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Zirkusdirektor Renz: »Ich, mein Vater, wir alle sind fix und fertig«

Artikel vom 16.02.2012 - 22.49 Uhr

Zirkusdirektor Renz: »Ich, mein Vater, wir alle sind fix und fertig«

Friedberg (ütz). »Ich war bis zuletzt bei Maya« – bei diesen Worten bricht Daniel Renz beim Telefonat mit dieser Zeitung die Stimme. Der Direktor des Zirkus Universal Renz schluchzt und sagt: »Ich muss jetzt auflegen. Es ist alles so schlimm.«

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So werden sie viele in Erinnerung behalten: Maya, als sie noch gesund war, bei ihrer Nummer »Einseifen« eines Besuchers in einem Zirkusauftritt. (Foto: Münstersche Zeitung)
Der Tod der Elefantenkuh, die am Sonntag auf dem Renz-Gelände in Ockstadt eingeschläfert wurde, ist für den Zirkus eine Tragödie. »Ich bin mit dem Tier aufgewachsen; es hat zur Familie gehört. Ich, mein Vater, wir alle sind fix und fertig«, hatte Renz vorher gesagt.

Renz war, wie er erzählt, am Sonntag sofort von Münster/Westfalen – dort gastiert sein Zirkus zur Zeit – nach Ockstadt gefahren, als er vom Veterinäramt Friedberg die Nachricht erhalten hatte, dass Maya eingeschläfert werden müsse. Der Zustand des Elefanten hatte sich seit Donnerstag vergangener Woche stetig verschlechtert. Es folgte zwar eine kurze Besserung bis Sonntag früh. Dann aber kollabierte Maya, und der am Samstag eingeflogene österreichische Spezialarzt für Elefanten, Dr. Johannes Wipplinger, hatte keine Möglichkeit mehr gesehen, den Dickhäuter zu retten. Sonntagnacht endete das Leben der über 40-jährigen Elefantenkuh, die 39 Jahre lang beim Zirkus Renz gewesen war.

Scharfe Angriffe von PETA

»Wir haben alles getan, was man tun konnte, aber irgendwann muss man wohl sagen, dass es keinen Sinn mehr hat«, sagte Renz. Der Leiter des Veterinäramts, Dr. Rudolf Müller, hatte dies bestätigt: »Die Unterbringung, die Pflege und die medizinische Behandlung waren nicht zu beanstanden.« Renz habe auch sofort der Sektion des Tieres und der nun beim Hessischen Landeslabor in Gießen folgenden – durchaus kostenträchtigen – Untersuchungen zugestimmt. In Gießen soll geklärt werden, was die rapide Verschlechterung des Gesundheitszustands verursachte. Müller: »Renz hätte das nicht tun müssen. Er hätte auch einen normalen Tierarzt bestellen und den Tod bescheinigen lassen können. Aber er ist interessiert an einer Aufklärung.«

Nicht nur der Tod des geliebten Elefanten macht Renz zu schaffen. Der Fall hat bundesweit Aufsehen erregt, »und jetzt stürmt alles auf mich ein – Zeitungen, Fernsehsender und auch noch PETA.« Die Tierrechtsorganisation aus Gerlingen bei Stuttgart hatte bereits vor zwei Wochen die Meldung verbreitet, dass Maya todkrank sei, apathisch in ihrer Halle in Ockstadt stehe und dass ihr notwendige Medikamente ebenso vorenthalten würden wie ordentliches Futter. Das Veterinäramt hatte nach einem darauf folgenden Besuch von Amtstierärztin Dr. Veronika Ibrahim diese Vorwürfe als haltlos bezeichnet. Müller: »Maya war in allen Bereichen gut versorgt und zu diesem Zeitpunkt aufmerksam, neugierig und verspielt. Sie hat sogar unserer Ärztin in die Tasche gegriffen, um etwas herauszuholen.«

Nach dem Tod von Maya holt PETA die Keule heraus. Seit 1995 habe man »die Blutspur des Zirkus Universal Renz« dokumentiert. PETA-Medienkoordinator Bartek Langer spricht von »Gewalttätigkeiten von Zirkusdirektor Renz« und greift das Friedberger Veterinäramt an, dessen »kumpelhafte Verbindung zwischen Renz und dem dortigen Leiter hinreichend bekannt« sei und das »seit Jahrzehnten« dringend notwendige tierschutzrechtliche Maßnahmen verweigere. Auch gegenüber der obersten Dienstaufsichtsbehörde, dem Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, habe dieses Amt »den für jeden Laien sichtbaren, extrem bedauernswerten Krankheitszustand Mayas« geleugnet. PETA habe vor wenigen Tagen 21 Veterinärämter wegen des Todes einer anderen Elefantenkuh angezeigt, dies hier sei ein fast identischer Fall.



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Artikel vom 16.02.2012 - 22.49 Uhr
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Leserkommentare
(22.02.2012 14:05)
wahlbürger
Das unser Mitforist
"tierfreunde" ein Mitglied der Zirkuslobby ist muss ja nicht extra erwähnt werden, sein ganzer Duktus und seine Argumentation weisen darauf hin.
Wer ein bisschen im Internet nachforscht der wird schnell lernen, um welche Art Zirkusmann es sich bei dem "schluchzenden" Chef des Universal Renz handelt, einen knallharten Geschäftsmann nämlich. Ich gehe davon aus, dass ein offizieller Obduktionsbericht an die kritisch überwachenden Medien gegeben wird. Wer innerhalb weniger Wochen ganz offensichtlich massgeblich Mitschuld am Tod von gleich 2 Asiatischen Elefanten trägt dem muss endlich Haltungsverbot erteilt werden!
(18.02.2012 00:53)
Fischerburkhardsfelden
Da steckt niemand drin
Manchmal kann niemand etwas für den schlechten Zustand eines Tieres- Dazu gibt es zu viele schreckliche Krankheiten etwa das Blauzungen- oder Schmallenbergvirus. Viele Krankheiten bei Wildtieren sind noch nicht einmal erforscht. Eine pauschale Schuldzuweisung ist daher nicht zielführend. Daß zunehmend Haltungsbedingungen in die Kritik geraten, führt dazu, daß solvente zirzensische Betriebe sich von Fahrzeugbauern Auflieger bauen lassen, mit denen sich die Transportauflagen erfüllen lassen. Tiertransporte "nach Schaustellerart" wird es dann nicht mehr geben.
(17.02.2012 16:46)
Tierfreunde
Mein Gott Milano
@ Milano
Langsam wird mir auch übel von deinen Kommentaren.
(17.02.2012 10:47)
Milano
Och gott, armer renz!
Dieser Typ hat noch nicht einmal das Rückgrat zuzugeben dass ER und die Vet-ämter die Schuld an dem Tod des Tieres tragen - wer hat das Tier denn erst in diesen erbärmlichen Zustand gebracht, wenn nicht er selbst? Jeder sieht doch jeden Tag sein Tier - wie kann es dann erst zu solch einem körperlichen Verfall kommen? Wenn man das Register von diesem Typ liest, was der schon auf dem Kerbholz hat, dann wird einem übel...
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