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»Dörfer brauchen professionelles Marketing«

Artikel vom 16.01.2012 - 19.28 Uhr

»Dörfer brauchen professionelles Marketing«

Romrod/Vogelsbergkreis (ks). Bekommen ältere Menschen künftig noch einen Kredit? Was wird aus »Schrottimmobilien« auf dem Land? Werde ich mein Haus überhaupt los, wenn ich das möchte? Fragen, die sich mancher noch nicht zu stellen traut, die aber mit dem demografischen Wandel an Brisanz zunehmen.

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Um »Die Zukunft der Dörfer« ging es jetzt auch am Montag bei einer Tagung im Bürgerhaus von Romrod. (Fotos: ks)
Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit der Stiftung Schloss Ettersburg hat sich die »Zukunft der Dörfer« vorgenommen (die AZ berichtete mehrfach). Am Montag wurde das Thema bei einer Tagung im Bürgerhaus Romrod beleuchtet. Dabei wurde deutlich, dass die Probleme von vielen – nicht nur Bürgermeistern – als drängend empfunden werden. »Wir sind schon lange drin im demografischen Wandel« brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Eckart Drosse von der Stiftung Schloss Ettersberg nannte gerade die Frage der Immobilien eine ganz wichtige. Romrods Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg zeigte sich froh, dass sich Berlin-Institut und Stiftung das Thema der Dörfer vorgenommen haben Denn vor Ort erlebe man die Auswirkungen des demografischen Wandels derzeit schon genau:. »Und wir werden immer noch wie eine Wachstumsregion behandelt.« Richtberg äußerte die dringende Befürchtung, dass sich mit der Gesundschrumpfung »eine Verarmung« einschleichen könnte. Das könne man im Sinne der sozialen Verantwortung nicht hinnehmen. Aber sie machte auch Mut, noch habe man die Kraft, die Region zu stabilisieren.

Landrat Rudolf Marx nannte die Studie sehr wichtig. Damit komme man endlich weg vom gefühlten Demografieproblem und hin zu belastbaren Daten. Er nannte die ehrliche Information der Bürger »unverzichtbar«. Bürgerschaftliches Engagement solle stärker unterstützt und ausgebaut werden. Marx nannte beispielhafte Initiativen des Kreises wie etwa die Projektgruppe Demografie und den runden Tisch zur hausärztlichen Versorgung. Der ländliche Raum müsse darüber hinaus seine Lobbyarbeit verstärken und darauf drängen, dass andere Normen und Standards gelten. Marx: »Wir werden uns ganz sicher nicht abschreiben.«

»Wir sind mitten drin im demografischen Wandel«, sagte Steffen Saebisch, Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. Auch der Ministeriumsvertreter stellte in Frage, ob man sich den gegenwärtigen Regulierungsrahmen noch weiter leisten könne. Es komme aber auch nicht in Frage, den ländlichen Raum von der Entwicklung abzuhängen: »Landstriche dürfen nicht veröden.« Er verwies auf Maßnahmen der Landesregierung wie Dorferneuerung, Förderung der Breitbandversorgung, Vermittlung von Krediten für Ärztehäuser und Gesundheitszentren sowie Investitionen in Straßen. Alle das reiche aber nicht, »wir haben es mit einem Generationsprojekt zu tun.« Den Wandel dürfe man aber nicht erleiden, »man muss das Schicksal in die Hand nehmen.«

Prof. Dr. Dr. Wulf Bennert, wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Schloss Ettersburg, stellte anschließend ausgewählte Ergebnisse der Studie vor. So hätten die Dörfer heute ihre ursprüngliche Existenzberechtigung verloren, jetzt stelle sich die Frage nach ihrem Sinn. Die Probleme würden aber nicht alle Dörfer gleichzeitig betreffen. Auf die Frage, was für die Zukunft eines Dorfes wichtig ist, sind die Forscher auf folgende Punkte gekommen: Fahrzeit zum nächsten Oberzentrum, Größe des Ortes, baulicher Zustand der Häuser, lebendiges Vereinsleben. Die ermittelte Rangliste bei den Vogelsberger Dörfern unter 500 Einwohnern (die AZ berichtete am Montag) sei noch unscharf, sie gebe aber einen Trend wieder. Attraktivitätsfaktoren für das Leben im Dorf sind auch Arbeitsplätze in akzeptabler Nähe, Altersstruktur, Einwohnerentwicklung der vergangenen fünf Jahre, wenig Leerstand, Vereinstätigkeit, wenig Verkehrslärm, Breitbandversorgung, Erreichbarkeit von Schule und Kindergarten. Das Landleben hat auf jeden Fall etwas zu bieten, so Prof. Bennert. Als da wären Naturnähe, eigener Garten, Lärmfreiheit, kaum Kriminalität, soziale Bindungen, wenig Luftverschmutzung, gute Möglichkeiten der Haustierhaltung und wohnortnahes Parken. »Wir brauchen mal ein professionelles Marketing fürs Dorf,« forderte der Redner.



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Artikel vom 16.01.2012 - 19.28 Uhr
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