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Gegen Kneipenbesuch nach Lohnauszahlung

Artikel vom 28.02.2012 - 17.27 Uhr

Gegen Kneipenbesuch nach Lohnauszahlung

Mücke (sf). Dicht gedrängt standen die Interessierten am Sonntagnachmittag im Kunstturm Mücke. Vereinsvorsitzender Michael Fliegl eröffnete die 4. Ausstellung in der Themenreihe ERZ mit dem Titel »Mücke, Hessen und die Welt«.

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Referate gab es im Kunstturm Mücke zum Auftakt der 4. Ausstellung in der Themenreihe ERZ mit dem Titel »Mücke, Hessen und die Welt«. (Foto: sf)
Geboten werden sozialgeschichtliche Streiflichter in Form einer Zeitenwanderung. Angestoßen wurde die aktuelle Ausstellung Ende 2010 bei der Ausstellung Erzweg im Spital Grünberg. Dort tauchte auch die Frage auf: Wie lebten die Menschen, wie war ihr Alltag in einer regional vom Erzabbau geprägten Epoche? Das Thema wurde vom Kunstturm Mücke aufgegriffen.

Es fand sich eine Arbeitsgruppe, die diesen Fragen nachgehen wollte. Die Erfindungen und Ereignisse aus der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts bildeten wichtige Einschnitte in der Menschheitsgeschichte. Den Organisatoren vom Kunstturm Mücke stellte sich eine echte Sisyphusaufgabe. Eine unergründliche Wundertüte hatten sie aufgerissen, denn die Zeitspanne von 180 Jahren mit ihren Ereignissen hatte das ländliche Leben für immer verändert. Michael Fliegl bedankte sich besonders bei den Akteuren Iris Joswig, Jutta Roth, Dirk Finthammer, Volker Schönhals und Klaus Joswig. Weiterhin dankte Fliegl dem Kulturring Nieder-Ohmen mit Waltraud Blechschmidt und Wolfgang Keissner für einige Exponate, Kurt Stein vom Heimatkundlichen Arbeitskreis Laubach und Karl Heinz Hartmann vom Kulturring Weickartshain sowie Anke Finthammer und Peter Sienczek von artec Werbetechnik Nordeck. »Eigentlich hätte man am Eingang Helme verteilen müssen«, schmunzelte Michael Fliegl, »zum Schutz. Damit Sie die Fülle der Informationen nicht erschlägt«.



Grubenbeamte übten strenge
Kontrolle über Arbeiterleben aus



Referent Karl Heinz Hartmann verlas einleitend das Reglement für Bergleute vom Königlichen Preußischen Berg-Amt vom 8. Juni 1825. Darin heißt es unter anderem: »Das unterzeichnete Königl. Bergamt hat leider wahrnehmen müssen, dass ein großer Theil der Bergleute nach abgehaltener Auslohnung in die Wirtshäuser geht, um dort das erhaltene Geld zu vertrinken oder zu verspielen, während ihren Familien zu Haus das Notwendigste fehlt. Solche Leute sind in der Regel schlechte Arbeiter, und das Königl. Bergamt hat die Absicht sich ihrer ganz zu entledigen, so fern sie das unordentliche Leben nicht aufgeben und sich bessern. Es bestimmt daher als Nachtrag zum Strafreglement vom 20. März 1820 Folgendes:

1. Jeder Bergmann soll nach beendigter Auslohnung entweder auf seine Arbeit fahren, oder nach Hause gehen. 2. Wer am Lohntage in einem Wirtshaus angetroffen wird, soll das erstemal auf eine entfernte Grube, das zweitemal in ein anderes Revier und das drittemal auf acht Wochen ganz abgelegt werden. 3. Wer nach dreimaliger Strafe wieder am Lohntag in einem Wirtshause getroffen wird, von dem muss angenommen werden, dass er nicht zu bessern sei: dieser soll gänzlich abgelegt werden und aus der Knappschaftsrolle gestrichen werden.

4. Die Grubenbeamten sollen für die Ausführung dieser Bestimmungen sorgen und die Revierbeamten die Vollziehung der festgesetzten Strafen anordnen. Letztere werden beim Königl. Bergamt Anzeige machen, wenn ein Bergmann zum drittenmale bestraft werden muss.« So war es 1825. Im Jahre 1907 wurde eine Erzaufbereitungsanlage in Seenbrücke gebaut, und knapp 200 Meter nördlich der Anlage entstand ein Wirtshaus mit Saal. Heute ist es die St. Anna-Kapelle. Später wurde dann der Wochenlohn der Bergleute in den Gaststätten ausgezahlt. Karl Heinz Hartmann erinnert sich noch gut an die Lohnauszahlungen, denn er war in einer Gaststätte aufgewachsen. Dort, so habe sein Großvater berichtet, sei es zu dramatischen Szenen gekommen.



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Artikel vom 28.02.2012 - 17.27 Uhr
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