Feuerwerk großartiger Improvisation bei der Geburtstagsparty gezündet
Dargeboten wurde klassischer New-Orleans-Jazz mit Stilrichtungen wie Blues und Swing. Kennzeichen des traditionellen Jazz sind Meldodieführung durch die Trompete, während von der Klarinette reich ausgeschmückte Gegenmelodien und von der Posaune rhythmische Slides gespielt werden. Der Bass legt unter diese Standard-Dreiergruppe eine »bassline«. Den Rhythmus steuert natürlich das Schlagzeug bei, in Heimertshausen in faszinierender Manier vom Geburtstagsjubilar gespielt. Trevor Richards erläuterte seine Spieltechnik näher. So spiele er bei seinen Soli in den einzelnen Stücken jeweils ein oder zwei Durchgänge mit 30 Takten. Dabei werde jeweils einmal die Melodie in der gleichen Form durchgespielt wie von den übrigen Instrumenten intoniert. Vitalität und Dynamik sind beim klassischen Jazz wichtiger als musikalische Feinheiten.
Die unverzichtbaren und typischen Improvisationen wurden im Verlauf des langen Abends von mehreren Stimmen des Ensembles gestaltet. Überragend vor allem die Klarinette von Reimer von Essen und die Trompetensoli von Clive Wilson. Aber auch die weiteren Interpreten hatten diverse Soloeinsätze, um brillante Spieltechnik und Improvisationskunst zu demonstrieren. So führte Richards bei einem Titel mit den Worten ein: »Wir wollen mal schauen, was daraus wird.« Und nach der eindrucksvollen Improvisation bilanzierte der Geburtstagsjubilar zufrieden: »Ist ja ganz gut geworden.«
Wesentlich und für das letztlich brillante Zusammenwirken aller Musiker entscheidend war schon der Eröffnungsteil am Nachmittag. Hier wurden die Weichen gestellt, und zwar zunächst im Trio durch die Solisten Paolo Alderighi (30) aus Mailand (Piano), John Defferary (69) (Klarinette) und Trevor Richards (Schlagzeug). Später gesellte sich mit Clive Wilson der erste Gast dazu. Mit Defferary und seinem alten Freund“ Wilson spiele er, Richards, schon seit über 45 Jahren zusammen. Er dankte Wilson für dessen »Riesenmühe, heute dabei zu sein.«
Beim ersten Stück auf der Bühne, die also noch reichlich Platz für weitere Mitwirkende bot, griffen Trevor Richards und Co. auf altbewährte Musik der Original Dixieland Jazz Band aus dem Jahre 1917 zurück. Mit virtuosen Klarinettenklängen wie bei dem »One Step« beeindruckte sogleich John Defferary. Dem wollte Pianist Alderighi keineswegs nachstehen. Auch seine wirbelnden improvisierten Tonabfolgen auf dem Tasteninstrument wurden verdientermaßen mit Applaus bedacht, so wie auch das eindrucksvolle Schlagzeugsolo von Richards.
Gemeinsam mit Wilson intonierte man dann einen populären Schlager aus den Dreißigern: »Exactly like you.« Das Klangbild gewann enorm an Vitalität, insbesondere durch das synergetische Musizieren der beiden Bläserstimmen. Dabei dokumentierten die Interpreten in der schöpferischen Kreativität tonaler Abfolgen eindrucksvolle Beherrschung und Ausreizung ihrer Instrumente.