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Hessen-Mittelpunkt bleibt Mücke knapp erhalten

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Artikel vom 13.07.2010 - 19.38 Uhr

Hessen-Mittelpunkt bleibt Mücke knapp erhalten

Mücke (rs). Das war knapp. Nur 30 Meter weiter nach Süden, und Mücke wäre um eine Attraktion ärmer geworden. Denn der Mittelpunkt Hessens wurde jetzt mit einem moderen Messverfahren neu bestimmt und liegt nur knapp vor der Gemarkungsgrenze nach Grünberg in einem Kartoffelacker auf der Stockhäuser Höhe.
19.42 Uhr: Reporter Sebastian Kisters (rotes Shirt) klärt in der Hessenschau über den neu vermessenen Hessenmittelpunkt auf. Im
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19.42 Uhr: Reporter Sebastian Kisters (rotes Shirt) klärt in der Hessenschau über den neu vermessenen Hessenmittelpunkt auf. Im Hintergrund links Flensungen, hinten rechts Jens Hisserich-Liehr.
© AAZ
Das ist immerhin rund ein Kilometer Luftline vom 1983 gesetzten Mittelpunktstein am Flensunger Ortsrand entfernt. Darüber klärte am Montag Abend die Hessenschau bei ihrer ersten Ausgabe der kleinen Reihe »Hessen fragen die Hessenschau« auf, anhand von 35 000 Messpunkten hatte das Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation Amtshilfe geleistet. Die blauen HR-Fahrzeuge mitten im Feld und mit Scheinwerfern am helllichten Tag auf einem Kartoffelacker hatten zahlreiche Schaulustige - darunter viele Mittelpunktnachbarn im entsprechenden T-Shirt - angezogen, die die Sendevorbereitungen bis zur Liveschaltung um 19.42 Uhr verfolgten.

Nebenerwerbslandwirt Jens Hisserich-Liehr (39) war bereits vor Tagen vom HR telefonisch über die neue Messung informiert und gefragt worden, ob der Sender eine Liveschaltung in die Hessenschau direkt aus seinem rund 5000 Quadratmeter großen Kartoffelacker machen könne. Der Landschafts- und Gartenbauer hatte keine Einwände und bewältigte am Montag Abend auch seinen kurzen TV-Auftritt mit Bravour. HR-Reporter Sebastian Kisters stellte den Fernsehzuschauern in lockerer Moderation Hisserich-Liehr als den Anbauer der Mittelpunkt-Kartoffeln vor, fragte nach den sich daraus ergebenden Vermarktungschancen. Aber da hielt sich Hisserich-Liehr bedeckt, zu abseits liegt das Feld. Es war schon erstaunlich, dass es die schweren HR-Fahrzeuge überhaupt bis an den Ackerrand geschafft hatten. Wenigstens in dieser Hinsicht bewirkte die in den letzten Tagen oft beklagte lang anhaltende Trockenheit etwas Gutes.

Die Frage zur Auftaktsendung hatte Reporter Kisters aus einem Fundus alter Fragestellungen gezogen, denn vor Sendebeginn konnte es naturgemäß noch keine aktuellen Anregungen geben. Kisters wusste zwar um den vor Jahren ausgemessenen Punkt in Mücke, ihn reizte aber eine genaue Messung mit der inzwischen weiter entwickelten Technik. Amtshilfe leistete das Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation mit Hilfe von rund 35 000 Messpunkten entlang der hessischen Grenze, mit rund 420 000 Rechenschritten ermittelte daraus ein Großcomputer die genaue Lage des Hessen-Mittelpunktes. Nachdem so der Kartoffelacker grob herausgefunden worden war, bestimmte am Montag Abend Dietmar Fehr vom Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation mit einem GPS-Messgerät (Satellitentechnik) den genauen Mittelpunkt Hessens zentimetergenau, Hanfried Böttner, stellvertretender Leiter des Amtes für Bodenmanagement in Fulda, erklärte dann dem Reporter und so auch den Fernsehzuschauern das Verfahren und legte die Hessenkarte mit dem Ort Mücke auf eine Spitze: Die Karte lag genau in der Waage.

Unter den Mücker Zaungästen am Rande des Kartoffelackers bei den Sendevorbereitungen und der Liveschaltung ab 19.42 Uhr war Erleichterung zu spüren, dass die neue Messung zwar den Hessen-Mittelpunkt um rund einen Kilometer vom 1983 gesetzten Mittelpunktstein am Ortsrand von Flensungen nach Süden in Richtung Grünberg-Stockhausen versetzte, dass aber auf der Stockhäuser Höhe rund 30 Meter vor der Gemarkungsgrenze Stopp war. Der Unterschied in der Lokalisation des Hessen-Mittelpunktes 1983 und jetzt liegt in der wesentlich geringeren Anzahl von Bezugspunkten, die vor 27 Jahren zur Verfügung standen.

Soweit am Montag unter den anwesenden Mittelpunktnachbarn sowie den Kommunalpolitikern wie Bürgermeister Matthias Weitzel, Erstem Beigeordnetem Wilfried Schwab und Ortsvorsteher Dieter Daniel zu hören war, ist an ein Versetzen des Mittelpunktsteines vom Ortsrand auf die Stockhäuser Höhe nicht gedacht. Und wenn es so wäre, der Hessen-Mittelpunkt bliebe immerhin in der Familie: Denn Vorsitzender der Mittelpunktnachbarn ist Hermann Hisserich, Kartoffelanbauer Jens Hisserich-Liehr sein Sohn. Der gab sich angesichts der plötzlichen Berühmtheit eher gelassen, und war nur sichtlich angetan, dass die durch das TV-Team beim Kabellegen und den unzähligen Proben freigetrampelten vorwiegend festkochenden Frühkartoffeln der Sorte »Lady Christel« in diesem Jahr so groß ausfallen. Das hatte er nach zunächst nass-kaltem Frühjahr und jetzt anhaltender Hitze und Trockenheit nicht erwartet.

In 14 Tagen ist Ernte, und dann wird es um den Kartoffelacker von Jens Hisserich-Liehr wieder etwas ruhiger geworden sein. Bis zur Neuaussaat im Frühjahr kann er sich dann kundig machen, was der Stand der Gentechnik inzwischen hergibt. Kartoffeln in Herz oder Tierform gibt es schon, warum nicht auch als Hessenkarte?

 

 

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Artikel vom 13.07.2010 - 19.38 Uhr
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