Kirtorf (ia). Hoch schlugen die närrischen Wogen am Samstagabend in der ausverkauften Gleentalhalle. Mitreißend-schwungvolle - mitunter gar artistische - Darbietungen der Tanzgruppen umrahmten in der Kostümsitzung des Faschingsclubs Kirtorf (FCK) die Beiträge der Bütten- redner und Sketchmeister: Prinz Karneval hatte Kirtorfs Närrinnen und Narrhallesen fest im Griff.
Präsentation des Kirtorfer Prinzenpaars Natalie Klos und Simon Döring, flankiert von Mädchen der Prinzengarde, mit Zeremonienmeister Francisco de Tullio (2. von rechts) und Moderatorin Anja Köhler (3. von rechts).
Die bis kurz vor Mitternacht andauernde Sitzung stand, wie Faschingsclubvorsitzende und Moderatorin Anja Köhler mit »Hi und Helau« bekannt gab, unter dem Motto »Rock und Pop«. Die Ansagerin vergaß in der rauchfreien Gleentalhalle aber auch nicht darauf hinzuweisen, dass alle Akteure des Abends Laien seien: »die ham' lange geübt, um euch zu erfreuen. Und geht auch mal was daneben: Wir sind halt keine Profis eben.«
Das war aber etwas tief gestapelt angesichts dessen, was im weiteren Verlauf der Sitzung in einer Serie fulminanter Events dem Auditorium präsentiert wurde: vor allem bei den teils atemberaubenden und technisch beachtlichen Ansprüchen gerecht werdenden Tanz- und Showauftritten, darunter mit viel Beifall bedacht auch Präsentationen der Kleinen, mitunter im Alter von erst fünf Jahren, in der Tanzformation »Crazy little party girls«. Bei allen Bühnen- auftritten unterstützt wurde sie von Zeremonienmeister Francesco de Tullio. Bei de Tullio konnte sich Anja Köhler aber, auf dessen Bekleidung anspielend, eine witzige Begrüßung nicht verkneifen: »En geile Fummel hast Du da an. Das iss ja echt genial.« Aber auch im Publikum sah man vielfach originell kostümierte Besucher: so in Sträflingskleidung, als Scheich, als Teutone mit Hörnern und als Clowns - ganz mit Blick auf den Veranstaltungshöhepunkt, die Kostümprämierung.
Nach einem rasanten Intro der Damen der Kirtorfer Prinzengarde zu Technoklängen (Vivien Strempel, Anna de Tullio, Jana Schäfer, Johanna Korell, Theresa Christ, Jana Schmidt, Laura Schäfer, Julia Schloss und Jessica Anstötz - Trainerin Alice Pauli wurde unter Applaus Blumen überreicht), zog unter den Klängen des Narhalla-Marsches und begleitet vom rhythmischen Klatschen des Auditoriums das Prinzenpaar ein: »Seine Hoheit Prinz Simon I. von dem Geschlecht der Dörings aus Hainbach.« Dem Fasching sei der Prinz als Aktiver sehr zugetan, so Anja Köhler, und als »richtiger Feuerwehrmann hat er auch en gute Dorscht.« Auch Kirtorfs Faschingsprinzessin (Nathalie Klos) and der Seite von Simon I. (Simon Döring) wurde humorvoll vorgestellt: »Ihre Lieblichkeit Nathalie I. vom Geschlecht der Klose aus dem Hofacker beziehungsweise Nachkomme vo Wolfe aus de Owwergass.« Als »„ehemalige Schrottplatzqueen« sei sie jetzt unter die Holzwürmchen gegangen: »Sie ist ein Wildschütz ohnegleichen, wo sich schon mancher Schütze Kimme und Korn verbogen hat.« Als Gäste von außerhalb begrüßte Anja Köhler auch die Faschingsweiber aus Ober-Gleen, das Dreigestirn mit Gefolge aus Ehringshausen, die langjährigen Freunde vom Alsfelder Carneval Club (ACC) sowie die Abordnung des Carneval Clubs Angenrod (CCA). In einer vital ausgestalteten Hommage an den 2009 verstorbenen Michael Jackson - zu hören waren Songs wie »Beat it«, »Billie Jean« und natürlich »Black and White« - gemäß der Ankündigung Anja Köhlers: »In unseren Köpfen lebt er als King of Pop weiter« - erinnerten die Jüngsten des FCK, die Mädchengruppe »Crazy Little Party Girls« (Lea Schlosser, Nicole Trofimow, Sina Faust, Leonie Wagner, Emilia Strempel, Sarah Förtsch, Laura-Madlen Eife, Marie Stiebing, Fabienne Orth, Melina Weil und Nele-Marie Neudert, überraschend authentisch in Kostümierung und Performance mit den Jackson-typischen Stakkato-Bewegungen, an den Popstar. Mit »das war so toll, und sie haben wieder so fleißig geübt« wurde den Kleinen auch aus dem Munde der Moderatorin Lob zuteil. Das närrische Auditorium anerkannte den Bühnenauftritt der Kleinen - es wurde sogar eine Zugabe eingefordert - verdientermaßen mit einer Kirtorfer Rakete. Nach einem Dankeschön an Trainerin Alice Pauli, an Birgit Sprankel, die wieder die originellen Kostüme geschneidert habe und an Schriftführerin Eva Gläser für die Bühnenbildgestaltung verabschiedete das närrische Auditorium die Akteure. Im ersten Beitrag aus der Bütt präsentierte sich dann Jürgen Ubrig, gerade heimgekehrt von der Theke und vielleicht noch etwas angesäuselt, aber vollmundig unverblümt: »Ich sag mei Meinung ohne Ekel, ich sei de ganz Tag am Krakeeln. Weil mir nix passt und nix gefällt, geh´ ich meckernd durch die Welt.« Mit einer Serie skurriler Beispiele, immer abschließend mit »sag ich de Schosch, de alt´ Krakeeler«, hatte der Redner - »ganz neu nach Kirtorf gezogen und sucht schon gleich Streit«, so Anja Köhler - die Lacher auf seiner Seite. In der Kostümsitzung wechselten sich dann in bunter Folge Auftritte der Tanzgruppen und Redebeiträge aus der Bütt - immer wieder unterlegt von ausgiebigen Schunkeleinlagen des Publikums - ab. Mit Tanz- und Show-Auftritten präsentierten sich im einzelnen: die 18 Mädchen der Tanzformation »Eighteens for Carneval« (Trainerinnen: Daniela Christ und Anna-Lena Wittich, verantwortlich für Kostüme Christel und Daniela Christ) - spektakulär vor allem auch die Hebefiguren -, die Männergruppe »Beinhart« rockig und eben beinhart (Heiko Korell, Simon Döring, Christian Decher) mit Rädchen, Dreirad und Rollunterlage, aber natürlich auch mit Bierflaschen in der Hand, die Showtanzgruppe »Lollipop«, höchst sportlich die Nachwuchsgruppe »Gli Angeli´s« (Miriam Dörr, Katharina Herbst, Christina Warkentin, Sophia Wolf, Johanna Rechmann, Jessica Klein, Natascha Kahnert und Miriam Köhler, alle erst 14 bis 16 Jahre alt; Trainerinnen: Laura Schäfer, Catharina Schick und Jana Schmidt), das Männerballett »Kistenzwicker« - hier herrschte zunächst beim Einzug der Mönche mit Kerzenlichtern im abgedunkelten Saal gruselige Friedhofsstimmung, urplötzlich flogen dann jedoch die Mönchskutten auf die Bühne, und es entpuppte sich eine reichlich unbekleidete maskuline Formation mit auch erotisch angehauchten Tanzeinlagen bei zum Beispiel »step by step« - mit Torben Dehnel, Christian Hauf, Björn Hellmich, Lars Krätschmer, Marcel Kutscher, Patrick Müller, Benjamin Pletzenauer, Christoph Schindler, Dominik Schmidt und Fabian Zulauf.
Bodenständig-anheimelnde Zillertal-Atmosphäre mit Alpenrock boten die 15 Damen und Herren der Gaudi-Showtruppe mit skurril anmutenden »Alpenzwergen« und dem »Alpenschneewittchen« (Francisco de Tullio). Auch dafür zündete das Auditorium eine Rakete. Nach einer weiteren Schunkelrunde und sogar vereinzelten Paartanzeinlagen in der Gleentalhalle leitete Anja Köhler zu einem weiteren Sitzungshöhepunkt über, der Prämierung der schönsten Faschingskostüme im Saal.
Ausgesucht von der Jury (Helga Förtsch und Sonja Felten) wurden folgende Kostüme prämiert: eine lila Kuh mit zwei Hörnern (Maritta Fink-Schlosser, Angenrod, 3. Preis), eine Frau mit ganz hohem Turban (Andrea Seifert, Lingelbach, 2. Preis), und eine Frau mit wunderschön geblümtem Kleid, mit langen, schwarzen Haaren, roten Fingernägeln und einer Super-Figur (Dennis Anstötz, Kirtorf, 1. Preis).