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»Es soll wieder Geld in die Kasse kommen«

Artikel vom 03.01.2010 - 19.28 Uhr

»Es soll wieder Geld in die Kasse kommen«

Homberg (ks). Den inoffiziellen Startschuss für den Bürgermeisterwahlkampf gab es am dritten Neujahrstag in Homberg.
Den Fragen von Homberger Bürgern stellte sich am Sonntag bei einem Neujahrsempfang von SPD und Freien Wählern der von beiden unt
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Den Fragen von Homberger Bürgern stellte sich am Sonntag bei einem Neujahrsempfang von SPD und Freien Wählern der von beiden unterstützte Bürgermeisterkandidat Stefan Löhr (mitte). Links im Hintergrund SPD-Ortsvereinsvorsitzender Günter Schönfeld. (Foto: ks)
Homberg (ks). Den inoffiziellen Startschuss für den Bürgermeisterwahlkampf gab es am dritten Neujahrstag: Nunmehr dürfte das Rennen zwischen Amtsinhaber Orth, seinem Herausforderer Stefan Löhr (und möglichen weiteren Kandidaten? Bis Donnerstag läuft die Bewerberfrist) eröffnet sein. Bei einem Neujahrsempfang stellten SPD und Freie Wähler am Sonntag den von ihnen unterstützten Kandidaten Löhr vor. Zahlreiche Bürger nahmen die Einladung an, sodass rund 100 Zuhörer den Saal im Frankfurter Hof füllten. Sie hatten nach einer Vorstellungsrede etliche Fragen an den Kandidaten, der sich in den nächsten Wochen weiter bekannt machen will. Als wichtigstes Ziel für den Fall seiner Wahl kündigte er an, »dass wieder Geld in die Kasse kommt.« Dafür sollen unter anderem seine Kontakte als Unternehmensberater sorgen.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Günter Schönfeld hatte einleitend gesagt, die Kommunalpolitik in Homberg stagniere, »der Zug fährt nicht nur langsam, sondern rückwärts.« Viele Entwicklungen gingen an Homberg vorbei, die Stadt brauche Innovationen und neue Ideen. Homberg müsse »raus aus den Schulden und rein in die Handlungsfähigkeit« sowie die Herausforderungen des demografischen Wandels angehen. Zudem wolle man nicht dem sozialen Leben die Existensgrundlage entziehen. Politisch wünsche er sich »nicht Gegeneinander und Konfrontation zwischen Parteien oder Stadtteilen, sondern einen politischen Neuanfang.« FW-Fraktionsvorsitzender Hansgünter Maiß äußerte, viele seien mit der Arbeit des Amtsinhabers nicht zufrieden. So seien Aufforderungen an die Verwaltung, Rücklagen zu bilden, keine weiteren Kredite aufzunehmen oder das Personal zu reduzieren und effektiver einzusetzen, verhallt. Stefan Löhr zeige Wege auf, »aus der Misere herauszukommen.«

Löhr selbst (»Ich bin Sozi«) betonte in seiner Vorstellungsrede, er wolle alle fähigen Köpfe an einen Tisch holen. Als Bürgermeister wolle er dafür sorgen, »dass wieder Geld in die Kasse kommt, wir nicht länger über die Schließung von Kindergärten, Dorfgemeinschaftshäusern oder das Einstellen der Jugend- und Seniorenarbeit sprechen müssen.« Um Geld in die Kasse zu bekommen, will er vor allem seine Kontakte als Unternehmesberater nutzen und daran arbeiten, »finanzstarke Unternehmen nach Homberg zu bekommen.« Auch wolle er zeigen, »wie wir aus eigener Kraft eine Zeit lang die fehlende Gewerbesteuer in kleinen Teilen auffangen können.«

Zudem wolle er eine funktionierende und transparente Verwaltung sicherstellen - durch seine Arbeit in der Kommunalberatung könne er auf ein großes Netzwerk von Fachleuten zurückgreifen, sodass die Stadt wenig bis kein Geld für externe Berater brauche. So müsse man nicht Geld für ein Gutachten ausgeben, um zu wissen, was im Portmonnee ist. Löhr meinte, Homberg sei »aus dem Tritt geraten« und wer sich anschicke, der kommende Bürgermeister zu sein, der müsse erst »einmal die Ärmel hochkrempeln und Brücken bauen, verschiedene Interessen zusammenführen, vielleicht auch als neutraler unparteiischer Mittler und Vermittler auftreten.« Denn wer heute noch nach Parteizugehörigkeit denke, der gehöre ins Museum. Viele in Homberg wünschten sich die besseren Zeiten zurück und auch Löhr beschwor die alten Zeiten, denn bevor Walter Seitz Bürgermeister geworden sei, habe Homberg schon einmal finanziell mit dem Rücken zur Wand gestanden.

Wissen wollten die Zuhörer auch Privates, so antwortete Löhr, der in Kürze 30 wird, er komme aus Segnitz in Unterfranken, wo sein Vater Bürgermeister ist, habe BWL studiert, sei ledig, was er gern ändern wolle, und dass er mit Menschen arbeiten möchte. Auch das Sesshaftwerden reize ihn am Bürgermeisteramt, das viele Reisen als Unternehmensberater und die Hotelübernachtungen lägen ihm nicht. »Zwischenmenschliches« sei sehr wichtig, hat er gelernt. Über Erfahrung in kommunalpolitischen Gremien verfüge er nicht, er kenne aber durch seine Arbeit viele Kommunen und deren Probleme. So verstehe er sich als Info-Dienstleister: »Und Homberg kann Informationen brauchen.« Auf die Frage nach Referenzen nannte Löhr seine Heimatstadt Segnitz, wo es gelungen sei, ein attraktives Unternehmen anzusiedeln. Man dürfe nicht erst Gewerbeflächen ausweisen und dann warten, dass jemand kommt, sondern müsse erst Bewerber haben. Löhr sprach von nötiger Kontrolle und dass sich keine Standardprozesse einschleifen dürften. Bisher könnten sich seine Lorbeeren eher andere anstecken, auch ein Grund, warum er das Bürgermeisteramt anstrebt. Auf die Frage wo er sparen will, konnte er noch nichts Konkretes antworten, es werde sicher Einschnitte und eine Durststrecke geben, aber in welcher Form wisse er noch nicht. Vieles könnten Bürger aber »durch eigene Leistungen auffangen.«

Und einiges sei Luxus, bei dem man sich fragen müsse, ob man ihn sich leisten will. Ein Redner frage, ob Löhr den Mut aufbringe, nicht »jedermanns Liebling sein zu wollen?« Einiges, das anstehe, sei zunächst nicht populär, aber es gebe Möglichkeiten, etwas zu verändern, äußerte Löhr. Vor allem müsse man gemeinsam überlegen, »welches Homberg wir wollen.«

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Artikel vom 03.01.2010 - 19.28 Uhr
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