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»Gucken von der Terrasse auf den Schornstein«

Artikel vom 25.01.2012 - 07.53 Uhr

»Gucken von der Terrasse auf den Schornstein«

Homberg (ks). Ein Unternehmerehepaar gegen eine aufgebrachte Bürgerschaft: Das Vorhaben »Kleintierkrematorium« im ehemaligen Getränkemarkt auf der Hardt in Homberg erhitzt auch die Gemüter.

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»Ein Lkw, der einmal zum Supermarkt fährt, hinterlässt mehr Schadstoffe als wir in einer Woche«: Christof Skirlo vom Betreiber-Ehepaar versucht Überzeugungsarbeit zu leisten. (Foto: ks)
In einer Informationsveranstaltung kam es am Montag Abend im Güntersteiner Hof zum heftigen Schlagabtausch. Die Betreiber der geplanten Anlage versuchten die bestehenden Vorbehalte auszuräumen, trafen aber auf die ablehnende Stimmung der rund 50 Teilnehmer. So fürchten Anwohner nicht nur Emissionen, sondern auch Probleme beim Anblick der Anlage und offenkundig eine Abwertung der bestehenden Wohnbebauung in dem Mischgebiet. Die Initiative will jetzt prüfen, ob die vom Regierungspräsidium in Gießen erteilte Genehmigung rechtens ist und ansonsten dagegen vorgehen.

Anwohner Sandro Wittig erklärte den Grund der Zusammenkunft, man sei zu Beginn des neuen Jahres von den Plänen (die AZ berichtete) »mehr als überrascht worden.« Der Bericht habe »Entsetzen« bei ihm ausgelöst.« Jetzt wolle man versuchen, sachlich über die Planung zu informieren. Bei einem ersten Treffen waren vergangene Woche bereits technische Details der Anlage vorgestellt worden. Nun wurde seitens der Unternehmer noch einmal betont, »dass Ihnen hier eine Gefahr vorschwebt, wie sie keinesfalls gegeben ist«.

Das Tierkrematorium werde keine Tierkörperverwertung à la Hopfgarten, in Homberg sollten in einer sogenannten »atypischen Kleinanlage« mit geringer Durchsatzmenge circa 40 Kilogramm Tierkörper pro Stunde verarbeitet werden. Laut Genehmigung werden schädliche Stoffe durch den Verbrennungsprozess bei 850 Grad eliminiert. Christof Skirlo: »Wenn Sie ihren Kamin einmal anfeuern, blasen Sie mehr Dreck in die Luft als wir mit unserer Anlage in einem ganzen Jahr.« Mit der modernen Anlage würden die zulässigen Grenzwerte für Emissionen sogar um das 10- bis 20fache unterschritten.

Zum Genehmigungsverfahren teilte er mit, dies sei im nichtöffentlichen Rahmen erfolgt, wie es bei einer solchen Anlage üblich sei, nur zahlreiche Behörden und Verbände werden gehört. Baurechtlich sei alles ok, so Skirlo, und verwies auf seinen umfangreichen Genehmigungsordner, es sei »keinerlei Umweltbelastung oder gesundheitliches Risiko« zu erwarten.

Man könne auf Kosten der Skirlos nach Kassel fahren, um die dortige Anlage zu besichtigen. Das sei nicht ganz vergleichbar, so ein Einwand, die dortige Anlage sei mit Filter ausgerüstet, was bei der geplanten Homberger Anlage nicht der Fall sei.

Die Tiere werden laut Skirlo in einem Spezialfahrzeug in PE- oder Baumwollsäcken angeliefert, dann geht es in den Hygienebereich, über die Waage ins Kühlhaus und anschließend zur Verbrennung in den Ofen. Die Halter können die Asche mitnehmen, notfalls auch die eines einzigen Hamsters. Das sei mit wenig Aufwand machbar, hieß es, da die Hitze von vorherigen Verbrennungsvorgängen ausreiche. Derzeit betreiben die Skirlos bereits eine Kühlanlage für Tierkörper in der Homberger Schillerstraße, »da können Sie die Anwohner ruhig fragen, ob die etwas davon mitkriegen.«



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