Ulrichstein (jol). Bürgermeister sein ist nicht leicht, da ist es schon eine Besonderheit, wenn er es auf ein rundes Vierteljahrhundert im Amt bringt. So geschehen Ulrichsteins Stadtoberhaupt Erwin Horst, dem am Freitag in einer Feierstunde im Rathaus für Durchsetzungskraft und Engagement über 25 Jahre hinweg gratuliert wurde.
Urkunde vom Städtetag: Direktor Schelzke (li) lobte Horsts Tatkraft.
Nachbarbürgermeister und das öffentliche Ulrichstein überbrachten Grüße, wobei stets Respekt für die Leistung und das politische Geschick Horsts anklang. Für die Laudatio kämpfte sich der Direktor des Städte- und Gemeindebundes, Karl Christian Schelzke, durch heftigen Schneefall in den Vogelsberg. Stadtverordnetenvorsteher Heiko Müller erinnerte daran, dass Horst stets mit der Zeit gegangen sei und manchmal war er ungeduldig - dessen Dynamik war denn auch ein durchgängiges Thema der Ansprachen.
Der Entscheidungsmut des Bürgermeisters hat fünf neue oder erweiterte Gemeinschaftshäuser gebracht, das neue Rathaus mit Seminarhaus, Baugrundstücke in allen Ortsteilen, Schwimmbiotop und Ohmtal-Radweg. Er war ein Pionier bei der Errichtung von Windparks, wie Müller hervorhob. Dadurch wurde die Stadt finanziell viel leistungsfähiger. Müller lobte Sachkenntnis und Durchsetzungsvermögen, Horst sei »oft betroffen« gewesen, wenn die Stadtverordneten seinen Vorschlägen nicht diskussionslos folgten. Dabei war er ein Bürgermeister um Anfassen, der sich um nahezu jeden Bürger und alle Vereine kümmert. Er habe für 25 Jahre kommunalpolitischen Frieden gesorgt.
Karl Christian Schelzke verwies darauf, dass Bürgermeister sein ein schwieriges Amt sei, weil man viel von dem Amtsinhaber erwarte. Gleichzeitig gebe es kaum Spielraum für freiwillige Leistungen und Gebührenerhöhungen sind unvermeidbar. Dann komme Kritik an den hohen Zahlungen auf, was dazu führt, dass »der Lokaldemokratie die Akteure ausgehen«. Die Basis der Demokratie vor Ort sei bedroht, wenn es kaum noch etwas zu entscheiden gibt. Diese Sorge tragen die Bürgermeister nach Wiesbaden, auch mit Blick auf die drohende Kürzung bei kommunalen Finanzausgleich. Schelzke gefiel es, dass »Sie Vorkämpfer für Windkraft sind«. Man werde verstärkt auf regenerative Energien setzen müssen, um vom Öl weg zu kommen. Wenn ein Bürgermeister nur auf Zustimmung stößt, hat er etwas falsch gemacht - er braucht Profil. Er muss auch schlechte Nachrichten überbringen können, das honorieren die Bürger, so Schelzke.
Heiko Stock, Horsts Kollege aus Lautertal, verwies darauf, das dieser ein engagierter Bürgermeister ist, der Konfrontation nicht scheute. Er sei immer bestrebt, aus den eigenen Möglichkeiten vor Ort das beste zu machen. So setzte er auf eigene Einnahmen aus der Windkraft. Darauf könne man in Ulrichstein mit Stolz zurückblicken. Horst habe sich stark für die Region eingesetzt, manche Resolution für die hiesigen Bürgermeister erreicht. Stock freute sich über harmonische Zusammenarbeit mit dem Nachbar-Bürgermeister. Und pries schmunzelnd die legendäre Ansprachen zum Jakobimarkt.
Pfarrer Manfred Hofmann erinnerte auch an die jüngste Rebellion in der Stadt. In den 25 Jahren gab es immer wieder Auseinandersetzungen mit Politikern und dem Pfarrer, dazu Reibereien mit übergeordneten Behörden. Aber es gab auch »Freude am Amt«, sonst hätte Horst längst die Position aufgegeben. Bürgermeister und Abgeordnete haben sich in den 25 Jahre aneinander gewöhnt wie ein altes Ehepaar. Er wünschte ihm Glück und dass Verständnis für Andere.