Die meiste Zeit des Jahres schaut Ludwig jedoch auf das Häusermeer von Los Angeles. Seine Hauptwohnung liegt an einem Hang über der kalifornischen Millionenstadt. Seit 1984 lebt Ludwig vorwiegend in Amerika. »Inzwischen habe ich sowohl den deutschen als auch den amerikanischen Pass. Und tatsächlich schlagen zwei Herzen in meiner Brust«, sagt Ludwig in seinem Deutsch mit teils hessischer, teils amerikanischer Aussprache.
»Ich fühle mich sehr wohl in der Großstadt, aber ich trage dabei immer die Provinz in meinem Herzen.« Wenn Ludwig in seiner Heimat ist, trifft er alte Freunde. Abends geht er oft in die Kneipe »Zur Gemütlichkeit«, wo es die besten Brathähnchen Alsfelds gibt.
In der oberhessischen Kleinstadt kennen viele »Ludde«, wie er dort mit Spitznamen heißt. Aufsehen erregte er schon als Jugendlicher - mit einer Rede am Alsfelder Gymnasium. Auf der Abiturfeier kritisierte er den autoritären Unterricht von Lehrern, die noch im Nationalsozialismus ausgebildet worden waren. Zwei Lehrer verließen aus Protest die Feier, wie sich Ludwig erinnert. Jahrelang habe daraufhin am Alsfelder Gymnasium kein Abiturient mehr eine Rede halten dürfen.
»... meinen Beruf begonnen, weil ich glaubte, dass Fotografie die Welt verändern kann«
Für seine Reportagen fotografiert Ludwig Obdachlose und Neureiche, Prostituierte und Politiker. Um das Leid der Menschen bei Tschernobyl zu zeigen, wagte er sich mit der Kamera weit in das Innere des zerstörten Atomreaktors. Im Libanon wurde Ludwig von Aufständischen gefangen gehalten und mit Maschinenpistolen bedroht. Solche Risiken geht der Fotograf ein, weil er Probleme öffentlich machen will. »Ich habe meinen Beruf begonnen, weil ich glaubte, dass Fotografie die Welt verändern kann. Diese Hoffnung habe ich noch immer nicht ganz aufgegeben.« Internet: www.gerdludwig.com
In unserer Beilage finden Sie eine Querschnitt dessen, was Kinder im Rahmen unseres Projekts »Zeitung in der Grundschule« zwischen September und Dezember 2011 erarbeitet haben. » zur Sonderbeilage