Homberg-Ober-Ofleiden (kli). Der Heimatkundliche Kreis hatte am Sonntag zum Mundartnachmittag ins ev. Gemeindehaus eingeladen und brauchte sich über mangelndes Interesse nicht zu beklagen.
Vorsitzender G. Kuntz (Mitte) dankt den Hauptakteuren Karl-Heinz Theiß (rechts) und Günther Linker für ihre Beiträge. (Foto: kli)
Fast 70 Gäste hatten sich eingefunden, um Informatives, Besinnliches und Heiteres zu erfahren und zu genießen. Vereinsvorsitzender Gerhard Kuntz stellte die Referenten des Nachmittags vor. Zur Mundart sprach Karl-Heinz Theiß aus Burg-Gemünden, der selbstverfasste und in Dialekt umgewandelte Gedichte vortrug. Günther Linker aus Homberg stellte Ausschnitte einer Filmreihe aus 1981 mit Beiträgen aus Ober-Ofleiden und Homberg vor und am Ende gab es Zuhörer, die sich mit ihrer Heimatmundart vorstellten.
Karl-Heinz Theiß machte den Anfang, in dem er Dialektunterschiede von Dorf zu Dorf aufzeigte. Die Wiedergabe der Mundart führe oft zu Verfälschungen, die nannte Theiß »Eurohessisch«. Dann folgten Beiträge auf »Burg-Gemündener Platt«. Den ersten Titel nannte er »De Hanjer«, dieser war krank geworden und bekam Zäpfchen verschrieben, die er allerdings geschluckt hatte. Bei einer Arztvorstellung sagte Hanjer, dass sie gut wirken, er sie aber schwer hinunter bekomme.
Theiß erklärte, dass »Platt lesen und Platt vortragen viel schwerer sind als Hochdeutsch lesen und Platt vortragen«. Heftigen Applaus erhielt er für seinen Beitrag »Besoffe«. In dem stand eine Maus im Mittelpunkt, die ins geöffnete Weinfass gefallen war und nicht mehr heraus konnte. Die Hauskatze hatte die Maus entdeckt und wollte sie fangen, da bat die Maus um Gnade, und meinte, sie schmecke viel besser, wenn sie richtig mit Wein vollgesogen sei, dann dürfe die Katze sie auch ressen. Schließlich entkam die Maus aber, die Katze schimpfte über die Unehrlichkeit der Maus, die schlagfertig antwortete: »Woas meächt mer nit all, wann mer besoffe ess?«.
Nach den Mundartgedichten »Haal dich nur eraus« und »Offs Amt geloare« folgte Günther Linker mit Super-8-Vorführungen. Zunächst zeigte er Aufnahmen aus Zeiten, in denen Ober-Ofleiden unter Überschwemmungen zu leiden hatte. 1981 gab es mehrere Überflutungen von Dorf und Aue. Bereits im Februar war das Flussbett randvoll. Im August trat die Ohm über die Dämme, Straßen waren überflutet und die Feuerwehr war im Einsatz, um Vieh aus den Ställen zu holen. Rinder mussten auf den Weiden vor der Flut gerettet werden. Diesem Beitrag ließ er eindrücke von Mähdrusch und Getreideernte folgen. Laut ging es beim US-Manöver im September 1981 in Homberg zu. Endlose Panzerkolonnen wälzten sich durch die Straßen der Ohmstadt. Auspuffqualm und Panzerbeleuchtung sorgten für ein gespenstisches Ambiente besonders in der Marburger Straße.
Mit Aufnahmen vom Herbst und der Heimat sowie vom Frankfurter Flughafen beendete er seinen Beitrag, den die Anwesenden mit viel Applaus honorierten.
Dann folgte eine Kaffee- und Kuchenpause. Unterhaltsam brachte im Anschluss Karl-Heinz Theiß mit perfekter Dialektaussprache »Die Zeire ennern sich«, wobei er erklärte, dass man heute im Garten grillt und bei Bedarf ins Haus auf die Toilette geht, früher nahm die Mahlzeit im Haus ein und ging in den Hof zur Toilette. Wieder hatte Theiß die Lacher auf seiner Seite. Beliebte Themen stellte er mit »Aald sei aich noch nidd« und »Freier Eintritt« vor. Beim freien Eintritt ging es sich um den Kirchgang und den Kollektenpfennig, den besagte junge Dame nicht in den Teller gelegt, sondern davon ein Eis gekauft hatte. Auf die Frage der Mutter kam die Antwort: »Die Kirch hat jo kenn Entritt gekost«.
Inge Ruckelshausen aus Ehringshausen stellte ein Zwiegespräch im Dialekt zwischen Mann und Frau vor, bei dem der Mann unter ihrer Anleitung abnehmen musste. Der Mann wurde regelrecht dazu gezwungen, bis er am Ende abgenommen hatte, aber verhungert war. Einen lustigen Zweizeiler in Wetterauer Dialekt stellte Werner Klaus aus Ober-Ofleiden vor und Henny Lingner aus Wingershausen hatte ihre Heimat, den Vogelsberg, auf humorvoll sympathische Art ins Visier genommen.