Homberg (dpa/ks). Der zweifache Mannschafts-Olympiasieger Lars Nieberg bangt um seine reiterliche Zukunft. Seine langjährige Mäzenin und Inhaberin des Gestüts Wäldershausen, Katarina Geller-Herr, zieht sich aus privaten Gründen aus dem Pferdesport zurück.
Lars Nieberg im Jahr 1996 nach dem Olympiagold, neben ihm Katarina Geller. (Archiv)
Sie wird nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung das Gestüt in Kürze aufgeben, bei dem der Springreiter seit 1994 Gestütsleiter ist. Dies hat massive Konsequenzen für Nieberg. Geller-Herr ist bislang nicht nur seine Arbeitgeberin, sondern auch Inhaberin seiner Sportpferde.
Zwar liege ihm das Angebot vor, das Gestüt zu pachten und die Pferde zu übernehmen, doch das ist für Nieberg eine große finanzielle Herausforderung. »Ich stehe vor einer schweren Entscheidung«, sagte der 46-jährige Familienvater. »Es wäre äußerst schade, wenn uns ein Reiter wie Lars Nieberg, der über viele Jahre eine feste Größe in der deutschen Mannschaft war, aus wirtschaftlichen Gründen verloren geht. Gerade jetzt, wo er wieder einige vielversprechende Pferde im Stall und den Anschluss an die Spitze gefunden hat«, sagte Reinhard Wendt, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). »Wir versuchen, Lars Nieberg zu helfen, eine Lösung zu finden.« Würde das Gestüt geschlossen, dann wären davon auch rund 20 Arbeitsplätze betroffen.
Zur Geschichte der Anlage: Das Gestüt Wäldershausen geht bereits auf das Jahr 1690 zurück, als der Grundstein für das damalige Gut der Familie Schenck zu Schweinsberg gelegt wurde. Generationen der Familie des Großgrundbesitzers residierten dann in Wäldershausen. Das Hofgut entwickelte sich in der Folgezeit stetig weiter. 1965 erwarb es der bekannte Großindustrielle Herbert Quandt (Bruder von Harald Quandt, dem Vater der späteren Besitzerin Katarina Geller-Herr) und baute es von 1968 an zu einem der angesehendsten Trakehner-Gestüte auf, wobei das Gutshaus mehr als Wochenendsitz genutzt wurde. Bis 1982 führten er und seine Familie das Gestüt.
Nach seinem Tod verkaufte seine Frau Johanna Wälderhausen und danach ging es zunächst mit den historischen Gebäuden bergab. Verschiedene Ideen der Landesregierung, das Gut zu nutzen, wurden verworfen. Im Jahr 1989 schließlich übernahm Katharina Geller (heute Geller-Herr), die zeitweilig in den USA gelebt hatte, eher per Zufall das Gestüt und baute in der folgenden Zeit einen äußerst erfolgreichen Turnierstall auf. Gekrönt wurden die Bemühungen vom zweifachen Mannschafts-Olympiasieg von Gestütsleiter Lars Nieberg in den Jahren 1996 und 2000.