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07.07.2009 - 19.54 Uhr
Marx lehnt neue Windräder bei Ulrichstein ab
Ulrichstein/Vogelsbergkreis (pm/ks). Landrat Rudolf Marx (CDU) lehnt die beantragte Errichtung von drei weiteren Windenergieanlagen bei Ulrichstein »aus Gründen des Landschaftsschutzes« ab. Weil die Errichtung solcher Anlagen im erwünschten Gebiet in der Nähe des Ulrichsteiner Kreuzes im Raumordnungsplan nicht vorgesehen sind, können sie nur gebaut werden, wenn die Regionale Planungsversammlung einem Abweichungsantrag der Stadt zustimmt.
Marx geht davon aus, dass die Planungsversammlung die Naturschutzziele »als hoch einordnet«. Ulrichsteins Bürgermeister Erwin Horst verweist dagegen auf die vorliegenden Gutachten, wonach die Standorte nicht zu bestanden seien. Zudem stehe auf den fraglichen Flächen nach den Windwürfen »Emma« und »Kyrill« schon seit Jahren kein Baum mehr.
Im Abweichungsverfahren wird der Vogelsbergkreis angehört und um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort teilte Landrat Marx dem Regierungspräsidenten vor wenigen Tagen mit. Sie lautet: Nein. Einer weiteren Belastung des Landschaftsbildes könne der Kreis nicht zustimmen. In einem Schreiben an den Regierungspräsidenten Dr. Lars Witteck unterstreicht Marx, dass die drei neuen Anlagen mit 179 Metern Höhe mitten im Wald »die Landschaftskontur völlig überlagern würden«.
Zudem seien bereits jetzt über 50 Anlagen in der Nähe von Ulrichstein in Betrieb. Dies habe das Landschaftsbild des Hohen Vogelsberg bereits »nachhaltig beschädigt«, bedauert Marx, der sich auch als Vorsitzender des Naturparks Hoher Vogelsberg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Naturparke an den RP wendet. Insbesondere im Gebiet der Stadt Ulrichstein seien die Windenergieanlagen (WEA) inzwischen landschaftsprägend. »Eine weitere Ausweitung dieses Zustands kann nicht hingenommen werden. Dem Schutz des Naturraums ist Priorität einzuräumen«. Hinzu komme, dass sich die drei Anlagen mitten im Wald befinden würden, was die Landschaftskonturierung - auch durch die geforderte Beleuchtung und Markierung - zusätzlich deutlich stören würde. Die Anlagen würden eine Gesamthöhe von fast 180 Metern haben (138 Meter Nabenhöhe plus 41 Meter Rotorradius). Die natürliche Silhouette des Waldes werde »unterbrochen«.
Der Vogelsbergkreis vertrete die Auffassung, dass insbesondere Waldflächen, die der Naherholung dienen, von raumbedeutsamen Vorhaben frei zu halten sind.
Im Gegensatz dazu verweist Ulrichsteins Bürgermeister Horst darauf, dass das Land prüft, ob Waldflächen künftig für Windkraftanlagen als Standorte besser geeignet sind wegen des meist höheren Abstands zu einer Wohnbebauung. Die geplanten Anlagen (zwei nahe Helpershain und eine am Ulrichsteiner Kreuz) stünden zudem »auf reinen Schadflächen, da steht schon seit Jahren kein Baum mehr.« Es werde deshalb auch keine Schneise für den Bau der Anlagen geschlagen werden müssen. Zudem müsse sich der staatseigene Betrieb Hessen-Forst über die Anlagen freuen, würden doch kräftige Gestattungsgebühren erhoben. In Ulrichstein sei in den vergangenen acht Jahren keine neue Windkraftanlage mehr gebaut worden.