schwätze Platt – ist das die allgemeine Meinung?« Dieser Frage ging Mundartexperte Karl Wilhelm Becker aus Lehrbach unter anderem während seines lebendigen Vortrages zum Thema »Kulturgut Dialekt« nach. (Foto: eva)
Eigentlich sei es doch so, dass uns gerade die Mundart dem Zauber der Heimat näher bringe.

Sprache sei wertvoll, unterhaltsam, verletzend, manipulierend oder auch nichtssagend, ebenso wie sie verbinden oder abgrenzen kann. Manche Dialekte und Schriftsprachen hörten sich für Außenstehende unmöglich an und von Dorf zu Dorf würden die »Leut« anders »schwätze«.

So mache sich die regionale Identität beispielsweise so bemerkbar: »Mir kenn e »ge« devier (ge)setzte, mir kenns aach sei (ge)lesse«, denn: »es kennt aach so (ge)gieh«, oder: »mir kann naut met sich o(ge)fange, do kennt mer sich aach fort(ge)mache«.

Oft sei der Dialekt »lächerlichen Verunglimpfungen« ausgesetzt, nicht zuletzt deshalb komme es vor, dass man sich seiner Sprache schäme, denn man könne ja für blöd gehalten und ausgelacht werden. Nicht ganz unschuldig seien daran die Schulen, enn vieles sei in den vergangenen Jahrzehnten von den Lehrern leider »weggemobbt« worden.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Becker auch dem sogenannten »rollenden R«, das er zur Anschauung als Modell mitgebracht hatte und im wahrsten Sinne des Wortes rollend hinter sich her zog. Das »rollende R«, sprachwissenschaftlich als retroflex bezeichnet, werde heute in der hiesigen Gegend vornehmlich noch im Bereich hoher Vogelsberg, in der Wetterau sowie im Kreis Gießen und im Lahn-Dill-Kreis gesprochen. Es werde aber immer mehr vom velaren R gleich klingend mit »ch« wie »auch« oder »brauchen« verdrängt.



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Artikel vom 19.01.2012 - 14.03 Uhr
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