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Langstreckenläufer Charly lief sich wieder frei

Artikel vom 27.07.2010 - 19.05 Uhr

Langstreckenläufer Charly lief sich wieder frei

Mücke/Ulrichstein (rs). »Da passiert schon nichts. Da denk’ ich nicht dran.« – Bei allem, was der laufende und Spenden für Srebrenica (Bosnien) sammelnde Friseurmeister sagt und wie er sich bewegt, sind Optimismus und Tatkraft sichtbar.
In Höhe von Mücke-Wettsaasen bestand noch Hoffnung, dass der Regen beim Lauf aufhören könnte. Aber er blieb den Läufern (von lin
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In Höhe von Mücke-Wettsaasen bestand noch Hoffnung, dass der Regen beim Lauf aufhören könnte. Aber er blieb den Läufern (von links) Spendensammler Carly Weiper und den drei Ulrichsteiner Stadtverordneten Horst Frank, Walter Frank und Norman Möller bis ins Ziel treu.
Diese Eigenschaften sind wohl unverzichtbar für das Bewältigen von 1746 Kilometern in 57 Tagen von Nordrhein-Westfalen über die Alpen auf den Balkan. Am Montag und Dienstag durchquerte Karl-Heinz »Charly« Weiper den Vogelsbergkreis von Mücke über Ulrichstein nach Freiensteinau (die AZ berichtete), und nach der Hitze in der Vorwoche bekamen der Spendensammler und seine Mitläufer das krasse Gegenteil zu spüren: Es regnete bei 15 Grad meist, was den Schlussanstieg nach Ulrichstein noch anstrengender machte. Aber es ging bis ins Ziel alles gut, denn wie lautet das Motto? – »Da passiert schon nichts.«

Nach der Dusche in der Ulrichsteiner Stadthalle sind die Strapazen der 375 Höhenmeter auf der 17 Kilometer langen Strecke rasch vergessen. Im Foyer der Verwaltung liegen Obst und kräftigende Müsliriegel parat, der Mineralwasserhersteller Förstina hat sechs Kisten gestiftet, man kann Apfelsaft dazumischen. Erster Stadtrat Werner Funk, Ortsvorsteher Manfred Feineis und Andreas Rüb von der Stadtverwaltung haben den Empfang organisiert und lassen sich von dem stets gut gelaunten Charly Weiper über das Projekt »Zurück ins Leben« informieren.

Mit dem Spendenlauf durch fünf Länder von Havixbeck (15 Kilometer westlich von Münster, Landkreis Coesfeld) nach Srebrenica soll das humanitär-therapeutische Hilfsprojekt »Zurück ins Leben« des Vereins »Unterstützung Osteuropa« unterstützt werden. Konkret geht es um die Einrichtung eines Therapiezentrums in Bratunac (zehn Kilometer nördlich von Srebrenica). Das Projekt kümmert sich um die Frauen und Familien im Raum Srebrenica, die nach den Folterungen und Massenhinrichtungen im Juli 1995 nicht nur Angehörige, sondern auch Lebensmut und Zukunftsperspektiven verloren haben und noch heute traumatisiert sind.

»Nur einige 100 Kilometer vor unserer Tür findet großes Elend statt, und wir nehmen es nicht mehr wahr. Mit dem Charity-Lauf soll unsere Solidarität mit den Überlebenden in Bosnien-Herzegowina sichtbar gemacht werden. Er soll dem Vergessen entgegen wirken und Aufmerksamkeit schaffen«, so der 1954 geborene Friseurunternehmer aus dem Münsterland.

Aufmerksamkeit schaffen, das ist mittlerweile der Schwerpunkt seines Anliegens geworden, erläuterte Charly Weiper beim Lauf am Montagnachmittag von Nieder-Ohmen nach Ulrichstein. Allerdings fällt dieses Ansinnen auf der völlig verregneten Etappe schwer, denn bei dem Wetter ist in den durchlaufenen Ortschaften kaum jemand auf der Straße, oder – wie es einer der drei mitlaufenden Ulrichsteiner Stadtverordneten ausdrückte: »Die Leute haben Angst, die Kissen in den Fenstern werden nass.« Mit zehn Euro unterstützt jeder Mitläufer das Projekt, erhält dafür eine Startnummer und einen Anstecker. Es wurden so viele Startnummern vorbereitet, wie es Opfer in Srebrenica zu beklagen gab (8372), die Nummer 8372 trägt Charly Weiper selbst. Bislang waren es knapp 450 Mitläufer, wenn man mal den Starttag in Havixbeck außen vor lässt, denn alleine dort hatten sich über 300 Menschen dem stadtbekannten Frisurmeister auf der ersten Etappe angeschlossen. Mittlerweile ist sich Charly Weiper sicher, dass es weniger auf die Startgelder ankommt (acht bis zehn Mitläufer je Etappe im Schnitt) als vielmehr auf die Aufmerksamkeit allgemein und die daraus resultierenden Spenden.



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Artikel vom 27.07.2010 - 19.05 Uhr
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