Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Lokales » Übersicht »

Strenge Einlasskontrollen und Bändchen gegen Koma-Saufen

Artikel vom 02.02.2012 - 18.34 Uhr

Strenge Einlasskontrollen und Bändchen gegen Koma-Saufen

Vogelsbergkreis (az). 55 Jugendliche wurden 2010 mit zuviel Alkohol im Blut im Krankenhaus behandelt - dagegen machte der Vogelsbergkreis mobil. Disco-Abende sollen Spaß machen und nicht den Absturz bringen.

A_Saufen_Baendchen_310112_4c_1
Lupe - Artikelbild vergrössern
Das Alter der Besucher bei einem Fest kann mit einer Art »Ampelsystem« kenntlich gemacht werden. So ist am Ausschank erkennbar, wem Alkohol verkauft werden darf, und die Ordner wissen, wer nach 24 Uhr die Feier verlassen muss: Rote Bändchen sollten sich nach 24 Uhr nicht mehr sehen lassen, grün ist erlaubt. (Fotos: az)
Vogelsbergkreis (az). »Hart am Limit« befinden sich die jungen Leute, die nach Parties oder Discobesuchen mit deutlich erhöhtem Alkoholpegel ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Im Jahr 2010 waren das in Hessen insgesamt 1690 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Land und Kommunen reagierten. Nach der Initiative »Anders feiern« wird nun das Programm »HaLT – Hart am Limit« unter der Schirmherrschaft von Hessens Sozialminister Stefan Grüttner umgesetzt. Dafür werden seit April 2011 Kooperationspartner im Vogelsbergkreis gesucht. Die Jugend- und Drogenberatung schafft gemeinsam mit dem Gesundheitsamt ein Netzwerk, damit Krankenhäuser, Schulen und Suchtberatungsstellen das Programm umsetzen können.

Es sei noch kein Rückgang des »komatösen Rauschtrinkens« erkennbar. Das Programm »HaLT« befinde sich noch in der Entwicklungsphase, so Renate Meudt, die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Aufgegliedert ist das Programm in einen präventiven Teil, der Aufklärungsgespräche mit Kirmesveranstaltern und Schulen beinhaltet. Außerdem wird demnächst eine Karte mit dem Slogan »Trau dich... Nur Flaschen sind voll..« herausgegeben. Der zweite Teil beinhaltet die Arbeit mit Jugendlichen, die im Vollrausch in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Im Sommer vergangenen Jahres wurden Mitarbeiter der Notaufnahmen geschult, wie sie die jungen Patienten in der sogenannten »sensiblen Phase« nach dem Aufwachen am besten auf das Programm ansprechen. In diesen »Brückengesprächen« sollen die »Komasäufer« über die Arbeit der Jugend- und Drogenberatungsstellen informiert und in Gesprächsgruppen vermittelt werden. Auch für betroffene Eltern sind solche Gruppenveranstaltungen vorgesehen.

»Bei den meisten ist das eine einmalige Geschichte«, sagt Wolfgang Weiser von der Jugend- und Drogenberatung im Vogelsberg. Die oberste Priorität von »HaLT« bleibt, eine dauerhafte Alkoholabhängigkeit zu verhindern.

Auf die gesundheitlichen Folgen von übermäßigem Alkoholgenuss macht auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) aufmerksam. Zum dritten Mal ruft die Krankenkasse zum Plakatwettbewerb »bunt statt blau« auf. Bis 31. März können Jugendliche ihre kreativen Ideen einreichen. »Im Kampf gegen das Komasaufen sind Jugendliche selbst die glaubwürdigsten Botschafter«, heißt es seitens der DAK. Im Jahr 2010 mussten 55 Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren im Vogelsbergkreis stationär wegen übermäßigen Alkoholkonsums behandelt werden. Die Krankenkasse stützt sich bei ihren Angaben auf Zahlen des Statistischen Landesamtesn. Es handelt sich dabei um eine Auswertung, die sich auf den Wohnort der Patienten bezieht und nicht auf das behandelnde Krankenhaus.

Die Situation im Vogelsbergkreis hat sich nach Einführung der Kampagne »Anders feiern« entschärft. Landrat Rudolf Marx hatte 2010 in Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern und der Polizei die neuen Auflagen für Disco- und Kirmesveranstalter vorgestellt. Zunächst wurde die Sperrstunden auf 3 Uhr festgelegt. Das Alter der Besucher wird mit einer Art »Ampelsystem« kenntliche gemacht. So ist am Ausschank erkennbar, wem Alkohol verkauft werden darf, und die Ordner wissen, wer nach 24 Uhr die Feier verlassen muss. Drittens haben die Veranstalter die Auflage bekommen, dass in der Regel ein Ordner pro 100 Besucher anwesend sein muss. In jedem Fall sollen es mindestens vier Sicherheitskräfte sein. Alle 19 Kommunen des Kreises haben sich der Initiative angeschlossen. So gelten für die Veranstalter im gesamten Kreis die selben Bedingungen, einem »Trink-Tourismus« wird vorgebeugt.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 02.02.2012 - 18.34 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang