Artikel vom
01.02.2009 - 20.14 Uhr
Grundschule und Kita: Bildungsplan nicht umsetzen
Kirtorf (pm). Die Erprobungsphase des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder bis 10 Jahren ist vorbei und nun soll der Bildungsplan in Schulen und Kindertagesstätten umgesetzt werden. Dafür sehen Lehrerkollegium der Kirtorfer Grundschule und das Team der benachbarten Ev. Kindertagesstätte »Unterm Regenbogen« keine Möglichkeit.
Das zeigte sich bei einem Austausch, zu dem man die Fachberaterin für die Grundschulen im Bereich des Staatlichen Schulamts Gießen und Vogelsbergkreis, Anke Vorwerk, eingeladen hatte. Sie ist zuständig für die Beratung der Grundschulen zur Umsetzung des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes in unserem Gebiet.
Der erste Schritt zur Umsetzung sei, so Vorwerk, dass die Schulen verpflichtet sind, »Tandems« mit vorschulischen Bildungseinrichtungen wie den Kindertagesstätten zu bilden. In diesen Tandems sollen dann Schwerpunkte aus dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan ausgewählt und die Umsetzung gemeinsam erarbeitet werden. Umfangreiche gemeinsame Fortbildungen zu den unterschiedlichen Schwerpunkten können genutzt und so für das Tandem eine Hilfestellung sein. Allerdings stehen für diese Veranstaltungen weder ein Zeitkontingent noch Vertretungskräfte zur Verfügung. Im Anschluss an die Ausführungen der Fachberatung fand ein reger Austausch über die derzeitige Situation in Schulen und Kitas statt. Dabei hieß es, man habe zuwenig Personal, zu große Kindergruppen und kaum Zeit zur Vorbereitung pädagogischer Konzepte und Elterngespräche. Die zentrale Frage war: Wie soll unter diesen Rahmenbedingungen dann ein solcher Bildungsplan umgesetzt werden?
Lehrerkollegium und Kita-Team waren sich einig, dass der Bildungs- und Erziehungsplan eine gute Sache sei, aber die Umsetzung sei unmöglich ohne zusätzliches Personal, kleinere Klassen oder Gruppen und zusätzliche Vorbereitungszeiten. Auch in einem weiteren Punkt waren sich alle einig, dass man diesen ersten Schritt zur Umsetzung, nämlich ein Tandem zu bilden, unter diesen Voraussetzungen nicht gehen kann.
Allerdings arbeiten die Erzieherinnen der Kita und das Kollegium der Grundschule Kirtorf seit Jahren vertrauensvoll zusammen, um besonders den »Elefantenclub«-Kindern den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu erleichtern. Elternabende in der Kita mit der Schulleiterin, Besuch der künftigen Schulanfänger in der Grundschule und Wandertag des Elefantenclubs (das sind die Fünfjährigen) mit den Erstklässlern sind Bausteine der gemeinsamen Arbeit. Da der Hess. Bildungs- und Erziehungsplan für die Ev. Kitas noch nicht verpflichtend ist, sprachen sich die Erzieherinnen gegen eine Tandembildung mit der Grundschule und somit gegen den ersten Schritt zur Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsplanes aus.
Mit dieser Position wollen die Erzieherinnen der Ev. Kita »Unterm Regenbogen« in Kirtorf ein Zeichen setzen, dass in unseren Schulen und Kitas noch viel passieren muss, um einen solch umfangreichen Bildungs- und Erziehungsplan mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen in die Praxis umzusetzen.