Erwin Horst verabschiedet - nun Ehrenbürgermeister
Ulrichstein (au). Er galt als Mensch mit Ecken und Kanten, treibende Karft für städtische Windkraft und tatkräftiger Bürgermeister: Am Freitag wurde Erwin Horst verabschiedet und zum Ehrenbürgermeister Ulrichsteins ernannt.
Erwin Horst (2. von links) bei der Ernennung zum Ehrenbürgermeister mit Ehefrau Ursula sowie Vorsteher Heiko Müller (links) und Amtsnachfolger Edwin Schneider. (Fotos: au)
Ulrichstein (au). »Wer sich auch nur ein wenig mit dem Werdegang der Stadt Ulrichstein in den vergangenen 27 Jahren befasst, stellt rasch fest, dass der Name Erwin Horst untrennbar damit verbunden ist«, betonte Bürgermeister Edwin Schneider gestern Abend bei der offiziellen Verabschiedung von Erwin Horst und dessen Ernennung zum Ehrenbürgermeister. Über 220 Gäste, darunter
1. Kreisbeigeordneter Manfred Görig, hatten sich in der Stadthalle eingefunden und gaben der Veranstaltung einen würdigen Rahmen.
Mit Horst zeichne man eine Persönlichkeit aus, deren vielfältiges Wirken zum Wohle der Allgemeinheit immer fest im Boden seiner Wahlheimat wurzelte, sagte Bürgermeister Schneider. Er habe sich durch nüchternes Denken und entschlossenes Handeln hervorgehoben. Schneider erinnerte an die Arbeiten, die vor Erwin Horst bei Amtsantritt lagen: In Unter-Seibertenrod mussten die Bachmauern und die Straßen erneuert werden. Es gab noch keine Kläranlage in der Gemeinde. Mit Tatkraft und Umsicht sei es ihm gelungen, eine moderne Gemeinde zu entwickeln. Ein Beispiel sei der erste kommunalen Windpark in Deutschland, der in 1996 eröffnet wurde. Weitere folgten 1997 und 2000. Horst habe damals die Zeichen der Zeit erkannt, auf erneuerbare Energien gesetzt und erhebliche Einnahmen für die Stadt erwirtschaftet. Acht Kläranlagen entstanden binnen zehn Jahren und jedes Dorf habe ein Neubaugebiet erhalten. Hinzu kommen Feuerwehrstützpunkt, Innovationszentrum, Rathaus, Friedhofshallen, Museum im Vorwerk, Vogelsberggarten, Badebiotop und Wohnmobilstellplatz. Die Bürger hätten den unermüdlichen Einsatz gewürdigt, indem sie ihm bei fünf Wahlen das Vertrauen als parteiloser Bürgermeister aussprachen.
Miit der Verleihung der Bezeichnung »Ehrenbürgermeister« an Erwin Horst setzen wir heute ein Zeichen. Wir machen deutlich, wen und was unsere Stadt schätzt«, sagte Stadtverordnetenvorsteher Heiko Müller. Bürgernähe sei für Horst ein zentrales Anliegen gewesen und er habe dies all die Jahre durchgezogen. Deshalb wusste er stets genau, was Sache ist, wo den Bürgern der Schuh drückt und wo anzusetzen sei, um negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. »An der Entwicklung dieser Stadt lässt sich jedoch auch deutlich machen, wie viel davon abhängt, was ein Bürgermeister anstößt«, so Müller.
Endlose Besprechungen habe Erwin Horst durchgestanden und versucht, jede Chance zu nutzen um etwas für die Stadt zu erzielen. »Er hat die ihm übertragenen Aufgaben und die damit verbundenen Verpflichtungen immer Ernst, manchmal vielleicht auch zu persönlich genommen. Meistens sehr bestimmend, eher einmal weniger kompromissbereit und oft sehr betroffen davon, dass die Ulrichsteiner Politik nicht immer diskussionslos seinen Vorgaben folgen wollte«, meinte der Stadtverordnetenvorsteher. Die Fraktionen waren stets zu einer guten Zusammenarbeit mit Erwin Horst bereit. Dieser war »durchaus auch manchmal bereit, Alleingänge zu wagen; was aber eher einer gewissen Ungeduld und seinem Tatendrang zuzuschreiben war« so Müller.
»Über 25 Jahre Bürgermeister in einer Gemeinde prägt eine ganze Generation«, betonte 1. Kreisbeigeordneter Manfred Görig. Das sei heute die Seltenheit. Görig hob hervor, dass Horst bereits vor der jetzt aktuellen Energiewende sich für erneuerbare Energie eingesetzt und Pionierarbeit geleistet habe. Dies sei nicht immer einfach gewesen, denn er habe Wege beschritten, die vor ihm noch keiner gegangen sei. Gerade mit dem Vogelsbergkreis und besonders mit Landrat Rudolf Marx sei die Diskussion oftmals problematisch gewesen. Als Präsent überreichte Görig den Bausatz einer Enercon 82, der auch für den solaren Einsatz geeignet ist.