Wetzlar (hjs). Eine Katastrophenmeldung aus Burkina Faso erreichte am Sonntag die Tikato-Gruppe der evangelischen Kirchenkreise Wetzlar und Braunfels: in Tikato ist ein Staudamm gebrochen! Mit Entsetzen mussten die Bauern zusehen, wie unter der Wucht und der Flut des Wassers ihre Häuser zusammenbrachen, 719 Rinder, Ziegen, Schafe und Hühner ertranken. In den fünf betroffenen Dörfern wurden 31 200 Kilo Getreide vernichtet.
Die untere Seite des Damms ist gebrochen. Menschen wurden verletzt, Vieh ertrank, 31 200 Kilo Getreide wurden vernichtet. (Foto: ODE Burkina Faso)
Spenden werden erbeten auf das Konto 100 30 906 des Evangelischen Rentamts bei der Sparkasse in Wetzlar, BLZ 51550035. Weitere Informationen unter www.tikato-burkina-faso.de & Tel 06442/5262
Obwohl die Regenfälle in diesem Jahr nur verspätet und zögerlich kamen, war am 17. Juli das Wasserrückhaltebecken (Staudamm) von Tikato/ Pissila im dürren Norden des Landes Burkina Faso randvoll gefüllt. Hoffnung für 5000 Menschen, dass die Ernte dieses Jahr doch noch gut werden könnte. Am 31. Juli um 17 Uhr aber brach - wie hierzulande erst am Wochenende bekannt wurde - ein nie erlebter Regen mit 140 Liter pro Quadratmeter über die Region herein. Und dann wurde die untere Seite des Staudamms von den Wassermassen weggerissen.
Das Getreide, das dabei vernichtet wurde, war die eiserne Reserve bis Oktober. Pastor Etienne Bazié, Direktor des Entwicklungshilfebüros der Kirchen in Burkina Faso (ODE) schrieb nun »mit tieftraurigem Herzen«: »Es bot sich ein Bild eines waidwunden Ungeheuers, das unaufhaltsam ausblutet und dessen Blut, das im Sahel so kostbare Wasser, noch bis zum folgenden Morgen zwischen den Gehöften und Feldern verströmte. (. . . ) Und so bitte ich Euch dringend um Hilfe nach dem Bibelwort in Sprüche 17, Vers 17 ‘Ein Freund liebt allezeit und in der Not zeigt sich der Bruder’. Wir sind getragen von der Hoffnung, dass trotz der internationalen Finanzkrise die Menschen im Raum Wetzlar-Braunfels ihre Solidarität mit der unglückseligen Bevölkerung von Tikato zeigen können.«
Großer Kummer herrscht auch bei der Tikato-Gruppe, die noch 2007 mit dem Wetzlarer Geologen Dr. Wilmers Wilmers eine Reparatur der Staudamms veranlasst hatte. Der Staudamm selbst war in den 70er Jahren mit Hilfe der Bevölkerung mit rund 200 000 Mark mitfinanziert worden. 150 Einheimische - unter ihnen der 82-jährige Pfarrer David Ouedraogo - hatten vor zwei Jahren mit enormem Einsatz geholfen, den oberen Teil zu reparieren. Wilmers dazu: »In der Tat war er in 2007 in einem schlechten Zustand und wir waren froh, ihn wieder reparieren zu können. Die obere Seite hielt dem reißenden Wasser auch stand; man sieht auf dem Foto, dass die untere gebrochen ist«. Viele der ohnehin sehr armen Menschen im zweitärmsten Land der Erde haben nun ihr Hab und Gut verloren, eine hohe Anzahl ist obdachlos.Dem Spendenappell aus Burkina Faso schließt sich der Arbeitskreis »Brot für die Welt - Tikato« in den Kirchenkreisen Wetzlar und Braunfels auch mit seinen Superintendenten Ute Kannemann und Roland Rust entschieden an. Dringend benötigt wird eine Ersthilfe für Nahrungsmittel und weitere Mittel, damit die Betroffenen wieder ein Dach über dem Kopf haben. Erforderlich ist auch Hilfe für eine vorläufige Reparatur des Damms, damit wenigstens der noch kommende Regen bis Ende September aufgefangen werden kann. In einem weiteren Schritt soll laut Bazié schnell eine Studie erstellt werden für einen neuen Damm.