Romrod (bl). Gleich zum Auftakt der Ferienspiele trafen sich die Kinder der Ferienspiele bei der »Ritterschaft zu Rumerode« in den Auen bei Nieder-Breidenbach.
Beim Einarbeiten des Lehms in das Pfostenwerk mit den Haselnussruten erhielten die Ferienspielteilnehmer Unterstützung aus der Ritterschaft. (Foto: bl)
Zwar sollten die Spiele im Schlosshof mit dem Schlossfest stattfinden, was jedoch dann nicht möglich war, weil man das Schlossfest aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft vorverlegt hatte. Dies tat den Ferienspielen jedoch keinen Abbruch, denn die Kinder fühlten sich in der freien Natur genauso wohl wie in einem Schloss. Wichtig für sie war die Abwechslung, die ihnen von der »Ritterschaft zu Rumerode«geboten wurde. Diesmal ging es nicht um Ritterspiele, sondern um Geschick und Können im Handwerk aus der alten Zeit sowie »Hexereien«.
Nicht mit den Kämpfer der Ritter aus dem Mittelalter wurden in diesem Jahr die Kinder vertraut gemacht, sondern es wurde untere anderem gebaut. So wurde der Grundstein für eine Rundhütte in Lehmbauflechtweise errichtet, was allerdings auch kein Schloss für »Hermann von Rumerode« sein sollte. Das Material, der Lehm wurde von der gemeinnützigen Gesellschaft Neuen Arbeit Vogelsberg (Alsfeld) zur Verfügung gestellt. Baumeister war Christoph Speyer, der den Kindern die für sie unbekannte Bauweise näher brachte und auch beaufsichtigte, dass alles richtig gemacht wurde.
Zunächst musste das Pfostenwerk gestellt werden, bevor dies mit Haselnussruten verbunden wurde. Diese Konstruktion musste dann mit dem Gemisch aus Lehm, Stroh und Heu eingearbeitet werden. Während der Baustoff Lehm zur Verfügung gestellt wurde, mussten die Kinder das Heu und Stroh untermischen und richtig mit den Füßen einstampfen. Während die Jungen sogleich in den Matsch stampften, ihnen jedoch längerfristig noch die Ausdauer fehlte, war es bei den Mädchen anders: Zuerst scheuten sie sich in den Matsch zu treten, fanden dann jedoch Gefallen daran. Damit es auch mit dem Bau für »Hermann von Rumerode« voran ging, musste der Bauherr selbst mit Hand anlegen und das Lehmgemisch von dem Mischplatz zum Bauobjekt mit einem Helfer tragen. Außerdem half er, das Lehmgemisch in die Flechtkonstruktion einzuarbeiten.
Die Kinder waren zu dem Thema Mittelalter in verschiedene Gruppen eingeteilt. Im Laufe des Tages durchliefen sie alle Stationen, den Bau, die Weberei, die »Hexerei« den Damm- und Brückenbau sowie das Bogenschießen. Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit der Kunst des Webens an Webrahmen und auch an selbst hergestellten Webstühlen. Auch das Spinnen wurde nicht nur gezeigt, sondern wer Lust hatte, konnte sich daran selbst probieren. Der richtige Umgang mit den entsprechenden Gerätschaften sowie das richtige Weben, egal ob mit dem Webrahmen oder mit dem Webstuhl, wurde ihnen durch Gabriela Kynast und Carmen Speyer beigebracht. Sehr interessant dabei war auch zu sehen, dass sich Jungen für diese Arbeit in- teressierten und mit Eifer und Fleiß bei der Sache waren.
So richtig mit »Hexerei« hatten die verschiedenen Vorführungen des Alchimisten Frank Mehlich eigentlich nichts zu tun, aber es wurde immer wieder der Anschein geweckt. So wurden verschiedene Versuche vorgeführt, wobei unter anderem eine rote Flüssigkeit durch Beifügen eines Mittels (Pottasche) grün wurde und dann durch eine weitere Zutat sich wieder rötlich färbte. Auch wurde den Kindern gezeigt, wie man die Kupfermünzen mit »spanischem Gold« überziehen kann. Hätte Alchimisten Frank Mehlich dies im Mittelalter schon vorgeführt, wäre es sicherlich wegen Hexerei verurteilt worden.