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»Sprechen Sie Zeitzeugen an«

Artikel vom 14.02.2011 - 22.00 Uhr

»Sprechen Sie Zeitzeugen an«

Der Romröder Heimatverein befasst sich intensiver mit der jüdischen Geschichte der Region

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Ernst-Uwe Offhaus (rechts) und Joachim Legatis berichteten in der Alten Synagoge Romrod über Juden in Kestrich und den Judenpfad.
Romrod/Feldatal (jol). »Reden Sie mit den Zeitzeugen, solange das noch geht« - es mache Spaß, mehr über die Geschichte des eigenen Ortes zu erfahren: Mit einem eindringlichen Appell wandte sich Ernst-Uwe Offhaus an die Zuhörer in der Alten Synagoge Romrod. Er warb für die Erforschung der Geschichte von Juden in unserer Region, und dafür gaben er und Joachim Legatis vom Förderverein Jüdische Geschichte gleich einige Beispiele. So stellte Offhaus in seinem Vortrag die Geschichte der Familie Kapenberg vor, die er für sein Buch über Juden in Kestrich genauer erforscht hatte. Die ersten Mitglieder dieser Familie sind bereits im 19. Jahrhundert in dem Feldataler Ortsteil nachzuweisen, sie lebten vom Handel in den umliegenden Orten, wie es damals für Mitglieder der religiösen Minderheit üblich war. Erhalten sind Fotos von Kapenbergs aus dem 19. Jahrhundert und Fotos von denen, die wie Erna Kapenberg im 20. Jahrhundert vor den Nazis flüchten mussten. Ältere Kestricher erinnern sich noch an das Zusammenleben mit den jüdischen Nachbarn und Geschäftsleute, das, so Offhaus, weitgehend gut war. Man kannte sich, respektierte sich, kaufte voneinander und besuchte Feiern wie bei Beerdigungen. Die Darstellung Offhaus' wurde unterstrichen durch Interviews mit Seniorinnen aus Kestrich in einem Film des Fördervereins von 2004. Dort wurde auf das reibungslose Zusammenleben im Ort verwiesen, so saßen einst die Kinder am Shabbat Matze-kauend vor der Synagoge und manche lauschten dem Gesang beim jüdischen Gottesdienst. Das endete 1933, »in Kestrich gab es viele Nazis«, wie eine Ortsbewohnerin sagte. 1938 wurde die Synagoge verwüstet, das Mobiliar verbrannt. 1942 sind die letzten drei betagten Juden in ein Konzentrationslager gebracht worden. Im vergangenen Jahr hat die Tochter von Erna Kapenberg, Naomi Monter, Kestrich besucht und mit großem Interesse das Haus ihrer Mutter besichtigen können.

Einem anderen Aspekt der historischen Forschung widmete sich Joachim Legatis, der für das Dezentrale Museum Judenpfad warb. Im Moment laufen Vorbereitungen für diese Ausstellung am Rand eines Wanderwegs von Ulrichstein über Kestrich, Romrod und Alsfeld nach Kirtorf. Ein Abstecher nach Storndorf ist ebenfalls in Vorbereitung. Der Wanderweg wird mit Info-Tafeln zur jüdischen Historie des Vogelsbergs bestückt, sodass die Wanderer im Vorbeigehen einen besonderen Aspekt der hiesigen Kulturgeschichte erkunden. Der Judenpfad führt an ehemaligen Synagogen (Kestrich, Romrod), alten Friedhöfen (Ulrichstein, Angenrod, Storndorf) und Museen mit jüdischen Abteilungen (Alsfeld, Kirtorf) vorbei. Dadurch wird es zur Aufwertung dieser an sich kleinen Sehenswürdigkeiten kommen, so Legatis. In Kombination mit der herrlichen Landschaft im Vogelsberg kann da ein Anziehungspunkt für Erholungssuchende aus dem Rhein-Main-Gebiet entstehen.

Die beiden Vorträge sind Teil einer Veranstaltungsreihe des Heimat- und Kulturvereins Romrod, worauf zur Begrüßung Bernd Rausch hingewiesen hatte. Eleonore Hansel steuerte eine traditionelle jüdische Süßigkeit bei, Erwin Norwig betreute die Technik. Nächster Vortrag ist am 24. Februar, dann berichtete Albert Naumann (Kirtorf) über Aufarbeitung der Vergangenheit. (pm)

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Artikel vom 14.02.2011 - 22.00 Uhr
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