Artikel vom
30.06.2010 - 17.48 Uhr
Bürgermeisterin wendet sich gegen »perfide« Rundmail
Romrod (rs). In den Sachfrage herrschte die gewohnte weitgehende Einigkeit vor, etwas Schärfe ergab sich in der Stadtverordnetemver- sammlung am Dienstag Abend nur in der Aktuellen Fragestunde, üblicherweise ein umfassender und sehr detaillierter Bericht von Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg aus der laufenden Arbeit der Verwaltung.
Anlass war eine Rundmail im April, die offenbar irrtümlich auch an die Bürgermeisterin gesandt worden war, und in der ihr Vorteilsnahme im Amt unterstellt wurde. Während Dr. Richtberg das öffentliche Forum Stadtverordnetenversammlung nur zu einer klarstellenden Erklärung nutzen wollte, ohne den ihr bekannten Absender der Rundmail aus den Reihen der Stadtverordneten zu benennen, offenbarte der sich nach einiger Zeit: Der Sozialdemokrat Wilhelm Weidner war der Absender gewesen.
Statt im gewohnten Sitzungssaal des Rathauses tagte die arg dezimierte Stadtverordnetenversammlung (nur rund die Hälfte der Parlamentarier war anwesend) vor einem Zuhörer im Clubraum des Bürgerhauses. »Hallo allerseits, Gemmer braucht das Geld sofort, weil er Land von der Bürgermeisterin kaufen will. Wer weiß etwas?« Das soll in der Rundmail gestanden haben, die der SPD-Stadtverordnete Weidner im April versandt hatte, um - wie er äußerte, einem »ungeheuerlichen« Gerücht, das ihm zu Ohren gekommen sei, nachzugehen. Offenbar war in die Adressatenliste auch die Bürgermeisterin versehentlich rein gerutscht. Das Geschäft sollte im Zusammenhang mit dem neuen Gewerbegebiet an der Zeller Straße stehen.
Bürgermeisterin Dr. Richtberg zeigte sich sehr entrüstet über den Vorfall, den sie auf juristische Schritte habe abklopfen lassen. Aber dazu gebe es erstaunlicherweise keinerlei Basis, weshalb sie als Schritt zur Gegenwehr den Schritt in die Öffentlichkeit gewählt habe, weil der ihr unbekannte Empfängerkreis für sie anderweitig nicht zu erreichen sei. Dr. Richtberg ordnete die Rundmail als äußerst perfide ein, durch ein derart verbreitetes Gerücht bleibe immer etwas an der betroffenen Person - in diesem Fall an ihr - hängen, auch wenn an dem Gerücht überhaupt nichts dran sei. Die Bürgermeisterin äußerte, sie habe bislang immer gedacht, man könne in der Stadtverordnetenversammlung über alles reden. Deshalb sei es bedauerlich, dass sie jetzt in diesem Glauben erschüttert sei, auch wenn sie davon ausgehe, dass die meisten Mitglieder des politische Gremiums so denken würden wie sie.
Den Inhalt der Rundmail wies die Bürgermeisterin »auf das Schärfste zurück«, sie habe in dem Bereich, in dem ein Gewerbegebiet entstehen soll, keinerlei Land, das sie verkaufen könne. Auch der parteilose Stadtverordnete Franz Josef Preuß zeigte sich über die Rundmail sehr erzürnt und forderte die Bürgermeisterin auf »Ross und Reiter« zu nennen. Denn dieses Verhalten müsse in der Stadtverordnetenversammlung gerügt werden.
An dieser Stelle erklärte der SPD-Stadtverordnete Weidner, Versender der Mail zu sein. Er habe das Gerücht als ungeheuerlich eingeordnet und habe im Wege der Rundmail abklären wollen, ob da was dran sei. Der Aufforderung der Bürgermeisterin, seine Adressaten über den richtigen Sachverhalt aufzuklären, komme er gerne nach. SPD-Fraktionsvorsitzender Arndt Planz äußerte, ihm wäre ein anderer Rahmen, die Sache mit der Mail richtig zu stellen, lieber gewesen. Immerhin wende er für die ehrenamtliche kommunalpolitische Arbeit schön genügend Zeit auf. Dem hielten Stadtverordnetenvorsteher Udo Kornmann (CDU/FWG) sowie CDU/FWG-Fraktionsvorsitzender Gerhold Rausch entgegen, die Stadtverordnetenversammlung sei sehr wohl der geeignete Rahmen, der »ehrabschneiderischen Mail« entgegen zu treten.