Vier Gleise für die S6: Millionen-Projekt mit vielen Fragenzeichen
Sind mit vielen Fragen an die Planer der Bahn gekommen: die knapp 200 Zuhörer im Nieder-Wöllstädter Bürgerhaus. (Fotos: hed)
Die sowieso schon durch den Straßenverkehr geplagten Wöllstädter haben auch Angst, nachts gar nicht mehr schlafen zu können: Zahlreiche Bürger mutmaßten, der S-Bahn-Ausbau sei nur vorgeschoben - in Wirklichkeit werde so die Infrastruktur für den Güterverkehr geschaffen. »Wir bauen für den Nahverkehr aus. Dafür gibt der Bund das Geld«, betonte Diel immer wieder. Nur weil vier Gleise gebaut würden, verdopple sich nicht automatisch der Verkehr. »Zwischen Friedberg und Kassel ist es schließlich weiter nur zweigleisig.« Gleichwohl musste Diel einräumen, dass auf Grundlage der für 2015 prognostizierten Zahlen aus dem Bundesverkehrswegeplan davon auszugehen sei, dass sich der Güterverkehr nach dem Ausbau mehr in die Nachtstunden verlagert. Nicht wenige Besucher befürchteten allerdings, die genannten Zahlen (mit 307 Zügen täglich) seien schon zu niedrig angesetzt.
Mehr Schallschutz wegen Nachtfahrten
Durch die vermehrten Nachtfahrten muss die Bahn allerdings auch mehr für aktiven und passiven Schallschutz ausgeben: Man plane mit einer westlichen, bis zu vier Meter hohen Wand und einer bis zu drei Meter hohen Mittelwand zwischen den Gleisen. In östlicher Lage, wo später nur die S-Bahn fahre, brauche man keinen Lärmschutz, sagte Gutachterin Kaiser vom Ingenieurbüro Fritz. Grundlage seien am Computer berechnete Werte, wobei man immer vom »worst case« ausgehe. »Die berechneten Werte sind meist höher als die später gemessenen.« Befürchtungen, die Schallschutzwände könnten als »Reflektoren« den Lärm gar noch verstärken, wies sie zurück. »Die Wände sind Schall-absorbierend.« Durch »besohlte Schwellen« sollen zudem Erschütterungen minimiert werden.
Um die Vorgaben einzuhalten, haben zahlreiche Anwohner ein Recht auf passiven Schallschutz. In 177 Nieder-Wöllstädter Wohneinheiten muss die Bahn Extrakosten für Schallschutzfenster und Schlafzimmer-Belüftungsanlagen ausgleichen. Insgesamt aber werde es durch die Maßnahmen in ganz Wöllstadt leiser, sagte Kaiser - zumal es bisher überhaupt keinen Schallschutz gibt.
»Und der kommt auch nur, wenn gebaut wird«, ergänzte Götz. In der Gemeinde sehe man den Plänen daher zwiegespalten entgegen. Einerseits sei es eine Entlastung für den ÖPNV, andererseits könne niemand genau sagen, wie viele Züge später auf der Strecke fahren. Generell habe die Bahn die Bürger zu spät am Verfahren beteiligt, meint Götz.