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Aufreibender Kampf um den Sohn und gegen Intrigen

Artikel vom 27.08.2009 - 17.18 Uhr

Aufreibender Kampf um den Sohn und gegen Intrigen

Homberg (kli). Im Rahmen von »Ohm sweet Ohm - Unterwegs sein« ging es am Dienstag mit einer Lesung von Anja Zimmer aus Laubach-Lauter weiter. Der Abend sollte zunächst im Innenhof des Schlossgeländes stattfinden, wurde aber wegen der unbeständigen Witterung in das alte Brauhaus verlegt.
Anja Zimmer bei ihrer Lesung »Mitternachtsblüten« im Rahmen von »Ohm sweet Ohm«, dem Homberger Beitrag zum diesjährigen Mittelhe
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Anja Zimmer bei ihrer Lesung »Mitternachtsblüten« im Rahmen von »Ohm sweet Ohm«, dem Homberger Beitrag zum diesjährigen Mittelhessischen Kultursommer. (Foto: kli)
Beate Goßfelder-Michel vom Kunst- und Kulturteam der Tourismus-Kommission begrüßte über 100 Gäste im vollbesetzten Saal. Gemeinsam beschritt Anja Zimmer dann mit den Zuhörern einen spannenden Weg in die Vergangenheit. Goßfelder-Michel dankte eingangs auch der Flötengruppe Ober-Ofleiden, der Tanzgruppe Ellen Jantosca, Jupp Thorn für die Beschallung und Beleuchtung und allen weiteren Beteiligten. Anja Zimmer, die bereits mehrere Romane geschrieben hat und mit »Mitternachtsblüten« Anna von Hessens Lebensgeschichte zusammenfasste, las aus diesen Buch vor. Dazu hatte Zimmer sehr viel Recherchen in Archiven vorgenommen, vor allen Dingen in Marburg. Die Idee zu den »Mitternachtsblüten« entstand durch die Verbindung zur Solms-Licher Familie, denn Otto zu Solms-Lich war der zweite Gemahl der Anna von Hessen. Der Flötenchor Ober-Ofleiden unter der Leitung von Annemarie Seibert und eine Tanzgruppe vom Studio »Top Fit« eröffneten die Lesung mit zeit- gemäßen Auftritten, die mit viel Beifall belohnt wurden.

»Das Kind ist mein und gehet mir zu Herzen«. Hinter diesem Satz verbirgt sich der hartnäckige Kampf einer Mutter um ihren Sohn. Anja Zimmer bezeichnete Anna als sehr schöne Frau, die 1485 in Mecklenburg-Schwerin geboren wurde als Tochter von Herzog Magnus II. von Mecklenburg-Schwerin und Sophia von Pommern. Anna von Mecklenburg war erst 15 Jahre alt, als sie im Oktober des Jahres 1500 mit Wilhelm II. von Hessen verheiratet wurde. Damals wehrte sie sich, gab aber dem Drängen der Eltern nach. Sie wusste, dass sie aufgezogen wurde, »um dann in das Joch der Ehe zu gehen«. Die Hoffnungen, mit denen das temperamentvolle Mädchen diese politische Ehe ging, waren bald zerstört. Mit ihrem Mann, den sie mit »Sie« und »Herr« ansprechen muss, verband sie wenig. Als Wilhelm schwer erkrankte, war Annas Sohn - der zukünftige Landesherr - sechs Monate alt. Anja Zimmer las mit sanfter Stimme und beschrieb detailgetreu die Hochzeit mit Wilhelm II. und die Feier, dass die Zuhörer fast glauben konnten, dabei zu sein. Wilhelm habe Anna das Gefühl gegeben, der Mittelpunkt der Welt zu sein. Beim Hochzeitsessen sei es wie im Schlaraffenland zugegangen. Es gab herrliche Gerichte und Spielleute sorgten für Kurzweil. Hier fiel zum ersten Mal der Name Ludwig von Boyneburg, dieser hatte früher um die Hand Annas angehalten und verzeihte ihr die Absage nie. Beim Umzug nach Marburg habe sie aufpassen müssen, da verschiedene Leute ihr das Leben schwer machen wollten.

Zimmer stellte Anna beim Blick aus dem Fenster des Schlosses vor. Sie schaute auf Wälder und schönes Land, sie wurde von Dienern umsorgt, die ihre Kleider brachten. Bei ihr war die Dienerin Magda, die der neuen Herrin wohlgesonnen war. Ganz anders reagierte Hofmeisterin Sophie von Mansbach, welche die Kleiderübergabe überwachte. Anja Zimmer schilderte die Gespräche Annas mit ihrem Gemahl. Sie ging in die Kirche, um zu beichten, und sonderbar fielen die Beichtstrafen aus. Bei den Zuhörern machte sich Schmunzeln breit. In weiteren Abschnitten schilderte Zimmer genauso akribisch wie zuvor den geschichtlichen Werdegang wie die Intrigen, die nach dem Tod des Gatten von Anna noch schwerer zu ertragen waren. Anna und den kleinen Sohn Philipp ließ Wilhelm II. unter die Vormundschaft Ludwigs von Boyneburg, Annas ärgstem Feind, stellen. Sie musste mit ansehen, wie die Vormünder das Erbe Philipps verschwendeten, den man ihr dann sogar wegnahm.

Sie musste um das Leben ihres Kindes fürchten und begann einen aufreibenden Kampf gegen Intrigen, »aus dem sie zu neuem Selbstbewusstsein zurückkehrte«.

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Artikel vom 27.08.2009 - 17.18 Uhr
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