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Kirchen untersuchen Geschichte unter Hitler

Artikel vom 23.01.2012 - 15.59 Uhr

Kirchen untersuchen Geschichte unter Hitler

Wiesbaden (dpa/lhe). Die evangelische Kirche in Wiesbaden arbeitet ein dunkles Kapitel der Geschichte auf: Die Rolle der Kirchen im Dritten Reich.

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Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung predigt beim Gottesdienst (Archivbild). Die evangelische Kirche in Wiesbaden will ein dunkles Kapitel der Geschichte aufarbeiten: Die Rolle der Kirchen im Dritten Reich. Foto: Hanno Gutmann dpa/lhe
Unter dem Titel »Zwischen Widerstand und Anpassung – Kirchenkampf in Wiesbaden 1933-1945« finden vom 25. Januar bis zum 1. April Gottesdienste und Vorträge statt. Darin geht es um die Auseinandersetzung zwischen nazi-treuen Deutschen Christen und der oppositionellen Bekennenden Kirche. Zu den Rednern zählen Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber und die heutigen Pastoren der Wiesbadener Gemeinden.

Unter dem Nationalsozialismus hatten sich die vier Wiesbadener Innenstadtkirchen auf die eine oder die andere Seite geschlagen. Die Bergkirche war Zentrum der Bekennenden Kirche. In ihrem Pfarrhaus legten Vikare der regimekritischen Kirche ihre Prüfungen ab. Im nahe gelegenen Christlichen Hospiz, dem heutigen Hotel »Oranien«, stand eine illegale Druckerpresse. Die Bergkirchengemeinde stellt sich bis heute bewusst in diese Tradition. Auch Ringkirche und Lutherkirche zählten sich zur Bekennenden Kirche.

In der Marktkirche herrschten die Deutschen Christen vor. Reichsbischof Ludwig Müller hatte 1934 den Marktkirchenpfarrer Ernst Ludwig Dietrich (1897-1974) zum Landesbischof der neugegründeten Landeskirche Nassau-Hessen berufen. Dietrich pries in Schriften die »einzigartige Größe des Führers« Adolf Hitler, distanzierte sich nach 1938 aber von den Deutschen Christen. Sein Nachfolger als erster Kirchenpräsident der EKHN wurde 1947 der Theologe Martin Niemöller, einer der führenden Köpfe der Bekennenden Kirche mit engen Kontakten zur Bergkirche.

Neue historische Studien erlaubten eine differenzierte Sicht, die nicht mehr an den hergebrachten Feindbildern »hier Bekennende Kirche, dort Deutsche Christen« festhalte, sagte Sigurd Rink, Propst der EKHN für Süd-Nassau. Die Deutschen Christen hätten ihren Einfluss nicht durchsetzen können. »Der Widerstand entwickelte sich aber andererseits nicht wirkungsvoll«, heißt es in einer Mitteilung.

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Artikel vom 23.01.2012 - 15.59 Uhr
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