Vier Gleise für die S6: Millionen-Projekt mit vielen Fragenzeichen
Wöllstadt (hed). Erstmals hat die Bahn den geplanten viergleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Bad Vilbel und Friedberg den Wetterauern öffentlich vorgestellt. Vor 200 Zuhörern im Nieder-Wöllstädter Bürgerhaus berichteten die zuständigen Planer der DB Projekt-Bau GmbH über das Millionen-Projekt - hinter dem noch viele Fragenzeichen stehen, wie bei der dreistündigen Bürgerversammlung deutlich wurde.
Auch der Nieder-Wöllstädter Bahnhof müsste für die vier S-Bahn-Gleise erweitert werden.
Die Fakten: Damit sich ICE, S-Bahnen, Güterzüge und Regionalbahnen auf der Main-Weser-Bahn nicht mehr gegenseitig behindern, soll die aus diesem Grund nicht gerade für ihre Pünktlichkeit bekannte S 6-Strecke zwischen Frankfurt und Friedberg in zwei Baustufen viergleisig ausgebaut werden - Abschnitt zwei zwischen Bad Vilbel und Friedberg auf einer Länge von 16,875 Kilometern. Allein für den müssen 18 Bahn-, Straßen-, Geh- oder Radwegüberführungen neu gebaut, sechs Brücken erweitert werden. Die Bahnhöfe in Dortelweil, Groß-Karben, Okarben, Nieder-Wöllstadt, Bruchenbrücken und Friedberg sind zu erweitern und barrierefrei umzugestalten. Vier Jahre soll die Bauzeit betragen - bei laufendem Betrieb. Schon Ende 2016 sollen laut Bahn-Zeitplan die ersten Züge auf der Strecke fahren.
An diesen Zahlen hängt ein Güterzug-langer Rattenschwanz an Fragen, die sich nicht nur die Anwohner der Bahnstrecke stellen: »Wie sieht es aus mit der Lärmbelästigung«, »Werden dann mehr Züge fahren?«, »Was passiert mit den Grundstücken, die direkt an der neuen Strecke liegen?«
Klaus Diel von der DB Netz AG, Norbert Wolf und Marko Asseng von der DB Projekt-Bau GmbH sowie Heike Kaiser vom für den Lärmschutz zuständigen Ingenieurbüro Fritz hatten die nicht immer dankbare Aufgabe, den Wöllstädtern das Projekt schmackhaft zu machen. Hauptvorteil aus Sicht der Bahn: In den Stoßzeiten soll die S 6 künftig im 15-Minuten-Takt zwischen Frankfurt und Friedberg verkehren. Wie die Planer berichteten, ist das seit 2007 vorbereitete Planfeststellungsverfahren im Juni dieses Jahres eingeleitet worden. Mit der Offenlegung rechne man zwischen Herbst- und Winterferien, sagte Wolf. Anlieger haben dann vier Wochen Zeit, ihre Einwände gegen das Projekt einzubringen.
»Ein Haus muss wohl weg«
Ein Dutzend Klagen laufen bereits gegen den Ausbau der Bahntrasse Frankfurt-West bis Bad Vilbel, trotzdem sind die Planer optimistisch: »Wir rechnen 2012 mit dem Baubeginn«, sagte Diel. Bis es soweit ist, müssen grundlegende Fragen geklärt werden. »In Wöllstadt gibt es drei bis vier Grundstücke, die massiv betroffen wären. Ein Haus muss wahrscheinlich sogar ganz weg«, sagte Bürgermeister Alfons Götz am Rande der Versammlung. Die Bahn führe bereits Gespräche mit den Betroffenen, denen Entschädigungszahlungen angeboten würden. Sollte es aber zu keiner Einigung kommen, können auch Enteignungsverfahren in Gang gesetzt werden.
»Ziel der Planung war es, einerseits die Wirtschaftlichkeit zu wahren, andererseits die persönlichen Betroffenheiten möglichst gering zu halten«, sagte DB-Planer Asseng. Vereinzelte Einschnitte in Privateigentum ließen sich eben nicht verhindern. »Unser Haus ist dann nix mehr wert«, klagte eine ältere Dame hilflos. »Du wirst sowieso nur belogen«, rief ein anderer in den Saal.