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Zwei Kerzenhalter zum Sabbat

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Artikel vom 25.09.2014 - 15.03 Uhr

Zwei Kerzenhalter zum Sabbat

Romrod (pm). Am Samstag haben die Mitglieder des Heimat- und Kulturvereines auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Die Neuwahl war notwendig geworden, weil sich der Vorsitzende sein Stellvertreter im Frühjahr zurück gezogen hatten.

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Ein ganz besonderes Geschenk machte Carla Gordon-Weil, eine Enkelin der früheren Romröder jüdischen Familie Lorsch (Mitte), dem Heimat- und Kulturverein, nämlich zwei Kerzenhalter ihrer aus Romrod stammenden Mutter Johanna Lorsch. (Foto: pm)
© Red
Im Bürgerhaus begrüßte Interimsvorsitzende Brigitte Geißler die Mitglieder, und in ihrem Bericht ging sie auf die seit dem Frühjahr geführten Gespräche ein und stellte die zur Wahl stehenden Vorstandsmitglieder vor. Nach dem Bericht des Schatzmeisters, dessen Funktion sie ebenfalls kurzfristig übernehmen musste, und der Aussprache wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Bürgermeisterin Dr. Richtberg, die dem Vorstand ebenfalls angehört, dankte Brigitte Geißler dafür, dass sie, ohne darauf vorbereitet gewesen zu sein, im Frühjahr die Führung des Vereins übernommen hatte, um den Übergang zu organisieren.

Bei der anschließenden Vorstellung des Konzepts für die weitere Arbeit des Vereins ging der zur Wahl des Vorsitzenden vorgeschlagene Horst Blaschko auf die Leitgedanken und Themen ein, die diskutiert wurden. Die Vielfalt der heutigen Lebens- und Erfahrungswelten auch in kleinen Orten aufnehmen und sichtbar machen, dabei Gegensätze zulassen und Möglichkeiten für Gemeinsames zu schaffen – dies möchte man auch künftig in den Aktivitäten des Vereins zum Ausdruck bringen. Mögliche Themen sollen Bezüge zur Orts- und Regionalgeschichtliche, zum Wandel der Arbeits- und Lebenswelt, zur Zukunft von Ort und Region haben. Kunst und Musik als wichtige kulturelle Ausdrucksformen darzustellen und zu betreiben, sollen weiterhin wichtige Standbeine des Vereinsaktivitäten sein. Darüber hinaus möchte man die thematische Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Initiativen suchen.

Als konkrete Aktivitäten wird es am Donnerstag, dem 30. Oktober im Bürgerhaus eine Filmpremiere von »Rumerode« - mit dem Rad rund um Romrod, von Wolfgang Kaschub, geben, und für den November wird eine Kunstausstellung mit Malerei von Britta Jacobi vorbereitet. Im nächsten Jahr soll die Backhaus-Gruppe verstärkt werden mit dem Ziel, im Herbst ein Fest rund um das Thema »Backen im Backhaus« zu veranstalten. Weil sich 2015 zum 70. Mal das Ende des 2. Weltkrieges jährt, ist angedacht, ein Erzählcafe oder ähnliches zum Thema »Wie haben Kinder und Jugendliche das Ende des 2. Weltkrieges erlebt« durchzuführen. Auch die Geschichte der letzten jüdischen Familien in Romrod, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts aus Romrod geflohen sind, soll ermittelt und öffentlich zugänglich dokumentiert werden.

Bei den Vorstandswahlen wurde Horst Blaschko zum Vorsitzenden gewählt. Als stellvertretenden Vorsitzenden wählten die Mitglieder Knut Petersen, das Amt der Schatzmeisterin übernimmt künftig Brigitte Geißler und das der Schriftführerin Ingrid Nitsch. Als Beisitzer wurden Karl-Heinz Geißler, Werner Hofmann, Erwin Nowotka und Bernd Rausch gewählt.

Im Anschluss an die Versammlung berichtete Carla Gordon-Weil, eine Enkelin der früheren Romröder jüdischen Familie Lorsch, über ihre Familie und ihre Eindrücke von ihren Besuchen in Romrod. Carla Gordon-Weil, die in Quincy, Illinois, in den USA lebt, überreichte außerdem einen Brief und ein Geschenk der Bürgermeisterin von
Quincy an die Romröder Bürgermeisterin
Dr. Birgit Richtberg. Ein ganz besonderes Geschenk machte sie dem Heimat- und Kulturverein, nämlich zwei Kerzenhalter ihrer aus Romrod stammenden Mutter Johanna Lorsch, welche traditionell am Freitagabend zu Beginn des Sabbat entzündet wurden. Sie sollen gemeinsam mit einer Kippa, der traditionellen Kopfbedeckung beim Betreten einer Synagoge und einem Gebetsschal ihres Sohnes, den sie bereits 2011 bei einem Besuch mit ihren Kindern in Romrod mitbrachte, als Grundstock für die Dokumentation der Geschichte der Romröder jüdischen Familien dienen.

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Artikel vom 25.09.2014 - 15.03 Uhr
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