Mücke-Groß-Eichen (ng). Der Obst- und Gartenbauverein hatte an Fronleichnam zur traditionellen Frühlingswanderung in die nähere Umgebung eingeladen. In diese Wanderung fiel die Vorstellung des »Insektenhotels« mit den »Bildlehrtafeln«.
Genügend Zeit wurde gelassen, um das »Insektenhotel« und die »Bildtafeln« in einer Pause zu besichtigen. (Foto: ng)
Mit dem »Insektenhotel« in Verbindung mit den »Bildlehrtafeln« bietet der Verein eine nennenswerte naturkundliche Anschauung mit dem »Insekten- oder Wildbienenhotel« im Mittelpunkt an. Aufgesetzt wurden in einem Rahmen an den Enden angebohrte Rundholzstücke als Nistangebote für die Wildbienen. Dieser Teil stellt neben seiner stattlichen optischen Erscheinung den gewichtigen biologischen Teil der Anlage dar.
Vorsitzender Gerhard Albert ging bei der Vorstellung der Anlage in die Details und führte unter anderem dabei zu den Wildbienen aus: Vor 25 Jahren habe man sieben Prozent der hierzulande ehemals über 500 Wildbienenarten als ausgestorben angesehen. Etwa 40 Prozent der damals in der heimischen Region vorkommenden Wildbienenarten seien schon als gefährdet eingestuft worden. Heute dürfte die Rote Liste der gefährdeten Wildbienen noch länger geworden sein. Wie bei vielen anderen Tierarten lägen die Ursachen der Gefährdung an unzureichenden Nistplätzen, fehlendem Lebensraum und einem unzureichenden Nahrungsangebot. Die sterile Aufgeräumtheit in vielen Gärten, bei Beseitigung von Stein, Holz, Reisighaufen und Trockenmauem führten auch zum Verlust des natürlichen Lebensraumes der Wildbienen und der Insekten. Auch alte Bauerngärten mit Obst, Gemüse, Kräutern und Blumen, in denen die Insekten Nahrung und Brutstätten gefunden hätten, seien rar geworden. Wildbienen, zu denen auch die Hummel gehöre, leisteten genau wie die Honigbiene bei der Bestäubung der Kulturpflanzen eine wichtige Funktion im Ökosystem. Fast alle Wildbienen benötigten Niströhren, in denen sie ihre Brutzellen aneinanderreihen könnten, die sie in der Natur mit Käfer- und Larvengängen fänden. In jede Zelle trage die Wildbiene ein Gemisch aus Pollen sowie Nektar und lege ein Ei darauf. Dann verschließe sie die Zelle mit einer Wand aus unterschiedlichen Materialien wie Erde, Harz und Wachs. Nach wenigen Tagen schlüpfe aus dem Ei eine Larve, die auf Grund des Futtervorrates schnell heranwachse und sich nach einigen Wochen verpuppe. Die Puppe verbringe den Rest des Jahres und den Winter in ihrer Brutzelle. Im folgenden Frühjahr schlüpften die Wildbienen aus den Puppen und durchbrächen ihre Brutzellen als ausgewachsene Tiere.
Die angebohrten Rundhölzer in dem aufgesetzten Stapel stellten somit den wichtigen biologischden Teil der Anlage als Nistmöglichkeiten für die Wildbienen dar. Besonderer Dank gilt nach Angaben von Vorsitzendem Gerhard Albert der Volksbank Mittelhessen, die dieses Projekt mit einer Spende von 250 Euro unterstützte. Manfred Fuchs von der Volksbank Mittelhessen übergab mit anerkennenden Worten für diese Arbeiten ein Geschenk an den Vorstand des Vereins. Die Wanderung wurde dann fortgesetzt und erreichte gegen Mittag den ehemaligen Schulhof, wo für Mittagessen und später für das Kaffeetrinken vorgesorgt war. Es ist anzumerken, dass die TSV-Tanzgarde an diesem Nachmittag Kaffee und Kuchen anbot, dessen Erlös für ihre neuen Kostüme bestimmt ist.